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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 21.10.2018

Die 8. Sinfonie von Anton BrucknerMusik für spätere Zeiten?

Gast: Hartmut Haenchen, Dirigent; Moderation: Beatrice Schwartner

Der Dirigent Hartmut Haenchen, geboren 1943 in Dresden (dpa / Riccardo Musacchio)
Ob mit Wagner im Orchestergraben oder mit Bruckner auf der Bühne: Der Dirigent Hartmut Haenchen ist ein akribischer Interpret (dpa / Riccardo Musacchio)

Anton Bruckners Achte Sinfonie ist ein Hauptwerk spätromantischer Orchestermusik. Doch mit der Gestalt seines Meisterstücks haderte der Komponist, entsprechend unterschiedliche Gestaltungen bringt die musikalische Praxis hervor.

Als "Gottesdienste für Bildungsbürger" werden Anton Bruckners Sinfonien gern bezeichnet. Dabei heißt es, er habe zehn Mal dieselbe Sinfonie geschrieben, weil er als genialer Improvisator an der Orgel einen musikalischen Grundgedanken immer wieder neu beleuchten konnte. Vielleicht war das aber auch ein Grund dafür, dass er seine Sinfonien mehrfach überarbeitete – und diese Überarbeitungen ebenfalls zur Disposition stellte, wie er 1891 dem Dirigenten Felix Weingartner über die Zweitfassung seiner Achten Sinfonie schrieb: "Bitte sehr, das Finale so wie es angezeigt ist, fest zu kürzen; denn es wäre viel zu lange und gilt nur späteren Zeiten und zwar einem Kreis von Freunden und Kennern."

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Schlange und Esel

Bruckner, der Komponist "symphonischer Riesenschlangen", wie sein Kontrahent Brahms ätzte; der glühende Wagner-Anhänger, der depressive Haderer, der sich nach seiner Achten Sinfonie selbst einen "Esel" nannte, der akribische Buchführer über absolvierte Rosenkränze für erfolgloses Anschmachten junger Mädchen, der Musikdiplom-Anhäufer – war er wirklich so naiv-fromm, so demütig bescheiden, wie er immer beschrieben wird?

Für die einsame Insel

Der Dirigent Hartmut Haenchen arbeitet zur Zeit an einem Bruckner-Zyklus; seine Einspielung der Achten Sinfonie ist kürzlich bei Genuin erschienen. In der ihm eigenen – auch in Büchern dokumentierten – akribischen Vorbereitung hat Haenchen in Bruckners Briefen ganz andere Charakterzüge des Komponisten entdeckt. Der gebürtige Dresdner, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, spricht in den "Interpretationen" darüber, warum man für Bruckner nichts anderes als Geduld braucht. Für ihn ist das "Musik für die einsame Insel", er vergleicht sie mit der Filmschnitttechnik von MTV und bescheinigt dem Komponisten Marketingstrategien der höheren Schule – also wirklich Musik für spätere Zeiten!

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