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Lesart / Archiv | Beitrag vom 04.05.2016

"Die 33. Hochzeit der Donia Nour"Bitterböse Groteske gegen den Islamismus

Von Dina Netz

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Ein Mann liest im Koran. (imago/Xinhua)
Hazem Ilmis Sci-Fi-Groteske stellt viele kritische Fragen an den Islam (imago/Xinhua)

Großägypten im Jahr 2048: Islamisten sind an der Macht, es gilt eine Neo-Scharia, das Ministerium für Sleepvertising sendet Botschaften direkt in die Gehirne. Gegen diese totalitäre Herrschaft begehrt die junge Donia Nour auf. Orwell arabisch.

Großägypten im Jahr 2048 ist dreigeteilt: Im Norden leben die Reichen, in der Mitte – klar – die Mittelschicht, im Süden die Armen. Das hat der weise Herrscher, der "Nizam", so geregelt, um die Konflikte zwischen den Bevölkerungsschichten zu beenden.

Das Zusammenleben regelt die Neo-Scharia, eine Art islamistische Koran-Auslegung, die die Menschen in der Mitte und im Süden quasi entmündigt und die Wohlhabenden zum Konsumieren antreibt. Hazem Ilmis Vision von Großägypten im Jahr 2048 ist eine bitterböse Groteske, die die Pläne der Terrorgruppe "Islamischer Staat" mit den finsteren Auswüchsen des Kapitalismus kreuzt.

Werbebotschaften direkt ins Gehirn

Ein muslimisches "1984" nach Orwell: Das Ministerium für Sleepvertising sendet den Bürgern Werbebotschaften direkt in die schlafenden Gehirne. Die Menschen werden bewertet nach der Zahl ihrer Gebete, die ein elektronischer Rosenkranz übermittelt. Jeder, der sich kritisch äußert, wird verbannt.

In dieser Szenerie, die weniger komisch als gruselig ist, weil sie gar nicht so unrealistisch erscheint, entwickelt Ilmi einen phantastischen und actionreichen Plot. Er führt zwei Handlungsstränge zusammen: Die titelgebende Donia Nour, 22 Jahre jung, ist eigentlich ein kleines Licht in der mittelägyptischen Verwaltung. Obwohl sie, wie alle, streng gläubig ist, hegt sie einen verwegenen Plan: illegal Ägypten, diesen "Albtraum von Land", zu verlassen. Das dafür nötige Gold erarbeitet sie sich, indem sie Ehen für eine Nacht eingeht.

Der Staat finanziert sich durch den Verkauf von Kulturschätzen

Bei der 33. dieser Hochzeiten gerät sie allerdings an den Obersten Richter, der entdeckt, dass sie keine Jungfrau ist und ihr Rache schwört. Auf der Flucht vor ihm deckt Donia das größte Geheimnis des Staatschefs auf: Den Wohlstand Nordägyptens finanzieren die Reichen mit der Verkauf der als satanisch gebrandmarkten Altertümer ins Ausland.

Diese Erkenntnis macht Donia vollends zur Rebellin, und in ihrer Auflehnung bekommt sie Unterstützung durch einen ebenso unwahrscheinlichen Märtyrer: Ostaz Ostaz, Philosophieprofessor, wird von Außerirdischen 1952 entführt und im Jahr 2048 wieder abgesetzt, um in Ägypten ein bisschen aufzuräumen.

Nur mäßig überzeichnete Ägypten-Karikatur

Hazem Ilmi ist das Pseudonym eines ägyptischen Neurowissenschaftlers, der in Neuseeland lebt. Sein Debüt "Die 33. Hochzeit der Donia Nour" hat er auf Englisch im Selfpublishing herausgebracht, Blumenbar veröffentlicht das Buch nun als erster Verlag. Auf Arabisch gibt es das Buch nicht – kein Wunder, denn es stellt viele kritische Fragen an den Islam, und die Ägypten-Karikatur erscheint nur mäßig überzeichnet.

Ilmi hat seinen Orwell und Michel Houellebecqs "Unterwerfung" (und auch den Koran) gelesen, aber er hatte etwas ganz anderes im Sinn: "Die 33. Hochzeit der Donia Nour" ist eine ausgelassene Burleske, die Islamisten eine lange Nase macht und ihnen Egoismus, Verbohrtheit und mangelnde Koran-Kenntnis attestiert. Und was für eine Wohltat ist dieser Roman im Vergleich mit dem sinistren Houellebecq! Denn Ilmi glaubt daran, dass die Menschheit eine Zukunft und zwei wirksame Waffen hat gegen den islamistischen Irrsinn: Mut und Humor.

Hazem Ilmi: "Die 33. Hochzeit der Donia Nour"
Aus dem Englischen von Matthias Frings
Blumenbar Verlag
272 Seiten, 18 Euro

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