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Interview / Archiv | Beitrag vom 26.07.2018

DFB-KommunikationsstrategieNachfragen nicht erwünscht?

Stefan Osterhaus im Gespräch mit Nicole Dittmer

DFB-Präsident Reinhard Grindel und Ex-Nationalspieler Mesut Özil. (dpa / Combo: Deutschlandradio)
DFB-Präsident Reinhard Grindel und Ex-Nationalspieler Mesut Özil: (dpa / Combo: Deutschlandradio)

Als Bundestrainer Löw den WM-Kader bekannt gab, waren Nachfragen nicht erlaubt. Nun reagiert DFB-Präsident Reinhard Grindel auf die Vorwürfe von Mesut Özil. Schriftlich, wie Sportjournalist Stefan Osterhaus bemängelt: "Da muss ich doch die Medien einladen!"

Nach langem Schweigen hat sich DFB-Präsident Reinhard Grindel zu der Causa Özil geäußert. In einer Erklärung auf der Website des Deutschen Fußballbundes gestand Grindel Fehler ein:

"Rückblickend hätte ich unmissverständlich sagen sollen, was für mich als Person und für uns alle als Verband selbstverständlich ist: Jegliche Form rassistischer Anfeindungen ist unerträglich, nicht hinnehmbar und nicht tolerierbar."

Gleichwohl wies er die Anschuldigungen Özils zurück, er und Teile des DFB seien rassistisch. Auf die Rücktrittforderungen, die in den letzten Tagen aufgekommen waren, ging Grindel gar nicht ein.

"Da muss sich der DFB unbedingt vor diesen Spieler stellen"

Dass Fehler seitens des DFB gemacht wurden, sei offenkundig, sagt der Sportjournalist Stefan Osterhaus:

"Es kann überhaupt nicht sein, dass ein Nationalspieler, der einen Migrationshintergrund hat, in so eine rassistische Debatte gerät – und die hat es gegeben, man musste nur in die Foren schauen. Und da muss sich der DFB unbedingt vor diesen Spieler stellen. Ich bin mir ziemlich sicher, es wäre in anderen Zeiten auch der Fall gewesen, aber dass es in der Ära Reinhard Grindel nicht passiert ist, zeigt auch, dass da einiges im Argen liegt."

"Als seien die alle im Sommerurlaub"

Grindels Erklärung sei "absolut erwartbar" gewesen und ähnele auch sehr der Erklärung des Verbandes vom Montag. Er habe eigentlich damit gerechnet, dass der DFB kommunikativ mehr in die Offensive gehe, so Osterhaus weiter:

"Ich hätte tatsächlich erwartet, dass man in diesem Augenblich auch mal eine Pressekonferenz anberaumt, dass man sich Nachfragen stellt und dass man die ganze Sache auch ein wenig offensiver vertritt. Man gleicht sich ja in gewisser Weise der Kommunikationsstrategie von Mesut Özil an – erstmal nichts sagen.

Das ist der größte Sportverband der Welt, sieben Millionen Mitglieder. Sie haben den Eindruck, die werden von einer Affäre heimgesucht, die eine ziemliche Dimension hat, als seien die alle im Sommerurlaub. Das kann doch überhaupt nicht sein, da muss ich doch die Medien einladen und mich Nachfragen stellen, zumal wenn es sich um einen Mann handelt wie Reinhard Grindel, der ist Journalist! Man hat den Eindruck, dass dieser Verband auch in Kommunikationstechnik gerade nicht gut gesteuert ist."

"Das ist ja ein Skandalverband"

Die Affäre Özil reihe sich ein in eine Vielzahl von Skandalen, so Osterhaus weiter. Er erinnerte an die Hoyzer-Affäre (2005) um verschobene Spiele oder an das gekaufte Sommermärchen:

"Das ist ja ein Skandalverband. Und häufig hat das ja auch Wechsel an der Spitze nach sich gezogen. Für den Augenblick ist Reinhard Grindel raus, aber das Ganze kann ihn noch einholen, denn im September wird die deutsche Nationalmannschaft in der Nations League gegen Frankreich spielen, den Weltmeister. Da wird sich zeigen, ob das Vertrauen in Löw/Bierhoff tatsächlich richtig ist.

Ende September steht dann noch die Vergabe der Europameisterschaft 2024 an und der Konkurrent des DFB ist die Türkei. Wenn das schief geht, dann sind die Tage von Reinhard Grindel gezählt. Der September wird sein Schicksalsmonat."

(abu)

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