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Konzert / Archiv | Beitrag vom 15.05.2020

Deutschlandfunk-Kultur-Spontankonzert mit Elisaveta BluminaEin musikalischer Freundeskreis

Moderation: Stefan Lang

Die Pianistin Elisaveta Blumina (Frances Marshall/Morgenland Festival Osnabrück)
Die Pianistin Elisaveta Blumina (Frances Marshall/Morgenland Festival Osnabrück)

Die Pianistin Elisaveta Blumina bietet ein russisch-ukrainisch-georgisches Programm. Fast alle Komponisten kannten sich untereinander. Auch ihr Lieblingskomponist Sergej Prokofjew ist dabei. Sie spielt zusammen mit dem jungen Geiger Albrecht Menzel.

Elisaveta Blumina wird gern als Anwältin unbekannter Komponisten bezeichnet. So hat sie zum Beispiel eine große Renaissance des Komponisten Mieczysław Weinberg mit ihren Konzerten ausgelöst. 

Am Abend wird sie vor allem Miniaturen spielen, kleine Werke, die zum Teil für sie entstanden sind. Doch zunächst beginnt sie mit dem Komponisten Alexander Skrjabin, der wie sie, eine synästhetische Gabe hatte.

Zwei spielende Hände spiegeln sich im Lack des Flügels. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Elisaveta Bluminas "Handwerkzeug". (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Das heißt, beim Hören von Klängen stellen sich auch optisch-farbliche Wahrnehmungen ein. Elisaveta Blumina nutzt diese Gabe auch für ihre eigenen Gemälde.

Russischer Lieblingskomponist

Auch ihr Lieblingskomponist Sergej Prokofjew ist im Programm integriert - hier im Zusammenspiel mit dem jungen Musikkollegen Albrecht Menzel.

Ein junger Mann hält die Wirbel seiner Geige nah an sein Gesicht. (Albrecht Menzel / Anne Hornemann)Albrecht Menzel spielt auf einer Geige, die Antonio Stradivari 1709 erbaute. (Albrecht Menzel / Anne Hornemann)

Prokofjew komponierte die Sonate op. 93 für Flöte und Klavier inmitten des Kriegsjahres 1943. Die auffällig schönen Melodien, die sich hin und wieder in tänzerische Passagen wandeln, brechen unvermittelt ab und münden in einem eigenartigen, ja bösartiges Stampfen. Der Geiger David Oistrach kam auf den Komponisten mit der Bitte zu, das Werk für sein Instrument, die Violine, zu bearbeiten.

Die Pianistin sitzt im Vordergrund, im Hintergrund spielt der Geiger. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Elisaveta Blumina (Klavier) und Albrecht Menzel (Violine) proben kurz vor dem Dlf-Kultur-Spontankonzert. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Den georgischen Komponisten Gija Kancheli traf die Pianistin in seiner Wahlheimat Antwerpen.

Persönliche Begegnungen

Bei ihrem Besuch gab er ihr persönlich die Klavierstücke op. 33, damals noch handschriftlich verfasst, da die Noten noch nicht verlegt waren. So konnte Blumina die Miniaturen aufnehmen.

Porträtaufnahme des Komponisten aus dem Jahr 2013. (imago images / ITAR-TASS)Giya Kancheli lebte viele Jahr ein Antwerpen, doch im Sommer zog es ihn für einige Wochen in seine georgische Heimat Tiblisi. (imago images / ITAR-TASS)

Ein Nachbar von Kancheli war Valentin Silvestrov. Auch er stand mit Blumina in persönlichem Kontakt. Als sie ihm ihre Silvestrov-Aufnahmen zusandte, schrieb er ihr zurück: das Album sei für ihn "70 Minuten Glück gegen 1000 Jahre Unglück".

Und auch der Komponist Juri Povolotsky gehört in den Freundeskreis der Pianistin. Er wurde in der Ukraine, in Odessa geboren, lebt nun aber in Jerusalem. Seine Werke beziehen sich deutlich auf die jüdische Tradition.

Einsatz für Weinberg

Da Elisaveta Blumina viele der Weinberg-Werke auf ihre Programme setzte, löste sie großes Interesse für dessen Musik aus. Somit ist es selbstverständlich, dass auch sein Name auf dem Programm steht. Da Blumina gerade sehr junge Kinder gern unterrichtet, fiel die Wahl auf Stücke für Kinder von Weinberg.

Ein guter Freund Weinbergs war Grigori Frid. Auch er gehört zu jenen Komponisten, die einen Anwalt für ihre Werke benötigen. Frid ist 1915 geboren worden, in jenem Jahr, in dem Skrjabin starb.

Die Musikerin sitzt am Flügel, daneben der junge Geiger, während sich im Flügel die bunten Fensterscheiben spiegeln. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Abendstimmung in der Kirche mit Elisaveta Blumina (Klavier) und Albrecht Menzel (Violine). (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Den Veranstaltungsort kennt Elisaveta Blumina sehr gut. Viele CDs hat sie hier aufgenommen. Auch ihr 33. Album entstand in der Dahlemer Jesus-Christus-Kirche, das sie die Tage unmittelbar vor dem Spontankonzert eingespielt hat.

Live aus der Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem

Alexander Skrjabin
5 Préludes op. 16

Mieczysław Weinberg 
Kinderheft op. 16 und 23 (Ausschnitte)

Valentin Silvestrov
Zwei Walzer – Elisaveta Blumina gewidmet

Gija Kancheli 
Aus den Klavierstücken op. 33

Juri Povolotsky
Aus "Around jazz": 
Sentimental Waltz
Lonely Star in the Night

Grigori Frid
Klavierstücke aus opp. 25, 38 und 40

Sergej Prokofjew
Sonate für Violine und Klavier D-Dur op. 94a

Albrecht Menzel, Violine
Elisaveta Blumina, Klavier

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