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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 28.07.2018

Deutschland schwitzt Wie können wir die Hitze überstehen?

Moderation: Gisela Steinhauer

( unsplash | Joe Pizzio )
Viele flüchten vor der Hitze ins kalte Nass. ( unsplash | Joe Pizzio )

Was derzeit noch als Ausnahme gilt, könnte schon bald ein Durchschnittssommer sein. Wie können wir uns für künftige Wetterextreme wappnen? Und welche Art von Pflanzen braucht die Landwirtschaft, um unsere Nahrungsversorgung auch in Zukunft zu sichern?

Was für ein Sommer in Deutschland! Urlauber genießen Sonne und mediterrane Nächte, die Winzer jubeln. Gleichzeitig fürchten Bauern um ihre Ernte und ihr Vieh, Feuerwehren schieben Überstunden, die Hitze lässt die Badegewässer umkippen. Was derzeit noch als klimatischer Ausreißer gilt, könnte in 30 Jahren ein normaler Durchschnittssommer sein. Wie können wir die Hitzewelle überstehen? Und wie können wir uns für künftige Wetterextreme wappnen?

"Wir werden mehr extrem heiße Tage bekommen"

"Wir werden mehr extrem heiße Tage bekommen", sagt Prof. Dr. Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung beim Deutschen Wetterdienst. Er untersucht seit mehr als 20 Jahren, wie Wetter und Wetterextreme auf den menschlichen Körper wirken. Das Zentrum gibt zweimal täglich detaillierte Karten heraus: Gefahrenwarnungen für Wetterfühlige, für Pollenflug, Hitze und UV-Strahlung. Der Wissenschaftler rät, die aktuellen Hitzewarnungen ernst zu nehmen. "Aktivitäten runterfahren, Siesta machen, viel trinken, salzarm essen und die Räume kühl halten." Die Politik müsse mehr zur Hitzeabwehr in den Städten tun: "Darauf müssen sich auch Stadtplaner einstellen und Schattenzonen im öffentlichen Raum schaffen." 

Bommert: Wir brauchen robuste Pflanzen in der Landwirtschaft 

"Wir müssen robust gegenüber solchen Klimaveränderungen werden", sagt Dr. Wilfried Bommert, Umweltjournalist und Sprecher des Instituts für Welternährung in Berlin. Der Agrarwissenschaftler sieht die Sommerhitze nicht als "Ausrutscher der Natur", sondern als klaren Beweis für den Klimawandel. Dieser bedrohe auch die Pflanzen und damit die Nahrungsversorgung. Die Landwirtschaft müsse sich dringend umstellen, sonst drohe ein Kollaps.

Seine Forderung: "Keine Monokulturen! Wir müssen uns in der Landwirtschaft darauf einstellen, dass Robustheit und Vielfalt das Wesentliche ist – und nicht hohe Erträge. Wichtig ist Vielfalt, ein Gemisch von Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sich Jahr um Jahr gegenseitig stützen. Solche Fruchtfolgen bilden strategische Allianzen zwischen Pflanzen und Boden und sorgen dafür, dass Dürren abgefedert werden können." 

"Wir haben nicht viel Zeit"

Die Politik müsse wegkommen von kurzfristigen, auf Wahlperioden abgestimmte Maßnahmen: "Wir haben nicht viel Zeit, das muss in den nächsten 20 Jahren passieren. Wir erleben gerade erst den Anfang: Hitzewellen von über 40 Grad, wie wir sie in Australien sehen, da sind die Kulturen weg."

Deutschland schwitzt – Wie können wir die Hitze überstehen? Fragen beantworten von 9.05 bis 11 Uhr Wilfried Bommert und Andreas Matzarakis. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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