Seit 01:05 Uhr Tonart

Donnerstag, 21.03.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Interview / Archiv | Beitrag vom 26.07.2018

Deutschland beim Verpackungsmüll Spitzenreiter Ein trauriger Europameistertitel

Thomas Fischer im Gespräch mit Nicole Dittmer

Podcast abonnieren
Plastikmüll (picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa)
Deutschland hat einen "traurigen Spitzenplatz in Europa" beim Verpackungsmüll, sagt die DUH. (picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa)

Rund 220 Kilogramm Verpackungsmüll produziert ein Deutscher pro Jahr. Damit liegen wir laut Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe 20 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Plastik sei einfach zu billig, so Fischer.

18,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll fallen jährlich in Deutschland an, das sind 20 Prozent mehr als der europäische Durchschnitt, sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe:

"Das ist ein Europameistertitel, auf den wir nicht stolz sein sollten und den wir schnell wieder loswerden sollten. Denn diese größeren Abfallberge führen zu einer größeren Klimabelastung - und verbrauchen endliche Ressourcen."

Bananen in Plastik verpackt

Die Gründe für das Mehr an Verpackungsmüll sind vielfältig, sagt Fischer. Zum einen seien Produkte immer kleinteiliger vorportioniert, der Trend zu Essenslieferdiensten oder Essen-to-go tue ein übriges. Außerdem seien 62 Prozent des Obsts und Gemüses in Supermärkten inzwischen extra in Plastik verpackt. Und auch der vermehrte Online-Handel, der zweistellige Zuwachsraten hat, führt zu mehr Verpackungsmüll.

Fischer sieht vor allem den Handel gefordert, nicht so sehr die Verbraucher:

"Die Verbraucher haben sich ja nicht ausgesucht, dass bei Aldi oder Lidl nur noch Einweg-Plastikflaschen im Regal stehen. Die Verbraucher sind auch nicht dafür verantwortlich zu machen, wenn Bananen in Plastikfoliensäcken verkauft werden. Das haben sich die Kunden ja nicht ausgesucht.

Wenn Verbraucher sich verbiegen müssen, lange Wege in Kauf nehmen müssen, um umweltfreundliche Verpackungen und Produkte einzukaufen, dann wird es schwierig, weil die Verbraucher sind einfach sehr bequem. Und Bequemlichkeit hat auch mit dem steigenden Onlinehandel zu tun."

Im Onlinehandel könne man die Verpackungen auch an die Produktgrößen anpassen und so Müll einsparen.

Politik soll den Einsatz von Plastik teurer machen

Insgesamt sei Plastik und auch dessen Entsorgung viel zu billig:

"Die Politik muss dafür sorgen, dass der Einsatz von Plastik so teuer wird, dass solche unsinnigen Verpackungen sich nicht mehr rechnen und entsprechend nicht mehr angeboten werden. Wir brauchen ökonomische Lenkungsinstrumente."

(abu)

Mehr zum Thema

"Original Unverpackt" - Alles, außer Rasierschaum
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 12.08.2014)

Selbstversuch Plastikverzicht - Wie schafft man ein Leben ohne Plastikmüll?
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 28.06.2018)

Familienexperiment - Eine Woche ohne Plastikmüll
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 22.05.2018)

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur