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Rang I | Beitrag vom 05.12.2020

Deutsches Theater Berlin Ensemble startet Solidarischen Adventskalender

Von Natalja Joselewitsch

Das Deutsche Theater in Berlin zur blauen Stunde. (picture alliance)
Das Deutsche Theater in Berlin bemüht sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. (picture alliance)

Unter dem Motto "Gemeinsam für die Künste" wurde am Deutschen Theater in Berlin ein "Solidarischer Adventskalender" gestartet. Damit soll der freien Szene in Deutschland geholfen werden, aber auch Künstlerinnen und Künstlern in Krisengebieten.

"Theater sind existenziell für die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt." Das hat Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin, in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschrieben, und zwar schon Ende Oktober, kurz vor Beginn des Teillockdowns.

Jeden Tag ein Türchen 

Jetzt zeigt das Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin, wie dieser gesellschaftliche Zusammenhalt ganz praktisch aussehen kann. Unter dem Motto "Gemeinsam für die Künste" haben die Schauspieler und Schauspielerinnen einen "Solidarischen Adventskalender" initiiert, mit dem sie sich nicht nur für die freie Szene in Deutschland einsetzen, sondern auch für die Kunstszene in anderen Krisengebieten, beispielsweise in Belarus. 

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Fünf rote Türchen sind bereits geöffnet auf der Internetseite des Deutschen Theaters Berlin. Fünf Türchen, hinter denen jeweils das Video eines Künstlers oder einer Künstlerin wartet. Nur sind in diesem Jahr keine Darbietungen der Ensemblemitglieder zu sehen, sondern Porträts von Kunstschaffenden aus der freien Szene.

Eine Idee, die vom Ensemble ausging, wie DT-Schauspielerin und Initiatorin Kathleen Morgeneyer erklärt: "In mir ist zum Beispiel der Wunsch ganz stark gewachsen, nicht zu verzweifeln, sondern daran zu denken, was kann man tun? Was kann man auch gemeinsam tun?", sagt sie. "Die einzige Chance darüber nachzudenken ist, indem man sich mit den nächsten Freunden austauscht, mit dem Musiker, den man verehrt und kennt oder mit der Tänzerin, die jetzt zu Hause ist und versucht mit wenigen Euros auszukommen." Aus diesem Gedanken heraus sei die Idee entstanden, Künstlerinnen und Künstler vorzustellen, und dann habe sich die Idee mit dem Adventskalender ergeben.

Videos sollen Interesse wecken 

Jeden Tag stellt ein Mitglied des DTs einen Bekannten oder Freund aus der freien Szene vor. Die Videos sollen mehr Aufmerksamkeit für die individuellen Schicksale der freien Künstler und Künstlerinnen schaffen. Das Ensemble wollte aber noch einen Schritt weiter gehen und auch finanziell unterstützen, wie Morgeneyer betont:

"Es gibt natürlich auch viele Menschen, wo es finanziell sehr, sehr knapp wird und die sich fragen, wie überstehe ich diesen Winter? Wann darf ich wieder arbeiten? Im Frühjahr, im Sommer, im nächsten Herbst? Und da ist natürlich ganz klar, dass man finanziell auch helfen möchte."

Spenden für Lesbos und Belarus

Zusätzlich zu dem solidarischen Kalender wurde ein Kultursozialfonds auf Spendenbasis gegründet. Mit dem Erlös des Fonds soll neben der freien Szene auch ein Theaterprojekt auf der griechischen Insel Lesbos unterstützt werden, sagt Chefdramaturgin und Mitinitiatorin Birigt Lengers:

"Das eine ist eine Theatergruppe, Tamsilgaran heißt die, und die ist gegründet worden von dem Regisseur und Autor Yadullah Musawi und die machen Kunst und Theater auf Lesbos mit geflüchteten Menschen." Die Theaterarbeit sei eine Pause zwischen den Hügeln, in der die Flüchtlinge einen kurzen Moment von Sicherheit erlebten. Theaterarbeit kann man auf Lesbos also durchaus als ‚lebensrelevant‘ bezeichnen.

Um das Überleben der freien Kunst geht es bei dem dritten Projekt, das mit dem Kultursozialfonds unterstützt werden soll. Ein Teil der Spenden soll nach Belarus an die "Stiftung für kulturelle Solidarität" gehen.

"Sie haben uns eine Liste geschickt von 400 KünstlerInnen, die ganz massiven Repressionen ausgesetzt sind, die verhaftet wurden, die massiv auch psychischem Druck ausgesetzt sind und diese KünstlerInnen zu unterstützen, das ist das zweite Projekt, dem wir gerne helfen möchten", sagt Lengers. 

Bereitschaft zu helfen 

In anderen Teilen der Welt sind die Kunst- und Kulturschaffenden noch ganz anderen Krisen ausgesetzt als in Europa. Trotzdem stellt sich die Frage, wie viel Bereitschaft die Menschen hierzulande momentan überhaupt noch haben, um sich für Kunst in anderen Krisengebieten einzusetzen. Lengers sieht das optimistisch:

"Weil man spürt, auch durch diese Pandemie, dass das Kleindenken, dass jeder egozentrisch überlegt, wie komm ich gut durch, uns auch als Gesellschaft oder als Menschen überhaupt nicht hilft. Ich glaube schon, dass sich diese Kreise vergrößern werden und dass da auch was zusammenkommt." 

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