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Tonart | Beitrag vom 15.09.2020

Deutsches Symphonie-OrchesterChefdirigent Robin Ticciati bleibt in Berlin

Volker Michael im Gespräch mit Carsten Beyer

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Robin Ticciati beim Dirigieren (Getty Images / Corbis Entertainment / Robbie Jack)
"Die Zukunft fordert die Kunst heraus", sagt Dirigent Robin Ticciati, der mit dem DSO neue kreative Wege gehen möchte. (Getty Images / Corbis Entertainment / Robbie Jack)

Robin Ticciati, Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, verlängert seinen Vertrag. Er sieht große kreative Herausforderungen für jeden einzelnen Musiker. Gewohnheiten will er in Frage stellen – auch wenn das anstrengend ist.

Es gibt wichtige Neuigkeiten beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin: Chefdirigent Robin Ticciati hat seinen Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Bis ins Jahr 2027 bleibt der 37 Jahre alte britische Dirigent als Künstlerischer Leiter dem Orchester, unserem Sender und dem kulturellen Leben der Bundeshauptstadt also erhalten.

"Kein Ensemble, mit dem ich lieber arbeiten möchte"

Musikredakteur Volker Michael hat mit Robin Ticciati gesprochen. Die Orchestermusiker hätten Ticciati schon vor einem Jahr eine Verlängerung vorgeschlagen – für ihn ein wichtiger Grund zu bleiben.

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"Es gibt kein Ensemble, mit dem ich in Zukunft lieber zusammenarbeiten möchte als das DSO Berlin", sagt Ticciati. "Und diese Zukunft fordert die Kunst heraus, bringt viele Veränderungen – manches kann sogar besser werden, und manches ist sehr anstrengend."

"Wir müssen lernen, beim Laufen zu denken"

Durch die Coronamaßnahmen gerate die Kultur unter Druck. Ticciati sieht Folgen der Pandemie – auch für seine Arbeit in Berlin, die er so beschreibt:

"Die Folge ist, dass wir viel mehr Fragen stellen und dass Institutionen schneller werden müssen, dass wir alle lernen müssen, beim Laufen zu denken, dass wir improvisierte Ideen entwickeln müssen, dass wir eine Idee entwickeln und sofort mit ihr losrennen. In großen Institutionen wird manches ja aus reiner Gewohnheit gemacht. Dass wir dem Gewohnten neues Leben einhauchen, das finde ich spannend." 

Bei einem Konzert im Oktober will Robin Ticciati zum Beispiel selbst Schlagzeug spielen, und zwar in einem Marsch von Henry Purcell zur Trauermusik für Queen Mary.

"Klassische Musik muss den Menschen Mehrwert geben"

Spontan Konzertprogramme zu ändern, das sei momentan ganz normal, findet Robin Ticciati. "Die größte Änderung für Symphonieorchester in den nächsten Jahren wird sein, dass jede einzelne Musikerin, jeder Musiker kreativ werden muss. Das will ich anregen und anfeuern", lautet sein Vorsatz.

"Und die Pandemie ist der Anlass, dass wir uns gegenseitig Fragen stellen, dass wir zeigen, dass klassische Musik anders ist als das Alltagsleben der Menschen, dass es ihnen einen Mehrwert geben muss. Das ist kompliziert, aber ich habe das Gefühl, dass ich mit diesem Orchester daran arbeiten kann." 

(huc)

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