Montag, 20.01.2020
 

Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.11.2014

Deutsches Symphonie-Orchester BerlinBitte schön, Herr Professor!

Aufzeichnung aus der Philharmonie

Der ungarisch-österreichische Dirgent Ferenc Friscay. (picture alliance / dpa)
Der Dirigent Ferenc Friscay (picture alliance / dpa)

Sein Name ist Legende - der ungarische Dirigent Ferenc Fricsay prägte das Musikleben im Nachkriegs-Berlin nachhaltig, nicht nur im Westteil. Sein Orchester, das heutige DSO, widmet ihm ein Konzert zum 100. Geburtstag.

Am 9. August wäre er 100 Jahre alt geworden, der Sohn eines K&K-Militärkapellmeisters. Ferenc Fricsay wurde der erste Chefdirigent des RIAS Symphonieorchesters. In seiner Heimatstadt Budapest hatte er noch bei Béla Bartók und Zoltán Kodály Unterricht gehabt. Treue zum klassischen Repertoire, Unbeirrbarkeit, was musikalische Moden anbelangt, ein sehr persönlich-emotionaler Stil und unerbittliches Qualitätsbewusstsein zeichneten seine musikalische Arbeit aus.

Trotz aller - scheinbar altmodischen - Strenge und Liebe zur Klassik, Romantik und Gegenwart schöpfte Fricsay stets die Möglichkeiten der modernen Medien aus. Er gehört zu den Pionieren der medialen Verwertung von Konzerten für Radio und TV. Darin stand er dem "West-Berliner" Konkurrenten Herbert von Karajan in nichts nach. Auch seine Versiertheit sowohl auf der Opernbühne wie auch im Konzertsaal brauchte internationale Vergleiche niemals zu scheuen.

Fricsay probte emotional mitreißend, ging an die Grenzen der Kollegialität, aber wahrte nach außen immer die alt-Habsburger Etikette - "Seid's so lieb!", "bitte schön, Herr Professor" oder "könnten wir", das waren die Floskeln seines Umgangs mit den Musikern. Partituren waren für ihn "Heilige Schriften", was nicht bedeutet, dass Fricsay ein fundamentalistisches Verhältnis zu den musikalischen Quellen pflegte. Die momentane Eingebung verband ihn durchaus mit seinen Musikern.

Der derzeitige Chefdirigent Tugan Sokhiev ist sich des großen Erbes, das bis heute im DSO Berlin spürbar ist, durchaus bewusst. Gern und regelmäßig begibt er sich in die Nachfolge des großen ungarischen Kapellmeisters, wenn er mit den Musikerinnen und Musikern hart arbeitet und zugleich Freude und Impulsivität erlebt.

Im Programm des Jubiläumskonzerts für Ferenc Fricsay treffen Lieblingswerke beider Dirigenten aufeinander, der kurze prägnante "Zauberlehrling" von Paul Dukas, Mozarts berückend schöne Sinfonie für Bläserquartett und Orchester und Strawinskys Petruschka-Suite in der späteren Fassung. Ganz selbstverständlich gehört dieser Abend allein den Mitgliedern des DSO Berlin, aus deren Reihen die vier Solisten kommen: Es entsteht ein Kollektiv aus Individualisten, die mit voller Kraft und tiefem Bewusstsein an einem Strang ziehen - Musizieren ganz im Sinne des großen Ferenc Fricsay.  

 

 

Philharmonie Berlin

Aufzeichnung vom 19. November 2014

 

Festkonzert zum 100. Geburtstag von Ferenc Fricsay

 

Paul Dukas

"L'apprenti sorcier" Sinfonisches Scherzo für Orchester

 

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonia concertante für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester Es-Dur KV 297b

 

in der Konzertpause:

Drei Musiker Jahrgang 1920 erinnern sich an ihren Chefdirigenten Ferenc Fricsay - Volker Michael im Gespräch mit Werner Berndsen, Eberhard Wangemann und Heinz Wilcke 

 

Igor Strawinsky

"Petruschka" Burleske Szenen in vier Bildern für Orchester (Fassung 1947)

 

Thomas Hecker, Oboe

Richard Obermayer, Klarinette

Paolo Mendes, Horn

Jörg Petersen, Fagott

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Leitung: Tugan Sokhiev

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