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Fazit | Beitrag vom 22.07.2019

Deutsches Museum MünchenBaustelle ohne Kostendeckel

Von Tobias Krone

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Das 1903 gegründete Deutsche Museum ist mit ca. 73.000 qm Ausstellungsfläche das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt. (© Deutsches Museum)
Das 1903 gegründete Deutsche Museum ist mit ca. 73.000 qm Ausstellungsfläche das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt. (© Deutsches Museum)

Die Sanierung des Deutschen Museums in München sollte 450 Millionen Euro kosten, doch wahrscheinlich wird es eine Milliarde. Auch der Termin 2025 für die Fertigstellung des Technikmuseums kann wohl nicht eingehalten werden.

Die Kathedrale der Luftfahrt ist ausgehöhlt. Dort, wo Generationen von Schulklassen Flugzeuge bestaunten, klafft nun auf mehreren tausend Quadratmetern Estrich. Dieter Lang, Hornbrille und Motorradschuhe aus Wildleder, leitet die bauliche Sanierung des Deutschen Museums. Gegenwärtig wirkt er eher wie ein Konkursverwalter, der seine Gläubiger überzeugen muss. Denn seitdem vor Kurzem klar wurde, dass die einst zurückgestellten 450 Millionen Euro noch nicht einmal für die Modernisierung des ersten von drei Bauabschnitten reichen, ist man in der bayerischen Öffentlichkeit empört.

"Das ist ein Paradebeispiel, wie mit öffentlichen Mitteln fahrlässig umgegangen wird", sagt Verena Osgyan, die für die Grünen im Bayerischen Landtag sitzt. Seit 2014 verwaltet der Ausschuss für Wissenschaft und Kultur die schlechten Neuigkeiten. Inzwischen ist klar: Aus dem Plantermin für die Eröffnung des gesamten Hauses 2025 wird wohl nichts. Zudem stellten die Museumsleute fest: "Dass die letzte Kostensteigerung, von der wir noch im Mai ausgegangen sind, nämlich diese 150 Millionen obendrauf, jetzt schon wieder Makulatur ist und man mittlerweile mit gar keiner klaren Aussage mehr rausgehen kann. Das hätte ich mir gleich als Einstieg gewünscht."

Sanierung offenbar nicht planbar

Wie konnte es auf der Baustelle zu solchen Kostensteigerungen kommen? Wer auf der Baustelle bei Dieter Lang nachfragt, erhält zunächst Einblicke in die Sanierungsarbeit – für ihn der Hauptgrund für die Kostenexplosion. Denn der historizistische Museumsbau, 1925 eröffnet, war selbst eine technische Neuerfindung. 

"Das ist das zweite Eisenbetongebäude in München", sagt Lang. "Und da sind natürlich Dinge noch nicht bekannt gewesen, die man heute über Stahlbeton weiß. Man hat keine wissenschaftliche Herangehensweise gehabt an Betonrezeptur, dann hat man Kies aus der Isar geschaufelt, Zement dazugetan, verrührt und in die Schalung gegossen. Und das Ergebnis ist mal so, mal so. Wir hatten den Fall im Untergeschoss mit Stützen, die das ganze Haus tragen. Die praktisch zerbröselt sind."

Deutsches Museum blau beleuchtete Nordfassade des Deutschen Museums an der Reichenbachbrücke in München bei Nacht / night view of the Northern Facade of Deutsches Museum on Reichenbach Bridge in Munich, 5.7.2019 (www.imago-images.de)Die Nordfassade des Deutschen Museums in München. (www.imago-images.de)
Zudem hätten sich nun im allgemeinen Bauboom in Süddeutschland die Baukosten dramatisch erhöht. Es klingt ein bisschen ironisch, aber die Sanierung eines Vorbildmuseums deutscher Technologie, das Hunderttausende internationale Touristen jährlich besuchen, war offenbar nicht planbar. Und ist es bis auf Weiteres nicht. Die nächste Prognose ist für das kommende Jahr geplant. Hämische Kritikerstimmen beschwören da schon Vergleiche mit dem Berliner Chaosflughafen BER herauf. Natürlich sehr polemisch. Und doch gibt es Parallelen. Denn wie beim Berliner Pannenflughafen sitzt im Deutschen Museum auch der Bund mit im Boot. 

"Der Bund ist gefordert"

"Es ist ja das Deutsche Museum", sagt Robert Brannekämper, Landtagsabgeordneter der CSU. "Und allein die Struktur zeigt Ihnen schon, dass es kein bayerisches Museum, sondern ein deutsches. Alle Länderministerpräsidenten sitzen im Kuratorium. Die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident sind Ehrenpräsidenten. Der Bund ist hier gefordert."

Dass die eigenständige Verwaltungseinheit Deutsches Museum zur Hälfte von Berlin aus finanziert wird, das zeige auch, wer in Wirklichkeit die Verantwortung trage. Als man dem Museumsdirektor Wolfgang Heckel 2011 seine Finanzierung zugesagt habe, sei das so gelaufen: Der Bund und das Bundesland Bayern haben damals 400 Millionen Euro gegeben, weil es das Zehnfache der Summe an Privatspenden war, die Heckel eingesammelt habe. 

"Heckel hat damals schon im damals entscheidenden Moment die richtigen Fragen gestellt", sagt Brannekämper. "Er hat gefragt, wie sieht es aus mit einem Kostenpuffer, wie sieht es aus mit Preisindizierung, wenn der Bau teurer werden sollte. Dann haben die damals Handelnden, die da waren, Frau Schavan unter anderem, gesagt: Herr Heckel, es gibt für Sie jetzt insgesamt 400 Millionen. Wenn Sie daran rütteln, können Sie gleich wieder gehen und bekommen gar nichts."

Bayern wird mitzahlen müssen

Der Fehler habe darin bestanden, dass die Bauherren nun erst einmal auf Sicht fahren mussten. "Es gab nie eine Äußerung auch der Oppositionsfraktion im Bayerischen Landtag oder im Deutschen Bundestag, die gesagt hätte, das Geld reicht nicht. Sondern damals hat jeder das Geld gegeben und hat gesagt: Das ist ein Super-Coup. Und jetzt saniert mal."

Für den bayerischen Konservativen ist nun Berlin gefragt, die nächste Tranche der Kosten vorzulegen. Schließlich habe auch die Berliner Museumsinsel deutlich ihre Kostenplanungen überstiegen, da sei es nur gerecht, wenn München jetzt auch vom Bund profitiere.

Doch auch der Freistaat Bayern wird mitzahlen müssen – unter der Hand wird schon die Milliarde genannt. Grünen-Politikerin Verena Osgyan sieht andere bayerische Projekte wie den neuen Münchner Konzertsaal oder die Sanierung des Hauses der Kunst in Gefahr: "Für den Landeshaushalt und natürlich auch für den Bundeshaushalt sind das gewaltige Summen, die an anderer Stelle eindeutig fehlen werden."

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