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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.06.2016

Deutsches Historisches MuseumAuch Kochs Nachfolger wird es schwer haben

Von Christiane Habermalz

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU,M) wird im Jahr 2012 vor dem Deutschen Historischen Museum in Berlin von Direktor Alexander Koch (l) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (r) begrüßt. (dpa/ picture-alliance/ Wolfgang Kumm)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU,M) wird im Jahr 2012 vor dem Deutschen Historischen Museum in Berlin von Direktor Alexander Koch (l) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (r) begrüßt. (dpa/ picture-alliance/ Wolfgang Kumm)

Der Präsident des Deutschen Historischen Museums in Berlin hat sein Amt niedergelegt. Zwar scheine ihm nun keiner eine Träne nachzuweinen, kommentiert Christiane Habermalz, aber die Probleme des Museums seien damit noch nicht gelöst.

Jetzt ist also Alexander Koch, interessanterweise der erste Historiker an der Spitze des Deutschen Historischen Museums, selber Geschichte. Nach nur fünf Jahren im Amt hat sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters von ihm verabschiedet, das Verhältnis zu seinen Mitarbeitern war zuletzt nach langem internen Grabenkrieg zerrüttet, das Vertrauen der Politik, die lange ihre schützende Hand über ihn gehalten hatte, aufgebraucht. Im Haus selber sollen die Sektkorken geflogen sein, als die Nachricht durchsickerte, dass Koch gehen müsse. Mit seinem Führungsstill stand es offenbar nicht zum Besten.

Doch jetzt im Nachhinein will niemand ein gutes Haar an ihm lassen. Die Ausstellungen seien ideenlos und flach gewesen, so die fast einhellige Meinung des Feuilletons. Die meisten Schauen der letzten Jahre seien zudem keine eigenen Leistungen, sondern anderen Institutionen übernommen worden. Doch in der jetzigen Kakophonie der Häme wird schnell vergessen, dass das Deutsche Historische Museum bis heute an seiner ungelösten Grundsatzfrage krankt: Wie soll ein nationales Geschichtsmuseum im 21. Jahrhundert eigentlich aussehen?

DHM hängt wie kein anderes Museum am Gängelband der Politik

Das DHM steht in der Pflicht, DAS bedeutende Nationalmuseum der Bundesrepublik zu sein, die großen historischen Bögen zu ziehen - und gleichzeitig ein Schaufenster des Geschichtsglamours, in dem gelangweilten Schulklassen möglichst anschaulich 2000 Jahre deutscher Geschichte nahegebracht werden soll. Eine Mischung aus Rumpelkammer der Objekte und geschichtspolitischem Nationaltheater.

Gleichzeitig hängt es wie kein anderes Museum am Gängelband der Politik. In seiner Gründungszeit stand das DHM unter dem ständigen Generalverdacht, Helmut Kohl diktiere aus dem Hintergrund sein eigenes Geschichtsverständnis. Und auch die Vorgänger Kochs hatten sich zum Teil heftigster Kritik zu erwehren. Gründungsdirektor Christoph Stölzl eröffnete zwar einige vielbeachtete Ausstellungen wie die Bismarck-Schau im Jahr der Wiedervereinigung 1990, schaffte es in zehn Jahren aber nicht, eine Dauerausstellung zu eröffnen.

Stölzls Nachfolger Hans Ottomeyer galt als Objektfetischist, weil er vor allem viel Zeit und Geld auf den Ankauf von Ausstellungsstücken verwandte. Immerhin öffnete er 2006 endlich die Dauerausstellung. Deren Modernisierung ist lange überfällig, dafür war Koch angetreten. Er wollte entrümpeln, und thematische "Schneisen schlagen". Beides fand bis jetzt nicht statt.

Alexander Koch hat viel für Kunstvermittlung getan

Doch als Pädagoge und Vermittler hat er durchaus etwas bewegt. Mit Ausstellungen wie "Alltag Einheit", mit der viele Deutsche eigene persönliche Erinnerungen verbinden, hat das DHM viele Besucher erreicht. Und er hat viel für die Kulturvermittlung getan, alle Besuchergruppen sollten angesprochen werden, inklusive Modellprojekten für Ausstellungskonzeptionen in leichter Sprache und in Blindenschrift. Damit hat er die Besucherzahlen kontinuierlich steigern können.

Das mag die Ausstellungskritik nicht überzeugen, aber ein Erfolg ist es doch. Klar ist: Auch Kochs Nachfolger im Amt wird es schwer haben. Eins würde ihm den Job erleichtern: Er sollte wissen, was er will. Im besten Falle könnte es einem modernen Deutschen Historischen Museum gelingen, Fragen der Identität, die sich uns heute mehr denn je stellen, zu reflektieren - in Gegenwart und Vergangenheit.

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