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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.01.2019

Deutscher Krimipreis für Simone Buchholz"Organisierte Kriminalität ist Kapitalismus in Reinform"

Simone Buchholz im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Die Schriftstellerin Simone Buchholz sitzt in blumiger Bluse an einem Tisch vor einem Straßencafé und lächelt in die Kamera. (dpa/Christian Charisius)
Für ihren Krimi "Mexikoring" wurde Simone Buchholz mit dem Krimipreis 2019 ausgezeichnet. Ihre Romane versteht sie auch politisch, sagt sie im Gespräch. (dpa/Christian Charisius)

Simone Buchholz interessieren geschlossene Systeme. In ihrem Kriminalroman "Mexikoring" steht deswegen ein krimineller Clan im Mittelpunkt. Sie habe herausfinden wollen, was es mit Menschen macht, wenn sie sich in solchen Systemen bewegen, sagt sie.

Seit 1985 zeichnet das Bochumer Krimi-Archiv jährlich die besten Kriminalromane aus. Preisträgerin 2019 ist die Autorin Simone Buchholz. In "Mexikoring" ermittelt wieder die Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley. In diesem Fall gegen einen kriminellen Clan mit migrantischen Wurzeln, in dessen Geschichte eine kleine Völkerwanderung und eine große Liebesgeschichte stecken.

Kriminelle Clans als geschlossene Systeme

"Ich wollte gern eine Geschichte über Menschen in geschlossenen Systemen schreiben", sagte Simone Buchholz im Deutschlandfunk Kultur. "Und was es mit Menschen macht, wenn sie in solchen Systemen sitzen."

Deshalb beschäftigte sie sich mit organisierter Kriminalität. Beim LKA in Hamburg sei sie nach Bremen verwiesen worden, dort habe man ein "richtiges Problem". "Während der Recherche merkte ich schon, ich habe da irgendwo reingefasst. Da passiert gerade etwas." Organisierte Kriminalität, fand Buchholz für sich heraus, "ist nichts anderes als Kapitalismus in Reinform - und umgekehrt." 

Kritik an der Krimi-Kritik

Simone Buchholz ist Mitglied im Herland-Netzwerk, einer Gruppe von Kriminalautorinnen, die sich als feministisch, antikapitalistisch und politisch verstehen:

"Wenn ich mit einem klaren Blick darauf schaue, wie es im Genre Krimi in Deutschland läuft, muss ich sagen: 'Skandal! Was soll das?'" Sehr schlechte Bücher würden immer wieder ausführlich besprochen, "nur weil es das Debüt eines weißen Mannes ist."

Sie selbst habe die Erfahrung gemacht, dass egal, wie politisch und engagiert man gesellschaftliche Zustände beschreibe, am Ende bei Büchern von Frauen von "lichter Unterhaltung" die Rede sei - und bei Büchern von Männern von einem "existenziellen Stück Literatur" oder "einem politisch radikalen Wurf". "Da denke ich dann schon: 'Ach Jungs, wir sind im Jahr 2019! Es wäre so schön, wenn man sich nicht ständig darüber beschweren müsste.'"

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