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Religionen | Beitrag vom 17.06.2018

Deutscher HumanistentagOhne Konfession, aber nicht ohne Glauben

Michael Bauer im Gespräch mit Kirsten Dietrich

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Ein Bus mit der Aufschrift "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott" am Brandenburger Tor in Berlin: Eine Aktion von überzeugten Atheisten 2009. (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)
In vielen Ländern werden Atheisten für Aktionen wie dieser am Brandenburger Tor verfolgt und inhaftiert. (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)

In Deutschland ist der Humanistische Verband die Organisation mit den meisten Mitgliedern. Demnächst begehen die Konfessionsfreien ihren Humanistentag. Dieses Treffen ist mehr als nur ein Kirchentag ohne Gott, sagt Verbandsmitglied Michael Bauer.

Kirsten Dietrich: Der Katholikentag ist gerade vorbei, da steht schon das nächste Treffen ins Haus: der Deutsche Humanistentag in Nürnberg am kommenden Wochenende. Nicht ganz so groß, nicht ganz so fromm vor allem, denn beim Humanistentag treffen sich konfessionsfreie und nichtreligiöse Menschen, solche, die in ihrer Weltanschauung und bei ihren Werten den Menschen sehr bewusst ins Zentrum stellen – deswegen auch die Selbstbezeichnung als Humanisten.

Im deutschen Grundgesetz werden Religionen und Weltanschauungen ja sehr bewusst nebeneinander gestellt, und unter den nichtreligiösen Weltanschauungen ist der Humanistische Verband Deutschland, HVD, die Organisation mit den meisten Mitgliedern – gut 20.000 – und einem interessanten Herangehen an das Leben ohne Religion: Der HVD sucht nämlich nach eigenen Formen, auch Ritualen, um seine Überzeugungen auszudrücken.

Eine Form davon ist eben der Humanistentag in Nürnberg.  Und was da gelebt und diskutiert wird, darüber habe ich vor dieser Sendung mit Michael Bauer gesprochen. Michael Bauer ist Vorstand des Humanistischen Verbandes in Bayern und als solcher auch Geschäftsführer des Humanistentages. Ich habe ihn gefragt, wie ich mir diesen Humanistentag vorstellen kann: als Kirchentag – nur ohne Gott?

"Nur einfach ohne Gott - das ist zu kurz gedacht"

Michael Bauer: Wenn man so will, kann man sich das schon so vorstellen. Also es ist auch ein Festival mit Kultur und mit Musik und mit Treffen von interessanten Menschen, mit Come-Togethers. Also man kann auch Freunde treffen, man trifft einfach Gleichgesinnte. Also das vereint sozusagen dann schon mit Kirchentagen oder dem Katholikentag. Nur einfach ohne Gott ist mir ein bisschen kurz, weil es geht ja um den Humanismus und nicht gegen Gott. Also das ist ja ein Unterschied, ob man für etwas ist, nämlich für Humanismus, oder gegen etwas, und wir sind für etwas, nämlich für den Humanismus.

Michael Bauer vom Humanistischen Verband Deutschland (Humanistischer Verband Deutschland / Kohler Fotografie)Michael Bauer vom Humanistischen Verband Bayerns. (Humanistischer Verband Deutschland / Kohler Fotografie)

Dietrich: Dann wollen wir doch mal versuchen, dieses Für im Rahmen dieses Humanistentages noch ein bisschen besser zu fassen und zu verstehen. Vielleicht erst mal noch ganz kurz zur Orientierung: der Humanistentag, wie viele Menschen kommen da ungefähr? Das ist ein Wochenende, nächstes Wochenende, und wie viele kommen da ungefähr?

Bauer: Also wir rechnen ungefähr mit 500 bis 600 Besuchern. Das ist das, was auch in die Räume reinpasst. Also wir haben das auch entsprechend gebucht, und dann wird man sehen, was an dem Wochenende noch alles an Laufpublikum kommt. Die Veranstaltungen sind ja offen, und einiges ist auch im Freien. In der Straße der Menschenrechte in Nürnberg, da wird es Events geben. Das ist natürlich ein bisschen vom Wetter abhängig, also wir hoffen, dass wir dafür schönes Wetter bekommen, und dann wird man sehen, wie viele es dann am Schluss so sein werden, aber von den verkauften Tickets ist es so in der Größenordnung, wie ich gesagt habe.

Nürnberg versteht sich als Stadt der Menschenrechte

Dietrich: Schwerpunktthema sind die Menschenrechte. Wie ist das entstanden?

Bauer: Das liegt daran, dass es zum einen ja so ist, dass dieses Jahr die Menschenrechtserklärung 70. Geburtstag hat. Das ist ein Jubiläum, das man in Nürnberg, in der Stadt der Menschenrechte, natürlich feiern soll und feiern muss. Nürnberg hat da ja eine sehr schwierige Geschichte mit dem Nationalsozialismus, hat die aber auch aufgearbeitet, und versteht sich jetzt heute als Stadt der Menschenrechte. Deswegen gibt es auch diese Straße der Menschenrechte, die die Veranstaltungsorte des Humanistentages verbindet.

Das andere ist, dass dieser Humanistentag dieses Jahr zusammen stattfindet mit der Generalversammlung der Europäischen Humanistischen Föderation, also unseres europäischen Dachverbandes, der sich ganz praktisch der Menschenrechtsarbeit in den Gremien der Europäischen Union des Europarats der Vereinten Nationen widmet. Für den ist das ein wichtiges und ganz bedeutsames Thema, und das bringen wir da zusammen. Wir haben also eine internationale Tagung. Einige Veranstaltungen werden zum Teil auch auf Englisch sein, und wir werden die simultan übersetzen lassen. Also es wird ein internationales Flair da sein. Wir haben Gäste von Gibraltar bis Russland.

Dietrich: Und was heißt das dann? Also wie ist die humanistische Herangehensweise an Menschenrechte? Wie wird das gefasst? Also ich sehe im Programm, es gibt verschiedene Diskussionen über zum Beispiel Atheismus als Asylgrund, es gibt eine Diskussion über Werte, es gibt Diskussionen über Zivilgesellschaft, es gibt aber auch einen Workshop, wo man "Sing Human Rights", also Menschenrechte singt. Also wie ist die spezielle humanistische Form von Menschenrechten dann?

Weltweit droht Atheisten Verfolgung

Bauer: Für uns Humanistinnen und Humanisten sind die Menschenrechte ganz besonders wichtig, weil sie auch garantieren, dass wir unsere Lebensauffassung leben können im Rahmen der garantierten Religionsfreiheit, also auch der negativen Religionsfreiheit in unserem Fall, aber auch der Meinungsfreiheit, und da gibt es natürlich manche Dinge, die weltweit nicht so stehen, dass man die kritiklos und einfach stehenlassen kann.

Atheistische und religionskritische Teilnehmer der "Reason Rally" ("Kundgebung der Vernunft") in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington DC. am 24. März 2012. (AFP PHOTO/ Brendan Smialowski)Atheistische und religionskritische Teilnehmer der "Reason Rally" ("Kundgebung der Vernunft") in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington DC. (AFP PHOTO/ Brendan Smialowski)

Wir haben weltweit Atheismus, Humanismus als Verfolgungsgrund, besonders in muslimischen Staaten, wo Menschen, die sich offen als Atheisten bezeichnen, teilweise auch die Todesstrafe erwarten müssen, und wir haben natürlich selbst in Europa, wo man das ja gar nicht so erwarten würde, die Anwendung von sogenannten Blasphemieparagrafen, also einem Strafrechtsbestand, der Blasphemie, der Gotteslästerung.

Das ist teilweise mit Gefängnis bedroht, und in einem Land wie Griechenland, zum Beispiel, wird das auch umgesetzt. Braucht man aber gar nicht so weit zu gucken: Deutschland macht das auch, auch in Deutschland gibt es einen solchen Paragrafen, der in Kraft ist und wo auch regelmäßig Verurteilungen stattfinden. Also jedes Jahr gibt es da Verurteilungen wegen dieses Paragrafen 166 wegen Blasphemie und wegen der Störung der öffentlichen Ordnung durch Gottesbeleidigungen.

Dietrich: Das ist man dann doch wieder bei dem Punkt, gegen Religion zu sein?

Bauer: Nein, da ist man nicht. Da ist man dafür, seine Meinung sagen zu können. Ich denke, religiöse Menschen müssen es einfach aushalten, dass es auch welche gibt, die keiner Religion anhängen und das auch sagen. Wir müssen ja als Humanistinnen und Humanisten auch aushalten, dass religiöse Menschen ihre Meinung sehr offen artikulieren und das ja auch Politik ist. Auch da müssen wir gar nicht so weit gucken. Wir veranstalten das ja in Bayern, und das braucht man ja keiner Hörerin und keinem Hörer erklären, welche religiösen Bezüge es im staatlichen Raum in Bayern so gibt. Auch das müssen wir aushalten, und das muss dann die andere Seite eben auch aushalten, dass es einen Haufen fröhlicher Humanistinnen und Humanisten gibt, die ein Leben ohne religiöse Bezüge, aber eben mit humanistischen Werten führen wollen.

Dietrich: Wie feiert man denn diese humanistischen Werte? Also wenn ich in das Programm schaue, um jetzt noch mal beim Humanistentag zu bleiben, dann sehe ich da vor allen Dingen Wortveranstaltungen und abends Kabarett. Ist sicher schön, aber es ist eben alles viel Wort. Gibt es denn irgend sowas wie Rituale?

Bauer: Also auf so einer Veranstaltung ist das jetzt nicht so unser Ding. Wir machen eine – haben Sie ja vielleicht auch im Programm gesehen – Sunday Lecture – wir haben das jetzt mal so genannt –, also das ist so eine Art Sonntagspredigt von einem österreichischen Freund mit dem Thema, wie man denn im Jahr 2018 Humanistin und Humanist sein kann.

Die Menschenrechte als Chor

Rituale, die man da so feiern könnte, haben wir jetzt nicht in der Form. Wir haben uns aber sehr bemüht, da Kultur einzubauen. Es gibt auch einen Jugendhumanistentag mit künstlerischen Angeboten, mit Mitmach-Sachen. Wir haben auch Workshops zu den Menschenrechten. Da ist es nicht so, dass das ein Vortrag ist oder eine Diskussion, sondern da macht man was selber und macht selber in der Gruppe etwas. 

Und wir haben mit Axel Schulz einen Chorleiter, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Menschenrechte tatsächlich als Chormusik zu vertonen und aufzuführen. Der wird da einen Workshop machen für alle Interessierten, die können da mitmachen. Das ist auch im Programm eingebaut und werden wir uns dann natürlich anhören, wie das dann klingt. Ich habe es schon mal gehört, also es lohnt sich. Es ist ganz witzig.

Dietrich: Ich frage deswegen auch so gezielt nach Ritualen, weil der Humanistische Verband ja in dem ganzen Spektrum der konfessionsfreien und nichtreligiösen Menschen bewusst darauf setzt, dem Ganzen, ich sage es mal so, eine Form zu geben.  Also wirklich auch bewusst für sinnstiftende Momente des Lebens, also Geburt, Tod, Hochzeit, eben auch Formen anzubieten. Das ist vielleicht ein bisschen so das Alleinstellungsmerkmal oder das Besondere am Humanistischen Verband. Die Frage ist, wie erfolgreich ist dieser Versuch der Formgebung des Nichtreligiösen?

An der Gesamtschule in Brück (Landkreis Potsdam-Mittelmark) gestalten Schülerinnen und Schüler im neuen Unterrichtsfach Lebenskunde, Ethik, Religion Plakate zum Thema Tierversuche. (picture-alliance / dpa-Zentralbild / Jens Kalaene )Im Sinne der Humanisten: Lebenskunde, Ehtik, Religion - Unterricht an einer Gesamtschule. (picture-alliance / dpa-Zentralbild / Jens Kalaene )

Bauer: Es ist die Formgebung des Humanistischen, also etwas, was nicht ist … Dem eine Form zu geben, das stelle ich mir auch schwierig vor. Also das setzt voraus, dass man ein positives Lebenskonzept hat in dem Sinne, dass man es tatsächlich auch inhaltlich mit konkreten Vorstellungen füllt. Das ist eben das, was wir als Humanismus bezeichnen, und das, würde ich sagen, ist doch eigentlich ganz erfolgreich. Wir haben in den Bundesländern natürlich unterschiedliche Voraussetzungen, diese Wertebildung, mit der das ja auch zu tun hat, durchführen zu können. Da ist ja die Mitwirkung des Staates oft erforderlich.

Humanisten begleiten Konfessionslose durchs Leben

Aber in Ländern wie Berlin und in Brandenburg gibt es ja auch ein Unterrichtsfach, die humanistische Lebenskunde, die die Chance bietet, auch eine entsprechende Bildung in Humanismus und vor allem entsprechende Wertebildung, eine Identität herausbilden zu können. Genauso wie das religiöse Menschen in ihren Unterrichtsfächern ja auch können und auch sollen, so ist es da auch möglich. In anderen Bundesländern ist das noch nicht so weit. Da arbeiten wir dran. Der andere Bereich ist natürlich der, wo wir Menschen begleiten in ihrem Lebenslauf, von der Wiege bis zur Bahre könnte man sagen, also mit Namensfeiern, Trauungszeremonien bis eben auch zur Bestattungsfeier und zur Trauerarbeit.

Wir haben das auf dem Humanistentag auch thematisiert mit einer Podiumsdiskussion über humanistische Seelsorge. Seelsorge, der Begriff ist ja ein bisschen, wie soll ich sagen, fast schon anstößig in unseren Kreisen, da gehen viele Augenbrauen hoch, aber trotzdem ist das, was damit gemeint ist, ja verständlich, und das ist was anderes als nur eine psychologische Begleitung oder eine Psychotherapie. Menschen in Krisensituationen brauchen nicht unbedingt eine psychologische Behandlung, die sie wieder geraderückt, sondern sie wollen – und müssen das vielleicht auch – in ihrem Wertekosmos sich austauschen können und Lösungen finden können im Gespräch, in der Begleitung durch erfahrene Seelsorgerinnen und Seelsorger, um die Schwierigkeiten, die sie haben, die Krise, in der sie sind, bewältigen zu können. Das ist etwas, was für religiöse Menschen ganz selbstverständlich ist, aber Humanistinnen und Humanisten sind ja nicht nichts. Die haben ja auch Werte, Bedürfnisse und wollen das vor ihrem Horizont, nach ihren Bedürfnissen dann entsprechend auch bearbeiten können.

Dietrich: Es scheint aber ein Work-in-Progress zu sein, da wirklich Formen zu finden und zu gestalten. Ist das vielleicht auch wieder gespiegelt in der Schwierigkeit, ja überhaupt Menschen ohne Religionszugehörigkeit zu vertreten? Also ein Drittel der Menschen in Deutschland zählt sich keiner organisierten Religion zu, aber bewusst als konfessionsfrei organisiert sind ungefähr 400.000 – sind die letzten Zahlen, die ich so habe. Der Humanistische Verband in Bayern hat gut 2.000 Mitglieder. Wie gehen Sie mit dieser Diskrepanz um?

Konfessionslose organisieren sich selten

Bauer: Ja, wir müssen darüber argumentieren. Das ist halt so, dass Menschen, die keiner Religion anhängen und so eine humanistische Lebensauffassung haben, nicht dazu neigen, das in einer Vereinigung auszuleben wie in der Kirche. Wir haben ja auch keine Gottesdienste und kein Heilsversprechen und solche Dinge. Das ist alles gar nicht notwendig. Die drücken das aus durch Nachfrage, und wenn man jetzt aus der Perspektive das anschaut, wie viele Menschen fragen denn Angebote, die wir machen, nach, dann sieht die Welt schon ganz anders aus.

Dann erreichen wir alleine in Nordbayern, wo wir vor allem aktiv sind, im Jahr weit über 100.000 Menschen, also Leute, die in irgendeiner Form ein Angebot von uns wahrnehmen und das nachfragen. Also ein persönliches Angebot, nicht auf der Webseite mal vorbeischauen, sondern wir tatsächlich irgendwo hingehen, wo wir etwas machen und da ein Bedürfnis verspüren – ob das jetzt ein Bildungsangebot ist oder eine Beratung – oder ähnliches wahrnehmen. Also da wird die Zahl schon deutlich höher.

Dieser Mitgliedschaftsbegriff ist einer, der politisch oft gebraucht wird, um uns in unseren Handlungsmöglichkeiten zu hindern – ich will es auch in der Schärfe sagen, die da angemessen ist –, um die Nichtreligiösen, humanistisch eingestellten Menschen zu diskriminieren, um ihnen den Zugang zu ihren Rechten, die sie eigentlich haben, zu verwehren, weil man dann eben sagt, na ja, ihr habt ja kein Angebot. Und denen, die es anbieten wollen, sagt man dann, ja, ihr habt ja keine Mitglieder. Und dann entsteht so ein Teufelskreis. Wir haben drüber mal ein Buch geschrieben, "Gläserne Wände" heißt das, und dieses Errichten von gläsernen Wänden von sich gegenseitig dann ausschließenden Zugangssperren - das Spielchen erleben wir schon recht oft.

Dietrich: Warum setzt der Humanistische Verband darauf, selber Körperschaft öffentlichen Rechts zu werden, also auf rechtlicher Ebene gleichgestellt zu sein wie Kirchen? Man könnte ja auch einfach auf einen konsequenten Säkularismus setzen und sagen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften haben gar keine Sonderrechte zu haben.

Humanisten wollen politisches Gehör finden

Bauer: Das kann man, aber das tut der HVD nun eben nicht, weil er nicht der Auffassung ist, dass dieser Säkularismus die richtige Antwort ist auf die Herausforderungen auch, die wir in der Gesellschaft in unserer Gegenwart haben. Wir sind sehr für Säkularität, aber wir sind nicht der Auffassung, dass Religionen und Weltanschauungen im öffentlichen Raum nun gar keinen Platz haben sollten. Die gehören ja zu den Menschen und Menschen haben sowas, und das dann weg zu definieren und auszuklammern, glaube ich, führt eigentlich zu keinen besonders positiven Ergebnissen. Warum wir diese Körperschaftsrechte, die die meisten ja haben und die anderen gerne hätten und anstreben, das liegt tatsächlich in den Fragen der Gleichbehandlung. Man darf sich da aber auch nichts vormachen: Für die politische Wirksamkeit und für die Angebote, die man machen kann, sind die Körperschaftsrechte nicht sehr relevant.

Da kommt es sehr viel mehr darauf an, politisches Wohlwollen zu haben und politisches Gehör zu finden in Parlamenten oder in Regierungen. Auch da, wenn Sie an die Beispiele denken: In Bayern sind wir seit 1927 Körperschaft des öffentlichen Rechts, das beeindruckt die CSU aber wenig. In Berlin ist der HVD erst letztes Jahr Körperschaft des öffentlichen Rechts geworden, hat aber sehr viele Handlungschancen, weil da politische Konstellationen eben günstiger sind. Also eigentlich ist es viel, viel wichtiger, dass die Politik begreift, dass nahezu die Hälfte der Menschen in Deutschland keiner Religion angehört und dass sie auch Bedürfnisse und Werte haben und dass die berücksichtigt werden müssen, und zwar auf der gleichen Augenhöhe, wie das bei religiösen Menschen auch ist.

Dietrich: Am Donnerstag steht der Welthumanistentag als Feiertag im Kalender, und am Wochenende lädt der HVD deshalb zum Humanistentag nach Nürnberg ein. Ich sprach mit Michael Bauer, Geschäftsführer des Humanistentages und Vorstand des Humanistischen Verbandes in Bayern.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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