Seit 05:05 Uhr Studio 9
Mittwoch, 19.05.2021
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.04.2017

Deutscher Computerspielpreis 2017Nein, danke! Entwickler verzichten auf Preis

Von Marcus Richter

Alle Gewinner und Laudatoren des Computerspielpreises 2017 im Westhafen Event & Convention Center in Berlin (Getty Images/Quinke Networks)
Alle Gewinner und Laudatoren des Computerspielpreises 2017 im Westhafen Event & Convention Center in Berlin (Getty Images/Quinke Networks)

Das Kinderspiel "Portal Knights" ist mit dem Deutschen Computerspielpreis 2017 ausgezeichnet worden. Als bestes deutsches Spiel war außerdem "Shadow Tactics" nominiert. Dessen Entwickler bekamen den Preis in der Kategorie "Bestes Game-Design" - lehnten ihn aber ab.

Eigentlich war es ein guter Jahrgang an Spielen, die auf dem Deutschen Computerspielepreis 2017 nominiert und in insgesamt 14 Kategorien ausgezeichnet wurden. Darunter viele Titel mit eigenständigen Ideen, künstlerischem Design und hervorragender Umsetzung. Ziel des Preises ist es, wertvolle Computerspiele zu fördern und die Medienkompetenz der Nutzer zu stärken. Die Jury setzt sich aus Netzaktivisten und Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.

Titel wie "She Remembered Caterpillars" (Bestes Kinderspiel), "Code 7" (Bestes Jugendspiel), "Glitchskier" (Bestes Mobiles Spiel) oder "Shadow Tactics" (Bestes Gamedesign) zeigen, dass es in Deutschland eine lebendige Szene kleinerer Spieleentwickler gibt, die es schaffen, gute Titel zu produzieren, die auch international Beachtung finden.

Frustation beim Entwickler von "Shadow Tactics"

Trotzdem scheint es hinter den Kulissen, Unstimmigkeiten gegeben zu haben. Mimimi Productions, der Entwicklerstudio von "Shadow Tactics", verweigerte die Annahme des Preises. Über den Grund wurde das Publikum im Unklaren gelassen, aber schon zum Ende der Preisverleihung gab es erste Spekulationen. Möglicherweise könne es mit Unstimmigkeiten bei der Jurywahl der Sieger zusammenhängen, vermutet das Magazin Gamestar und beruft sich auf eine interne Mail des Branchenverbands GAME. Das würde zumindest die Frustration des Entwicklers erklären, denn mit "Portal Knights" hat der Titel mit dem geringsten Preispotenzial gewonnen. "Shadow Tactics" war ebenfalls nominiert.

Ansonsten verlief die Preisverleihung erwartbar: Die Moderationen und Laudatoren locker und wie immer bemüht, sich mit Vergleichen und Referenzen auf Computerspiele zu übertrumpfen. Preiskategorien, die kreativ verwendet werden und undotierte Preise für internationale Titel, um der Veranstaltung etwas Blockbuster-Glamour zur verleihen, denn bei den großen Titeln spielt Deutschland nach wie vor kaum eine Rolle.

Branche fordert von Politik "nachhaltige Gamesförderung"

Wer genau hinhörte, dem entging auch nicht die Tatsache, dass hier eine vehement geführte politische Diskussion aufblitzte - und zwar in dem Moment, in dem Tobias Hahr, Vorstandssprecher des Branchenverbands BIU, bekräftigte, "dass wir eine wirklich nachhaltige, transparente, authentische Gamesförderung in Deutschland brauchen".

Eine Forderung die sich an die Bundespolitik im Allgemeinen und Verkehrsminister Alexander Dobrindt im Speziellen richtete, dessen Bundesministerium auch für digitale Infrastruktur und damit für die Gamesbranche und den Deutschen Computerspielepreis zuständig ist. Die Branche hatte in den letzten Monaten mehrfach eine bessere Förderung von der Politik gefordert und sogar eigene Modelle vorgeschlagen, bislang ohne Erfolg.

Auch dieses Mal wurde der Ball prompt zurückgespielt: "Die Computerspielindustrie beschert uns mehr Steuereinnahmen als die Filmindustrie und die Musikindustrie zusammen und ihr seid zu leise", erwiderte die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär.

Wenigstens an diesem Abend gab es schon einmal ein Mehr an Geld: Beim Deutschen Computerspielpreis 2017 wurden insgesamt Preisgelder in Höhe von 550.000 Euro ausgegeben - mehr als je zuvor. Der größte Teil davon, 110.000 Euro, ging an den Gewinner in der Kategorie "Bestes Deutsches Computerspiel", in diesem Jahr an "Portal Knights".

Mehr zum Thema

Nachschlagewerk zu "Minecraft" - Wo ein Blitz Schweine in Zombies verwandelt
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 20.04.2017)

Computerspiel "Everything" - Einmal Kieselstein sein
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 06.04.2017)

Ernest Cline: "Armada" - Aliens jagen macht Spaß
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 29.03.2017)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWie die Stadtflucht gelingt
Bei einem Dorffest sitzen viele Menschen auf Bierbanken. (imago images / Becker&Bredel)

Aus Jaffa meldet sich ein tapferer Historiker zu Wort."Klatschen reicht nicht" zu sagen, reicht nicht, findet die "taz". Frankreich freut sich auf kulturelles Remmidemmi. Und die „Welt“ erläutert, wie der Umzug von der Stadt aufs Dorf gelingen kann.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur