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Literatur / Archiv | Beitrag vom 02.11.2014

Deutsche MythenTatort Wartburg

In zehn Schritten zu einem deutschen Mythos

Von Dagmar Just

Die Wartburg Eisenach (Thüringen) (picture-alliance/ dpa / Martin Schutt)
Blick auf die Wartburg (picture-alliance/ dpa / Martin Schutt)

In fast zehn Jahrhunderten wechselvoller deutscher Geschichte war die Burg Zuflucht oder Bühne großer historischer Figuren. Trägt das symbolische Kapital bis heute?

Die Wartburg ist wie alle Klassiker: berühmt, aber nicht eben leicht zugänglich. Fremd und einsam thront sie 411 Meter über dem Meer, am Rand des Thüringer Walds, der bis vor kurzem auch noch von den Wachtürmen und Selbstschussanlagen der innerdeutschen Grenze durchlöchert war. Kein geruhsamer Spaziergang, sondern ein steiler Aufstieg führt zu ihr hinauf. Kommt man endlich oben an, muss man sich, allen Reiseführern zum Trotz, erst mühsam orientieren. So viele Räume - so viel Geschichte!

Immerhin existierte die Burg schon, als Europa zum Kreuzzug gegen die arabische Welt aufbrach, und fast 1000 Jahre später gibt es sie immer noch. Dazwischen diente sie mindestens fünf spektakulären historischen Kriminalfällen als Kulisse und einem knappen Dutzend Jahrhundertfiguren deutscher Geschichte als Zuflucht oder Bühne. Mehr Heilige, Sängerkrieger und Turnväter, Religionsstifter, Weltkulturerbeschöpfer und Großmäzene versammeln sich sonst hier nur noch auf Friedhöfen. "Geschichte ist Gewäsch", befand der amerikanische Autokönig Henry Ford vor rund hundert Jahren. Der arme Heinrich kannte die Wartburg nicht!

 

 

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