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Tonart | Beitrag vom 04.09.2019

Deutsch-chinesischer ClubaustauschTechnoide Völkerfreundschaft

Elisabeth Steffen und Carmen Herold im Gespräch mit Andreas Müller

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Das Team vom Club Zhao Dai in Peking. (Jin Jia Ji / Club Zhao Dai Peking)
Das Team vom Club "Zhao Dai" in Peking. (Jin Jia Ji / Club Zhao Dai Peking)

Berlin ist für seine Techno- und Clubszene bekannt, Peking eher weniger. Aber auch dort blüht die Underground-House-Szene. Das zeigt eine Veranstaltungsreihe des Berliner Clubs "about blank" zusammen mit dem Pekinger Club "Zhao Dai".

Die Berliner waren bereits im März zu Besuch in Peking, um dort Workshops und Clubabende abzuhalten. Der interkulturelle Clubaustausch geht jetzt weiter: Im "about blank" wird drei Tage lang die chinesische Clubkultur vorgestellt, Residents des "Zhao Dai" legen auf, Filme und Workshops runden das Programm ab.

Die Clubszene in Peking gebe es schon etwa 30 Jahre, sagt Carmen Herold, eine der Gründerinnen des "Zhao Dai"-Clubs in Peking:

"Allerdings ist die Szene in den letzten drei Jahren explodiert. Das Publikum ist sehr jung. Viele, die im Ausland studiert haben, kommen zurück und erwarten gleiche Verhältnisse wie im Ausland. In ganz China ist ein Boom in der Underground-Szene im Techno-, House-Bereich zu verzeichnen."

Erst kam der Mainstream, dann der Underground

Drei Underground-Clubs gibt es in Peking. Das sei gemessen an der Einwohnerzahl von Peking zwar marginal, so Herold, aber: "Gemessen an der Zensur sind es viele. Ende des Jahres wird es sechs geben, die werden gerade noch gebaut."

Ansonsten gebe es große Mainstream-Clubs, sogenannte "Russenclubs", insofern sei die Entwicklung in China andersherum als im Westen:

"Die Musik kam nach China, als sie schon emanzipiert war. Erst kamen die Großraumdiscos mit Mainstream-Discomusik, dann erst die Untergroundclubs."

Innenansicht des Clubs "Zhao Dai" in Peking. (Carmen Herold / Club Zhao Dai Peking)Innenansicht des Clubs "Zhao Dai" in Peking. (Carmen Herold / Club Zhao Dai Peking)

Ihre Co-Gründer seien schon lange in der Szene in Peking unterwegs. Der Club versuche, sich mit Genderthemen oder Filmscreenings politisch zu positionieren. Allerdings gelte es immer, geschickt die Zensur zu umschiffen.

Techno verbindet

"Wir haben uns gleich zu Hause gefühlt im 'Zhao Dai'-Club", erzählt Elisabeth Steffen vom "about blank"-Team über ihren Besuch im März in Peking, "angefangen von der Musik, über die Leute bis hin zum typischen Clubgeruch, den wir auch in Peking wieder angetroffen haben." 

Die Musik sei natürlich ein verbindendes Element gewesen, Techno sei gut geeignet, um über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, so Steffen weiter. Beeindruckend sei die "wahnsinnige Energie", die vor Ort herrsche, und auch die Begeisterung und Neugier der Pekinger auf die Musik und die Clubszene.

Die Veranstaltungsreihe "is it loud enough?" im "about blank" soll einen Austausch auf Augenhöhe schaffen. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausgelotet.

Die Veranstaltungsreihe "is it loud enough?" findet vom 4. bis 9. September im Berliner Club "about blank" statt. Neben Clubnächten gibt es Diskussionsveranstaltungen, Filmvorführungen, chinesisches Essen und Workshops.

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