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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 01.07.2013

Der Münchner und seine Isar

Eine besondere Beziehung

Von Michael Watzke

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Menschen liegen in München am Isarufer und sonnen sich. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
Menschen liegen in München am Isarufer und sonnen sich. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)

Die Isar ist launisch wie eine Münchner Bierzelt-Bedienung: mal freundlich und einladend, mal kalt und schroff. Der Fluss trägt viele Geheimnisse in die Stadt - und manche aus der Stadt wieder heraus. Bayern-Korrespondent Michael Watzke verrät welche.

Sieben Uhr morgens am Münchner Flaucher. Hier, wo die bayerische Isar endgültig zur Münchnerin wird, steht am Ufer des kastanienbraunen Flusses ein Indianer. Der Isar-Indianer.

Willy Michl: "Schau her, mich hörst Du nicht. Weil, ich geh auf dem Kies anders. Weil, ich unterhalt mich auf diese Weise mit der Erde. Weißt Du, ich tu nicht durch den Kies durchstapfen. Sondern ich geh eigentlich barfuß. Ich geh immer mit dem Vorderfuß auf dem Kies."

Der Isar-Indianer hat eine Adler-Feder in seine langen schwarzen Haaren gesteckt. Um seinen mächtigen Bauch spannt sich ein brauner Umhang aus Leinen. Der Isar-Indianer sieht aus wie Winnetou kurz vor der Rente. Aus seinem Lederbeutel fischt er ein Päckchen mit Tabak für sein Morgen-Ritual.

Michl: "Wir nehmen diesen Tabak und halten ihn in den Himmel...und zeigen dem großen Geheimnis...diesen Tabak...Und dann halten wir den Tabak in diese Richtung... das ist der Norden. Ungefähr. Und dann zeigen wir den Tabak... das ist jetzt schon Westen, hab mich ein bisschen vertan. Sagen wir jetzt Süden. Dann haben wir da den Westen."

Was sind schon Himmelsrichtungen am Ufer eines Flusses? Der Isar-Indianer, dessen bürgerlicher Name Willy Michl lautet, wirft den Tabak in die Fluten. Schaut ihm nach. Deutet auf einen kleinen Kieshügel am Ufer.

Michl: "Da vorne, wo der Baumstamm ist, da haben wir mal ein heiliges Feuer gemacht. Wenn's zu schneien anfängt, im November, wenn hier niemand mehr ist. Nur ganz wenige Leute. Dann gehen wir her und machen hier ein heiliges Feuer."

Gleich neben der heiligen Feuerstelle gurgelt ein kleines Rinnsaal glitzernd aus der Erde.

Michl: "Man nennt das Sekundärquellen, verstehst Du? Und da kommt dieses Wasser heraus, und das ist natürlich ein super-heiliger Ort. Schau mal, wie der schon wieder ausschaut! Weil sie ihn nicht heiligen. Sie heiligen ihn nicht, weil sie seinen Wert und seine Bedeutung missachten. Weil sie meinen, wenn sie den Wasserhahn aufdrehen, dann kommt das Wasser heraus, das sie trinken können. Aber es wird der Tag kommen, da drehen sie den Hahn auf und werden es nicht mehr trinken können."

Als der Isar-Indianer ein Kind von sechs Jahren war, da konnte man sogar das Wasser der Isar noch trinken. Diese Zeiten sind lang vorbei. In den 80er Jahren durfte man nicht mal mehr in der Isar baden. Heute ist der Fluss dank neuer Kläranlagen weitgehend keimfrei. Aber nicht so sauber, wie es sich Willy Michl wünscht:

"Ich werde immer dafür eintreten, dass das Wasser dieses Flusses trinkbar ist. Das ist die wichtigste Nachricht meines Liedes ,Isarflimmern'."

Michl singt: "Ich sag' Euch, es ist ein Isarflimmern / mitten im Paradies. / Ein Isarflimmern mitten im Paradies..."

Das Isarflimmern beobachtet Wolfgang Czisch besonders gern an der Münchner
Ludwigsbrücke vor dem Deutschen Museum. Für den Münchner Stadtplaner bildet die Museumsinsel eine Art Scharnier zwischen äußerer und innerer Isar. Zwischen Natur und Technik.

Wolfgang Czisch: "Dieser Verschnitt zwischen der natürlichen Isar und der urbanen Isar ist gerade das Münchner Thema. Also Isar-Athen ist ja grün und Klassik. Diese beiden Themen sind zumindest die königlichen Themen gewesen, und das ist auch von Theodor Fischer so weitergeführt worden. Grün und urban. Und das ist ja auf diese Weise mit der Isar wunderbar gelungen."

Die Tram-Linie 18 rattert über die Ludwigsbrücke und lässt die steinernen Mauern erzittern. Autos sausen vorbei. Die Brücke ist eine Hauptverkehrsachse. Kaum jemand ahnt, dass hier Münchens Wiege steht. Im Jahr 1158 baute Heinrich der Löwe eine Zollbrücke, um den Salzhandel vom nördlichen Oberföhring in sein Hoheitsgebiet umzuleiten. Die alte Föhringer Brücke fackelte der Welfen-Herzog kurzerhand ab. Jahrhundertelang war die Münchner Ludwigsbrücke die einzig
befahrbare Isarquerung zwischen und...

Czisch: "Früher war das der Rand, da musste man rüber über die Isar, eine schwierige Geschichte. Diese Brückenschläge haben ja die Ostseite erschlossen. Da sollte ein Zentrum entstehen. Und dieses Zentrum war ein Festzentrum. Also ein Herz. Und deswegen ist die innere Isar das Herz Münchens."

Wolfgang Czisch gilt als der Vater des Isarplans. Der Wiederentdeckung des Flusses in der Stadt. 1985 brachte der junge SPD-Politiker seine Idee in den Münchner Stadtrat ein. Der Isarplan hatte zwei Visionen. Die eine betraf die südliche Isar und wurde bald als Renaturierung bekannt. Auf acht Kilometern Länge kehrt der Fluss zu seinen Ursprüngen zurück - mit Kies-Inseln, Sandbänken und flachen Ufern statt eines eingezwängten Isar-Kanals.

Czisch: "Mit dem großen Renaturieren der südlichen Isar ist eine große Dimension gewonnen worden für München. Die Dimension des Urbanen, das die innere Isar repräsentiert und - wunderbar durchformuliert - auch gebaut hat: dieser Aspekt des Kulturellen und Urbanen, der kann hier wunderbar entfaltet werden. Indem man sich wieder bewusst macht, dass dies das Herz ist."

Münchner Subkultur auf der Isar-Insel

Benjamin David: "Also wir sind hier am Kulturstrand. Der Kulturstrand befindet sich am sogenannten Vater-Rhein-Brunnen. Die Idee vom Kulturstrand ist es, wenig oder kaum genutzte öffentliche Orte für die Münchnerinnen und Münchner erlebbar zu machen. Es gibt wenige solche Orte in München. In einer Stadt wie Berlin würde man viel mehr Orte finden, wo so eine Kultur stattfinden kann wie hier. Insofern ist das für Münchner Verhältnisse so was wie Subkultur."

Benjamin David, 35 Jahre alt, ist ein Urbanaut. So nennen sich die Betreiber des
Kulturstrands. In diesem Sommer haben die Urbanauten die Isarinsel an der Ludwigsbrücke besetzt und in eine Strandbar verwandelt. Auf der Bühne spielt eine Jazzband, in den rot-weißen Liegestühlen sitzen junge Münchner und trinken Cocktails. Benjamin David ist überrascht, dass die Stadt diesen Platz in zentralster Münchner Lage viele Jahre lang schlicht vergessen hat:

David: "Dadurch, dass hier seit dem ersten Weltkrieg eigentlich nicht mehr viel passiert ist, hat man hier ein surreales und für mich auch hochinteressantes Biotop. Aus unglaublich großen, alten Bäumen: Ziemlich viel Unkraut auch, man kann die Isar manchmal gar nicht sehen, weil dieser Stadtraum auch seit 80, 90 Jahren nicht mehr ernsthaft gepflegt wurde. Auch nicht mehr als zu planender Ort gedacht wurde. Es gibt inzwischen sogar ziemlich viel Leerstand. Man kann das gar nicht glauben: das Forum der Technik, der nördliche Teil des Deutschen Museums, steht seit einem Jahr leer.

Er wird wohl noch die nächsten sechs, sieben Jahre leerstehen, bis sich die wichtigen Leute Gedanken gemacht haben, was daraus werden soll. Teile der Gebäude auf der Praterinsel stehen leer. Da waren früher Künstler-Ateliers drin. Die hat jetzt ein Investor rausgeschmissen. Da gibt es jetzt einen Streit zwischen dem Investor und der Stadt, ob die Künstler wieder kommen sollen oder nicht. Deswegen steht das jetzt seit sieben Jahren leer. Ein ganz tolles, altes Haus."

Czisch: "Die innere Isar - sozusagen das Herzstück Münchens - das ist weiterhin außer Betrachtung geblieben. Da sind die größten Schätze zu heben. Das ist ein großes Geschenk, das München sich selbst machen kann."

Benjamin David und die Urbanauten haben der Stadt in diesem Jahr den Kulturstrand auf der Isar-Insel geschenkt. Beim Vater-Rhein-Brunnen mit der Statue des rheinisch-behäbigen Flussgottes, der so gar nicht an die Isar passen will. An jene reißende Issaria, die in den Gemälden der Romantiker als schöne, aber unberechenbar wilde Frau so manchen Jüngling in die Tiefe reißt. Die Urbanauten sind gekommen, um zu bleiben.

David: "Wenn man die Frage stellen würde: Wem gehört die Isar? Da würde fast jeder Münchner antworten: Mir! Da gibt es eine ganz starke Identifikation damit. Und es liegt dann, glaube ich, auch in der Natur der Dinge, dass Anwohner und örtliche Bezirksausschüsse eher ziemlich besorgt sind, wenn plötzlich die ganze Stadt diesen Raum entdeckt. Weil die da bisher so ihre nette kleine Nische hatten. Ihre geheimen Orte. Da drüben wird gerade über einen neuen Konzertsaal verhandelt, in dem dann höchste Hochkultur stattfinden wird. Und vielleicht kann ja direkt daneben so ein subkulturelles Unternehmen wie der Kulturstrand bestehen bleiben. Das wär' für mich eine schöne Weiterentwicklung von diesem Biotop, wenn hier wirklich Platz für jeden sein könnte."

Wellenreiten in der Stadt

Dieter Deventer: "Heute ist Wochentag. Ich bin gerade auch angekommen. Zwölf Surfer stehen an der Eisbachwelle. Das waren vor fünf Jahren ne Menge Surfer. So viele gab's noch fast gar nicht. Heute ist es eher wenig Andrang. Wenn man hier am Wochenende steht, bei schönem Wetter, stehen manchmal bis zu 20 Surfer an. Die Welle ist sehr populär geworden."

Ein Surfer auf der Eisbach-Welle im Englischen Garten in München (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)Ein Surfer auf der Eisbach-Welle im Englischen Garten in München (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)Die Isar-Welle am Eisbach. Der hawaiianische Surf-Hotspot in München. Dieter Deventer steht im schwarzen Neopren-Anzug am Ufer, sein weißes Board unter den Arm geklemmt und wartet auf seinen Turn.

Deventer: "Die Welle schaut sehr gut aus, fast glatt. Wenig Gischt in der Welle. Das bedeutet, sie ist schnell und hat viel Energie. Manchmal, nach Hochwasser, liegt Sand und Geröll hinter der Welle. Das bedeutet, dass die Welle überhaupt keine glatten Stellen hat, dann kann es auch sehr gefährlich werden. Denn dann bildet sich eine Weißwasserwalze, die einen zurückhalten kann. Da kommen wir Surfer mit Eimer und Schaufeln, tauchen dann und versuchen, den Sand rauszuschaufeln, was immer sehr lustig ist."

Auf der kleinen Eisbachbrücke an der Prinzregentenstraße stehen fast 50 Schaulustige und bejubeln die Surfer. Die Isar-Welle ist in fast jedem Touristenführer als Highlight verzeichnet. Sie schenkt München ein Meeresstrandgefühl, sagt der Münchner Weltenbummler Dieter Deventer.

"Ich liebe ja solche Städte, ich surf ja auch gern im Meer wie Lissabon oder Rio. Wo halt die Surfer mit ihrem Brett am Strand entlangradeln. Dasselbe ist in München. Hier radelt man halt im Englischen Garten die Isar entlang. Man kann das sehr wohl vergleichen mit den großen Surfstädten dieser Welt. Das ist ne tolle Atmosphäre. Im Winter sieht man Surfer mit ihren Brettern in der Trambahn oder der U-Bahn, mit Pelzmantel über ihrem nassen Wetsuit."

Dieter Deventer ist 58 Jahre alt, sieht aber aus wie Anfang 40. Ein Münchner Beachboy mit langen blonden Locken und einem jungenhaften Lachen.

"Die Isar... ich leb ja seit meiner Geburt in München, bin auch mit Isar-Wasser getauft - die Isar ist für mich wie eine Energiequelle. Eine Lebensader. Wenn ich schlechte Laune habe oder Probleme wälze, dann setze ich mich aufs Fahrrad, surfe die Isar entlang, kann meine Gedanken bewältigen, komm auf neue Ideen. Sie ist auch ein Sportgerät, insofern eine Sportsfreundin, mit der man viel Spaß haben kann beim Surfen."

Seit einigen Jahren allerdings ist das Revier der Isar-Surfer deutlich kleiner geworden. Denn durch die Renaturierung der Isar sind zwölf Flusswellen verschwunden. Zur Freude der Naturschützer, zum Ärger der Surfer.

Deventer: "Die Staustufen sind entgradigt worden, dadurch können sich keine Wellen mehr bilden. Was natürlich für uns Surfer ein mittleres Desaster bedeutet. Die Wellen sind auch unwiederbringlich verschwunden. Der Plan des Architekten, der die Renaturierung geplant hat, war - wahrscheinlich aus schlechtem Gewissen - uns Surfern eine Welle zu basteln, die man künstlich hätte kontrollieren können. An der Wittelsbacher Brücke. Das hat leider wegen vieler bürokratischer Hemmnisse nicht geklappt. Das heißt, es gibt gerade - außer es passiert ein Wunder - keine Hochwasserwelle in München."

Am liebsten Forelle

Nur die Eisbachwelle ist geblieben. Hier stauen sich jetzt die Surfer und stehen Schlange. Turnt einer zu lange auf seinem Brett, werfen die anderen mit kleinen Steinen nach ihm. Wenn sich eine Millionenstadt einen Fluss teilt, dann ist des einen Freud' oftmals des anderen Leid. Maximilian Burkhart steht unter der Reichenbachbrücke und freut sich. Still.

Burkhard, 42 Jahre alt, ist ein Isar-Fischer. Mit seiner drei Meter langen Angelrute steht er im Fluss und schwingt eine dünne grüne Leine, an deren Ende er eine künstliche Fliege befestigt hat.

Maximilian Burkhart: "Also ich fische jetzt gezielt auf Forellen. Die Isarfischer fischen vor allem mit der Fliege. Widerhakenlos. Und da ist unser Leitfisch einfach die Forelle. Die haben wir auch mit Anstand am meisten drin. Regenbogenforelle. Die ist wirklich sehr schmackhaft."

Angler gibt es fast an jedem Fluss. Auch in Großstädten. Maximilian Burkhard hat auch schon in Berlin an der Spree seinen Köder ausgeworfen.

Burkhart: "Nur würd' ich die Fische dort nicht essen. Die sind sehr schwer belastet. Die Isar dagegen ist von der Wasserqualität her sehr gut. Und sie wird immer besser. Also die Fische, die wir hier fangen, die kann man sich bedenkenlos abends in die Pfanne werfen. Die sind sehr lecker und gesund."

Es gibt in der Münchner Isar einen legendären Fisch. Fast schon ein Mythos. Manche nennen ihn den Röckl-Huchen, einen Flusslachs, der nicht weit vom Röcklplatz in der Isar schwimmen soll. Die Angler sprechen ehrfürchtig vom Isar-Krokodil. Maximilian Burkhard breitet die Arme weit aus.

"Der hat etwa einen Meter dreißig. Wiegt etwa 50 Pfund, also 25 bis 30 kg. Das sind schon ganz schöne U-Boote. Ich hab ihn im letzten Winter nicht gesehen, ich hoffe, er lebt noch. Im Winter davor hatte ich eine Begegnung, da hat er direkt vor meinen Füßen gebissen. Einen Meter unter mir. Da wär mir vor Schreck fast die Huche... äh, Rute ins Wasser gefallen."

Landen konnte Burkhardt das Isar-Krokodil damals nicht. Zu stark war der Huchen, den es nur noch in ganz wenigen deutschen Flüssen gibt. Die Isarfischer sind stolz auf ihren Bestand. Der Huchen ist der Grund, warum auf der Isar keine Kanus oder Schlauboote fahren dürfen. Und der Verein der Isarfischer achtet strikt darauf, dass das Verbot eingehalten wird.

Burkhart: "Wir bewirtschaften den Fluss. Wir haben den gepachtet von der Stadt München. Wir waren an der Renaturierung beteiligt. Machen auch sehr viel Ramadama. Also räumen auf. Säubern den Fluss. Wir stellen auch die Müllkörbe auf, die man überall sieht. Wir kümmern uns einfach um den Fluss."

Die Müllkörbe. Sie deuten auf ein Problem hin, das an der Isar immer drängender wird. An schönen Wochenenden wird der Fluss zur Partymeile. Der Rauch von tausenden Grills und Lagerfeuern liegt über dem Wasser und auf den Isar-Auen. Morgens dann, wenn Maximilian Burkhart in aller Früh zum Fischen geht, liegt der Müll an den Ufern. Vor allem zerbrochene Bierflaschen.

"Ich gönne jedem, dass er hier feiert. Den Feierabend genießt. Das ist wunderbar. Aber ich hab zwei kleine Kinder, und mit denen kann ich hier nicht spazieren gehen, weil überall kaputte Flaschen herumliegen. Ich finde das sehr schade. Es ist ein wunderbarer Fluss. Die einzige Millionenstadt der Welt, die einen - annähernd - wilden Fluss in ihrem Herzen hat. Mit Wildfisch-Beständen, um die uns die halbe Welt beneidet. Und wir schmeißen Flaschen kaputt. Das ist traurig."

Die Seele der Stadt

Der Münchner und seine Isar. Der Fluss verbindet die Stadt mit den Alpen. Bei Hochwasser bringt die Isar ganze Baumstämme aus den Bergen mit. Sie wirft sie auf die Inseln wie ein wilder Hund, der ein Stöckchen apportiert. Das Brüllen des Flusses ist schon von fern zu hören. Im Herbst dagegen flüstert die Isar. Ihr Wasser ist dann so kristallklar, dass man jeden Kieselstein auf dem Grund erkennt. Im Wasser der Isar spiegelt sich die Stadt, sagt der Urbanaut Benjamin David:

"Ich glaub, ich hab hier meine erste Freundin geküsst. Meine ersten Würstel gegrillt. Und jahrzehntelang an diesem Fluss gelebt. Insofern ist es nur konsequent, dass ich mich weiterhin - heute mehr als Urbanaut und Stadtplaner - mit diesem Fluss beschäftige."

Für Wolfgang Czisch, den Vater des Isarplans und der Renaturierung, spiegelt die Isar das sprunghafte Gemüt der Münchner. Das von bajuwarischer Behäbigkeit bis zu italienisch aufbrausendem Temperament reicht.

Czisch: "Isar ist interessant, Isar hat Geschwindigkeit, Isar hat Gefahrenpotenzial. All diese Dinge, die zu einem lebendigen Körper dazugehören. Das ist die Seele. Isar ist die Seele Münchens."

Willy Michl, der Isar-Indianer, beendet sein Tabakritual. Das heißt, er zündet sich erstmal eine Selbstgedrehte an. Er habe das Rauchen ja schon mal aufgeben wollen, aber letztlich sei Tabak doch eher Segen als Fluch. Es komme auf die Dosis an.

"Jedes einzelne Heilmittel, jedes Gift kannst du ja positiv und negativ verwenden. Ich geb's der Isar, siehst du, und sie nimmt es mit. Du bist in dem drin. Siehst du?"

Vielleicht ist es das, was die Isar den Münchnern gibt. Das Gefühl, stets im Fluss zu sein.

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