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Interview / Archiv | Beitrag vom 05.03.2018

Nach dem SPD-Mitgliedervotum"Die Dinge werden weiterlaufen wie vorher"

Armin Nassehi im Gespräch mit Ute Welty

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Ein Rednerpult mit der Aufschrift "Mitgliedervotum" ist in der SPD-Parteizentrale zu sehen (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Der Soziologe Armin Nassehi. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Nach dem Ja der SPD zur Großen Koalition mahnt der Soziologe Armin Nassehi einen Erneuerungsprozess in der Partei an. Seine Befürchtung ist allerdings, dass alles so weiterläuft wie bisher.

Die mehrheitliche Zustimmung der SPD-Mitglieder zur Großen Koalition sei erwartbar gewesen, sagt der Soziologe Armin Nassehi. Wenn auch nicht in dieser Größenordnung. "Aber wir werden jetzt sehen, die Dinge werden weiterlaufen wie vorher", so die Befürchtung des Leiters des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der LMU München.

Veränderung im laufenden Betrieb

Die Situation der SPD sei eine Parabel auf viele andere Probleme. "Die Formel lautet: ‚How to change a running system?‘ Wie kann man Maschine, die läuft, während des Laufs verändern?", betont der Soziologe. Mit Blick auf das Mitgliedervotum sagt er. "Ein parteiinternes Plebiszit symbolisiert oder eher simuliert, dass das eine Situation ist, die etwas ändert, weil man weiß, was die Partei will." Doch es sei tatsächlich sehr schwierig, in komplexen System während des Betriebs etwas zu verändern.

Armin Nassehi leitet den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der LMU München (Arne Dedert/dpa)Armin Nassehi leitet den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der LMU München (Arne Dedert/dpa)

Entscheidende Fragen diskutieren

Nun bedarf es seiner Ansicht nach vor dem Hintergrund der Krise der Parteien einer tatsächlichen Diskussion um eine Erneuerung: "Wir brauchen eine Diskussion dazu, was ein konservatives Bezugsproblem ist, was Sozialdemokraten heute eigentlich lösen müssen, zum Beispiel Lohnarbeit mit einer sehr volatilen, sich verändernden Gesellschaft zu versöhnen." Das seien die Fragen, um die es derzeit gehe. "Und da stehlen sich beide Volksparteien, wenn man in dem einen Fall überhaupt noch von Volkspartei reden will, drumherum."

(uz)

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