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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 10.01.2015

Nach dem Anschlag von ParisWas können wir dem Terror entgegensetzen?

Moderation: Gisela Steinhauer

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Ein bewaffneter Polizist steht in Paris vor einer Häuserzeile. (picture alliance / dpa / Simone Perolari)
Kann sich eine Gesellschaft gegen Terror aus ihrem Inneren schützen? (picture alliance / dpa / Simone Perolari)

Terroristen haben die westliche Welt und die Pressefreiheit angegriffen, als sie ein Massaker in der Redaktion des französischen Blattes "Charlie Hebdo" anrichteten. Mehr als ein Dutzend Menschen sind tot. Was kann eine Gesellschaft dem Terror entgegensetzen?

Das Attentat auf die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" hat weltweit für Erschütterung gesorgt. Auch hierzulande wird diskutiert, wie eine demokratische und offene Gesellschaft mit einem solchen Angriff umgehen soll – mit der latenten Terrorgefahr, den Ängsten in der Bevölkerung. Wie können wir unsere Freiheit bewahren und uns gleichzeitig vor dem Terror schützen?

"Die Terroristen möchten durch ihre Tat den Charakter unserer Gesellschaft verändern", sagt der Sozial- und Islamwissenschaftler Dr. Marwan Abou-Taam vom Landeskriminalamt Rheinland Pfalz. "Sie wollen die Gesellschaft derart polarisieren, dass die hier lebenden Muslime denken, 'Die wollen uns hier nicht mehr'. Und dass die anderen denken, dass die offene Gesellschaft nicht funktioniert. Unsere Antwort muss sein, dass die offene Gesellschaft doch funktioniert und dass wir die Demokratie stärken! Dies war mehr als ein Terroranschlag, das war ein gezieltes Attentat, das das Wort töten wollte. Sie wollen die Menschen mundtot machen."


Doch Journalisten und die gesamte Gesellschaft dürften sich nicht einschüchtern lassen, so der Experte für Terrorismusbekämpfung und islamischen Fundamentalismus. "Wenn wir nun freiwillig unfrei werden, geben wir ihnen Recht."

"Wir sollten unsere freiheitliche Lebensweise auf jeden Fall weiterführen", sagt der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner Patzelt von der Technischen Universität Dresden. "Wir sollten die Sicherheitsbehörden ihren Dienst machen lassen und nicht Dschihadisten und Muslime auf eine Ebene stellen - und dies auch nicht zulassen."

Dies sagt er auch im Hinblick auf die „Pegida"-Bewegung, die besonders in Dresden Zulauf gefunden hat. Seine Warnung: "Wir sollten uns nicht unsere freiheitliche Ordnung durch Ideologen oder Ideologien weg reden lassen."

Darüber diskutieren: 

Werner J. Patzelt, Politikwissenschaftler TU Dresden
Marwan Abou-Taam, Islamwissenschaftler und Regierungsangestellter beim LKA Rheinland-Pfalz

Sie sind am Samstag in der Sendung "Im Gespräch" von 9.05 bis 11 Uhr zu Gast bei Gisela Steinhauer. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de sowie auf Facebook und Twitter

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