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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 21.10.2013

Diese Liebe war kein einfaches Geschenk

Günter Krenn: "Romy & Alain. Eine Amour Fou", Aufbau Verlag, Berlin 2013

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Romy Schneider und Alain Delon waren von 1958 bis 1963 miteinander verlobt. (picture-alliance / dpa)
Romy Schneider und Alain Delon waren von 1958 bis 1963 miteinander verlobt. (picture-alliance / dpa)

Der Filmwissenschaftler Günter Krenn hat bereits eine Romy-Schneider-Biografie veröffentlicht. Diesmal fokussiert er die Liebe der Sissy-Darstellerin zu Alain Delon. Dass aus Liebe Freundschaft wurde, ist keine tröstliche Pointe dieses öffentlich gelebten Liebesdramas.

Sie waren die Dauerverlobten: Der schöne Delon hatte Sissy entführt. Vier Jahre, acht Monate und vierundzwanzig Tage dauerte diese leidenschaftliche Liebe, die zum Kinomythos wurde. Als er sie 1958 das erste Mal am Flughafen abholt, ist er ein unbekannter, sehr schöner junger Schauspieler und sie bereits ein hochbezahlter Star.

Allerdings hat sie genug von den lukrativen Sissy-Filmen, sie ist zwanzig und will nicht länger die herzige Kaiserin spielen. Er ist drei Jahre älter und macht am Anfang keinen großen Eindruck auf sie, ihm scheint sie zu verwöhnt. Sie stehen gemeinsam für den Film "Liebelei" vor der Kamera, einer neuen Schnitzler-Verfilmung, in einer alten hatte 25 Jahre zuvor bereits ihre Mutter Magda Schneider gespielt.

Romy Schneider und Alain Delon haben noch keine gemeinsame Sprache, radebrechen in Englisch miteinander – und verlieben sich dann doch. Für sie wird er zum Mann des Lebens werden, sie lässt alles stehen und liegen, zieht zu ihm nach Paris, lernt Französisch und erträgt die Häme der deutschen Presse, die ihr die Flucht vom habsburgischen Kino-Thron ebenso übel nimmt wie den französischen Mann, der nicht zuletzt wegen seiner Attraktivität als halbseiden gilt. Sie überwirft sich mit ihrer Familie, lernt zum ersten Mal die Freiheit kennen, kann und will über ihr Leben und ihre Liebe selbst entscheiden.

Delon macht schnell Karriere, sie steht in seinem Schatten, erträgt seine erotischen Eskapaden, will nichts anderes als diesen Mann, der ihr der einzige und richtige zu sein scheint. Später wird sie sagen: "Wenn es nach mir gegangen wäre, ich hätte ihn nicht aufgeben können." Die beiden streiten und versöhnen sich, halten aneinander fest, gehen aber nicht zum Standesamt. Das tut er mit einer anderen schönen jungen Frau, die die Mutter seines Sohnes und an seiner Seite in seinem berühmtesten Film "Der eiskalte Engel/Le Samourai" spielen wird.

Auch in diesem Buch kommt sie vor, muss sie vorkommen, die oft beschrieben Szene, wie Romy Schneider nach ihrer Rückkehr aus Hollywood einen Strauß roter Rosen mit einem Zettel in der von Delon bereits verlassenen gemeinsamen Wohnung vorfindet, auf dem gestanden haben soll: "Ich bin mit Nathalie nach Mexiko, alles Gute." Günter Krenn zitiert Magda Schneider: "Delon war grausam und zärtlich in einem Atemzug. Darum liebte Romy ihn abgöttisch."

Der Wiener Filmwissenschaftler, der 2008 eine Romy-Schneider-Biographie veröffentlicht hatte, erzählt klug und einfühlsam die Geschichte dieser Liebe, er lässt Freunde, Verwandte, Kollegen zu Wort kommen, breitet kenntnisreich das professionelle und das private Leben der beiden Stars aus. Dass aus der großen Liebe am Ende eine Freundschaft wurde, dass Delon offenbar immer der Mann ihres Lebens blieb und sie wohl auch die wichtigste Frau des seinen, das ist eine schöne, wenn auch nicht tröstliche Pointe in diesem öffentlich gelebten Liebesdrama.

Als Romy Schneider mit 42 Jahren an Herzversagen stirbt, sorgt Delon für die angemessene Beerdigung. Die medizinische Diagnose spricht von Herzversagen, von Medikamenten und Alkohol. Laurent Pétin, der letzte Mann ihres Lebens, war nach einem Restaurantbesuch schon zu Bett gegangen, Romy Schneider, die nicht mehr schlafen konnte ohne Tabletten, die viel zu lange schon viel zu viel trank, war noch wach geblieben, wollte Musik hören, sie musste ein Interview schriftlich absagen, weil ihre Tochter die Röteln hatte.

Diesen Brief konnte sie nicht mehr zu Ende schreiben. Auf furchtbare Weise hatte er sich da längst bewahrheitet, dieser Satz aus einem Interview, das sie mit 18 Jahren gegeben hatte: "Es ist ein großer Irrtum, wenn die Leute glauben, ich hätte etwas vom Leben geschenkt erhalten." Delon kannte sie da noch nicht, aber auch diese Liebe war kein einfaches Geschenk.

Besprochen von Manuela Reichart


Günter Krenn: Romy & Alain. Eine Amour Fou
Aufbau Verlag, Berlin, 2013
312 Seiten, 19,99 Euro

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