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Fazit | Beitrag vom 02.11.2018

Designerinnen um 1900Vom Tisch zur Tapete

Klara Nemeckova im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Porträt Gertrud Kleinhempel (Historisches Museum Bielefeld)
Gertrud Kleinhempel hat bereits 1899 Möbel für die Deutschen Werkstätten entworfen. (Historisches Museum Bielefeld)

Frauen in der Kunstgeschichte, in Architektur und Design bleiben meist unbekannt. Das Kunstgewerbemuseum Dresden zeigt nun, wie Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau den Sprung in die Öffentlichkeit geschafft haben.

Die Deutschen Werkstätten sind heute ein mittelständisches Unternehmen. Vor mehr als 100 Jahren aber waren sie ein wichtiger Akteur der sogenannten Reformbewegung. Und diese wurde nicht nur von Männern getragen, wie man nun in der Ausstellung "Gegen die Unsichtbarkeit" im Kunstgewerbemuseum Dresden sehen kann.

1898 gründete der Tischlermeister Karl Schmidt die Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst und zog 1908 mit diesen nach Dresden-Hellerau, wo er die erste Gartenstadt in Deutschland gründete. Seine Idee: Schlichte Möbel herstellen - abseits des Historismus und des ornamentalen Jugendstils; qualitativ hochwertige und ansprechende Möbel. Diese sollten von Künstlern stammen, weswegen Schmidt einen entsprechenden Aufruf startete.

Als Sprungbrett für Frauen gedient 

Die Kuratorin der Ausstellung Klara Nemeckova nennt im Deutschlandfunk Kultur mehrere Designerinnen aus der Zeit um die Jahrhundertwende: Gertrud Kleinhempel habe bereits 1899 Möbel für die Deutschen Werkstätten entworfen und nur ein Jahr später sei Margarete Junge hinzugekommen, zwei Jahre später wiederum gefolgt von Marie Metzger-Geldern. "Das ist wirklich eine Sensation. Die Frauen haben diesen Handlungsspielraum der Reformbewegung erkannt und auf den Aufruf von Schmidt reagiert", sagt Nemeckova.

Zu sehen ist ein Schreibtisch von Margarete Junge. (© SKD, Foto: Robert Vanis )Schreibtisch nach dem Design von Margarete Junge, 1905/1906 (© SKD, Foto: Robert Vanis )

Dabei hätten die Frauen keine Schreinerlehre und auch sonst keine künstlerische Ausbildung gehabt. "Das war zu jener Zeit auch gar nicht möglich. Sie hatten nur begrenzt Zugang zu Ausbildungsangeboten und auch ihr öffentlicher Handlungsspielraum war beschränkt", berichtet Nemeckova. Das Verdienst der Werkstätten sei es gewesen, vielen Frauen als eine Art Sprungbrett zu dienen. Hier konnten sie Netzwerke aufbauen, sich spezialisieren und weiterbilden und vor allem wurde ihnen eine Öffentlichkeit geboten: "Ihre Entwürfe wurden in Katalogen unter ihren Namen publiziert, ausgestellt, hergestellt und verkauft", erklärt die Kuratorin der Ausstellung.

Aufbruchsstimmung um 1900

Das Besondere sei die Aufbruchsstimmung um 1900 gewesen, die den Frauen Möglichkeitsräume eröffnet habe, so Nemeckova weiter. Doch "mit der Zeit und auch der Gründung des deutschen Werkbundes und einer berühmten Schrift von Karl Scheffler 'Die Kunst und die Frau' wurden die Frauen immer mehr abgewertet - auch in ihrem künstlerischen Schaffen - und immer mehr ins Dekorative gedrängt", sagt Nemeckova. "Mit der Institutionalisierung der weiblichen Ausbildung durch die Öffnung der Kunstgewerbeschulen 1907 bekommen die Frauen immer mehr Möglichkeiten, dennoch werden sie zeitgleich in eine gewisse Richtung gedrängt - in die Fläche, ins Dekorative, ins Textildesign."

"Gegen die Unsichtbarkeit" heißt die Ausstellung über Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau. Sie ist noch bis zum 3. März 2019 im Kunstgewerbemuseum Dresden zu sehen.

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