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Studio 9 | Beitrag vom 24.12.2014

Designer-Duo Arne & CarlosGood ol' Norwegerpulli in modern

Von Anette Selg

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Wollknäuel (dpa / picture alliance)
Der Stoff, aus dem Arne & Carlos' Leben ist: Wolle. (dpa / picture alliance)

Es begann mit einem Label für exquisite norwegische Strickmuster, heute tourt das Designer-Duo Arne & Carlos durch die ganze Welt und bringt moderne Varianten des Norwegerstricks unter die Leute. Und besonders in der Weihnachtszeit boomt das Geschäft.

In der Eingangshalle der nordischen Botschaften in Berlin-Tiergarten steht eine große Tanne, über und über behängt mit bunten Weihnachtskugeln. Alle sind im Norwegermuster bestrickt.

Der blau- und rot-weiße Strickweihnachtsschmuck ist eine der Erfindungen des norwegischen Strickduos Arne & Carlos. An diesem Abend stellen sie hier ihre Arbeit und ihre Bücher vor.

"Maybe we should start by introducing ourselves, this is Arne and I am Carlos."

Arne und Carlos sind beide mittelgroß und um die fünfzig, tragen eine Brille und haben graumeliertes Haar. Unterscheiden kann man sie dennoch ganz einfach, erklärt Carlos nach der Veranstaltung.

"Einmal hatten wir einen Kurs, in dem uns alle mit den richtigen Namen ansprachen. Und irgendwann entdeckten wir hinter uns eine große schwarze Tafel, auf der stand: Mr Arne, gelockte Haare; Mr Carlos, glatte Haare. So können uns die Menschen unterscheiden."

In ihren Büchern steckt viel Privates

Seit 15 Jahren sind die beiden Designer ein Paar. Angefangen haben sie mit einem Label für exquisite norwegische Strickmode. Doch seit einiger Zeit touren sie vor allem mit ihren aufwändig gestalteten Strickbüchern durch die Welt, in denen sie traditionelle Norwegermuster auf Kissen, Decken, Pullis oder auch gestrickten Mäusen oder Hasen neu interpretieren.

"Viele Leute erzählen uns, dass sie überrascht sind, wie viel Privates in unseren Büchern steckt. Alle Fotos werden in unserem Haus oder in unserem Garten aufgenommen. Aber dadurch bekommen die Menschen auch ein Gefühl dafür, wer wir sind und wie wir leben."

Ein alter, still gelegter Bahnhof im Süden Norwegens ist das Zuhause von Arne und Carlos. Hier arbeiten sie an ihren Strickbüchern, und hier wächst und gedeiht auch ihr erstaunlich üppiger Bauerngarten.

"Wir haben diesen Garten auch angelegt, weil wir hier unser ganz eigenes Reich erschaffen wollten. Haus und Garten haben etwas von einem Kloster, und hinter den Mauern, oder eben hinter dem Zaun, beginnt so etwas wie ein anderes Universum, ein Paralleluniversum, ein sicherer Hafen."

Ursprünglich kommen Arne und Carlos aus ganz unterschiedlichen Welten. Arne, der mit den Locken, entstammt einer alteingesessenen norwegischen Bauernfamilie.

"Ich bin auf sehr altmodische Weise aufgewachsen. Auf einem Bauernhof, ohne Traktoren, wir haben alles mit Pferden gemacht und haben die Kühe von Hand gemolken. Den Sommer verbrachten wir Kinder mit den Großeltern in den Bergen. Meine Großmutter strickte die ganze Zeit – und ich auch. Ich hab es von meiner Großmutter und meiner Urgroßmutter und meiner Mutter gelernt, weil sie alle strickten."

Carlos, der mit den glatten Haaren, hat seine ersten 30 Jahre in Brasilien und Venezuela verbracht.

"Meine Herkunft ist eine ganz andere. Ich bin in Lateinamerika zur Welt gekommen und aufgewachsen, mein Vater ist Schwede und meine Mutter Spanierin. Aber sie hatte diesen Strick-Club, in dem sich die Mädchen trafen um zu stricken. Sie hatten keine Jobs, sie waren Hausfrauen. Es war so in den Siebzigern, und ich war Mitglied in ihrem Club."

Nur das Reisen nervt manchmal

Nachdem der junge Carlos das Stricken entdeckt hatte, schickten ihn seine Eltern im darauffolgenden Sommer in ein Ferienlager nach New York.

"Da war ich ungefähr neun und sie schickten mich in so ein Handarbeits-Camp nach Amerika, nach New York State, und ich hab den ganzen Sommer über getöpfert, gehäkelt, Makramee gemacht oder gestrickt. Aber danach war es erst einmal vorbei. Nur Arne hat immer weitergemacht. Du hast nie damit aufgehört, oder?"

"Naja, ich hatte so eine Phase, als ich 14 war, da wollte ich eine Woche lang mit dem Stricken aufhören. Ich hatte Konfirmation und dachte, gut, jetzt will ich wie die anderen Jungs in meiner Klasse sein. Aber ich hab mich so gelangweilt und nach einer Woche bin ich in den Laden und hab mir Wolle gekauft und weitergestrickt."

Vor allem in der Zeit vor Weihnachten boomt das Strick-Geschäft. Gerade kommen die beiden Designer von einer Lesetour aus Portland und Seattle zurück. Wird ihnen das Stricken auch irgendwann einmal zuviel?

"Das Stricken? Nein. Nur das Reisen geht uns manchmal wirklich auf die Nerven. Arne und ich sagen manchmal, zum Glück reisen wir als Stricker durch die Welt, und wenn wir ankommen, können wir uns gemeinsam mit unserem Publikum entspannen. Wären wir Musiker, dann wären wir mittlerweile sicher drogensüchtig und würden Hoteleinrichtungen demolieren, vor lauter Stress. Aber stattdessen sitzen wir entspannt in unserem Hotelzimmer und stricken."

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