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Kompressor | Beitrag vom 06.11.2018

Design, Politik und TechnologieKollektiv Metahaven möchte Medienkenntnis vergrößern

Daniel van der Velden im Gespräch mit Gesa Ufer

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Metahaven, Information Skies, 2016 digital film, 24 min. installation view “Earth,” Stedelijk Museum Amsterdam, 2018 photo: Peter Tijhuis (Peter Tijhuis)
Information Skies (2016) von Metahaven – das Designerkollektiv bewegt sich an der Grenze zur Kunst. (Peter Tijhuis)

Metahaven nennt sich ein Designerkollektiv, gegründet 2007 von Vinca Kruk und Daniel van der Velden. Mit ihrer Verknüpfung von Design, Politik und Netztheorie sind sie weltweit bekannt geworden. Nicht zuletzt auch, weil sie Werbemittel für Wikileaks gestaltet haben.

"Wenn man sich unsere Arbeiten der letzten elf Jahre anschaut, dann haben wir eigentlich uns auch viel mit Design und Designtheorie beschäftigt, aber auch mit filmischen Arbeiten. Es geht uns auch immer wieder um das Geschichtenerzählen", sagt Daniel van der Velden von Metahaven.

Werbemittel für Wikileaks

Ihre Arbeit bewegt sich an der Grenze zur Kunst und reicht weit über die Grenzen des Design hinaus: neben der klassischen Gestaltung von T-Shirts oder Corporate Identities greifen Metahaven in Rauminstallationen, Filmen und designtheoretischen Essays politisch brisante Themen auf wie Informationsfreiheit, die Künstlichkeit von Staatlichkeit oder Gesellschaftsstrukturen im postfaktischen Zeitalter.

2010 haben sie Werbemittel für Wikileaks entworfen: T-Shirts und Tassen zum Beispiel, die jetzt auch in Amsterdam zu sehen sind. "Damals gefiel uns an Wikileaks die Transparenz und wie sie den Raum geöffnet haben", sagt van der Velden. Ihre Arbeit für die Whistleblower-Seite fand unter dem Eindruck des Krieges gegen den Terror und der Finanzkrise statt. Van der Velden: "Wikileaks hat es geschafft, offen zu legen, was für Mächte da entstanden waren. Das Problem war nur, dass sie dann auch selber zu einer geopolitischen Kraft wurden." Metahaven war desillusioniert.

Filterblasen erfahrbar machen

Ihr "Wahrheitsfuturismus" spricht Stimmungen an und Atmosphären, die in ihren Filmen herrscht. "Wir beobachten, statt dass man versucht, sich auf gewisse Realitäten zu einigen heutzutage, jeder seine eigene Wahrheit produziert. Und diese verschiedenen nebeneinander existierende Wahrheiten werden immer inkompatibler."

Mit ihren Filmen versuchen sie – ohne Wertung – die Filterblasen des Internet erfahrbar zu machen.

Van der Velden glaubt nicht, dass heutiges Design und die vielen Oberflächen, auf denen wir uns in der modernen Welt bewegen, uns so stark überfordern, wie wir gerne glauben machen. "Wir stellen uns gerne als Opfer einer Entwicklung dar, doch eigentlich sind wir die Navigatoren." Ihnen sei deswegen eine gewisse Medienkenntnis wichtig.

Ruhig bleiben

Metahaven will als Pionier dazu beitragen, dass diese Medienkenntnis verbreiteter wird. Im Film "Eurasia" zum Beispiel: "Wir zitieren ein Gedicht von Aleksander Widyński aus dem Jahr 1930. Ein absurdes Gedicht, das zwei Lesarten hat. Die eine wäre eine hochpoetische, ein ganz raffiniertes Spiel mit Sprache wo nichts mehr sicher ist und alles eine neue Bedeutung erlangt. Die zweite Lesart wäre, dass es alles so stimmt, wie es da steht." Metahaven vergleicht das mit Künstlicher Intelligenz. "Wichtig ist für uns, dass man nicht in Panik verfällt, sondern über die Oberfläche hinaus blickt."

Ästhetischen Wiedererkennungswert liefert in ihren Arbeiten der grafische Abfall der 90er-Jahre – die Nachwehen des Web 2.0. In zwei parallel laufenden Ausstellungen in Amsterdam und London, für die das Institute of Contemporary Arts und das Stedelijk Museum kooperieren, sind jetzt ihre neuesten Filmarbeiten zu sehen.

Fazit

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