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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.12.2014

Design-Museum BarcelonaDas wahre Zentrum der Stadt

Von Klaus Englert

Die Ausstellung "Best Design of the Year" im Design-Museum in Barcelona (DHUB). (picture alliance / dpa / EPA / Andreu Dalmau)
Die Ausstellung "Best Design of the Year" im Design-Museum in Barcelona (DHUB). (picture alliance / dpa / EPA / Andreu Dalmau)

Nach einem Umzug wird das Design-Museum in Barcelona (DHUB) in einem neuen Gebäude wiedereröffnet. Der Kulturtempel soll nun vor allem von seiner zentralen Lage profitieren.

Noch vor einigen Wochen konnte man sich in Barcelonas neuem, florierendem Stadtzentrum wie am Strand fühlen: Auf dem Platz vor dem Design-Museum in Barcelona überraschten blaue Sonnenschirme, Sonnenhungrige machten sich auf Liegestühlen bequem. Llàtzer Moix, Architekturkritiker der katalanischen Zeitung "La Vanguardia", ist davon überzeugt, dass der gerade eröffnete Kulturtempel enorm von der zentralen Lage profitieren wird. Aber auch von seiner Gestalt:

"Zweifellos handelt es sich um einen ikonischen Kulturbau. Doch Ikonen gibt es etliche hier an der Plaça de les Glòries. Denken Sie nur an die Torre Agbar, die bekannteste Ikone Barcelonas. Dagegen ist das Design-Museum - kurz: DHUB - deutlich konventioneller, aber auch eigenwilliger."

Llàtzer Moix meint allerdings, dass ihm die spektakuläre Form des Museums in Zeiten der Krise doch einiges Bauchgrimmen verursacht:

"Der Museumsentwurf geht auf den Beginn unseres Jahrhunderts zurück, als überall noch Spektakelarchitektur errichtet wurde. Man muss sich also fragen, warum die Bauherren, Barcelonas zentrale und einflussreiche Design-Einrichtungen, darauf gekommen sind, ausgerechnet diese Gebäudehülle für die bestmögliche zu halten."

"Mich überrascht dieser Entwurf"

Llàtzer Moix spielt darauf an, dass der fast 89-jährige Architekt des Design-Museums, Barcelonas grandseigneur Oriol Bohigas, seine kreativste Zeit längst hinter sich hat:

"Mich überrascht dieser Entwurf von Bohigas, denn er ist keineswegs mit seiner früheren Architektur vergleichbar. In den 50ern- und frühen 60ern-Jahren war er großartig. Er wies den anderen Architekten die Richtung, die sich eng an der italienischen Avantgarde orientierte. Dagegen steht das DHUB in keinerlei Berührung mit der Gegenwartsarchitektur."

Die Sonnenhungrigen stört es nicht. Sie dösen weiterhin auf dem Pflasterstrand. Vor ihnen erstreckt sich die Längsseite des grauen mehrstöckigen Museums-Riegels mit unregelmäßig verlaufenden Fensterbändern. Auf der rechten Seite reicht der Baukörper zehn Meter hinab bis zu einem künstlichen See. Während die gegenüberliegende Seite weit über die Straßenfront auskragt. Bis dorthin, wo noch vor einigen Monaten die kreisförmige Hochautobahn die Plaça de les Glòries dominierte.

Doch die Zeit der verkehrsgerechten Autostadt Barcelona ist vorbei, die Hochautobahn abgerissen. Nach den Autos kamen die Strand-Enthusiasten, schließlich die Design-Liebhaber. Denen bietet das Design-Museum DHUB eine überraschende programmatische Vielfalt: Den Museo de Diseño mit riesigem Sammlungsbestand und großzügigen Flächen für Wechselausstellungen. Außerdem den Centro de Diseño, der sich der wirtschaftlichen Design-Förderung widmet.

Untergebracht ist hier auch eine namhafte Kunst- und Design-Stiftung, die die anerkannten FAD-Preise für Architektur und Design vergibt, schließlich eine öffentliche Bibliothek.

Stolz auf einen Kabinettschrank

Und die Sammlung? Die Museumsführung ist stolz auf einen Kabinettschrank aus dem Jahre 1898 von Joan Busquets und eine Pariser Winterkollektion von 1957, entworfen von Cristobal Balenciaga.

Llàtzer Moix konzediert: Das DHUB ist das wahre Design-Zentrum Barcelonas. Natürlich erinnert die Architektur allzu sehr an die Boomzeiten der 90er-Jahre. Aber Moix gefällt es, dass die keilförmige Gestalt des Museums auf die Plaça de les Glòries weist, dorthin, wo sich die zukünftige Entwicklung Barcelonas entschieden wird:

"Die Stadt hat sich für eine neuartige Lösung entschieden: Die Plaça de les Glòries soll Ausgangspunkt für eine Renaturalisierung Barcelonas werden: Serien von grünen Korridoren werden sich quer durch die Stadt erstrecken. Barcelona will der Stadtpolitik eine völlig neue Ausrichtung geben: Künftig werden Grünflächen die gesamte Stadt durchziehen."

Barcelona will sich zum wiederholten Male neu erfinden. Die selbst ernannte Welthauptstadt der Architektur wird grün.

 

Mehr zum Thema:

Architektur - Barcelonas Untergang
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 18.06.2014)

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