Das Feature, vom 19.10.2018

Der Weg der MundharmonikaToots Thielemans und der Atem der Melancholie

Woher stammt die Mundharmonika, dieses Instrument der Melancholie? Nicht aus den USA – obwohl DeFord Bailey darauf brillierte, der schwarzen Country-Musiker. Oder Larry Adler, der weiße Jazzer. Sie kommt aus der Alten Welt und hat viele Väter. Eine Spur führt nach Friedrichroda, Thüringen.

Ein Portrait des belgischen Jazz-Musiker Toots Thielemans bei einem Konzert 2003. (imago stock&people / John Thys)
Der belgische Musiker Toots Thielemans etablierte die Mundharmonika im Modern-Jazz. (imago stock&people / John Thys)

Im Jahre 1939 sieht Jean-Baptist Thielemans, 17, im Kino seiner Geburtsstadt Brüssel einen amerikanischen Film. Larry Adler spielt darin einen Todeskandidaten, der in seiner Zelle auf der Mundharmonika herzzerreißende Lieder anstimmt. Am nächsten Tag kauft sich Thielemans so ein Instrument. Mit 30 geht er in die USA und wird einer der Größten in der Modern Jazz-Szene. Im Alter macht ihn der belgische König zum "Baron". Aber der König der Mundharmonika nennt sich immer nur "Toots".

Friedrich Buschmann aus Friedrichroda,Thüringen, fertigt 1828 ein Instrument, "nur 4 Zoll im Durchmesser, habe aber 21 Töne darauf, piano und crescendo". In seiner Heimat gilt er als der Erfinder der Mundharmonika.

Mitte des 19. Jahrhunderts blüht die Mundharmonika-Industrie in Deutschland auf. Auswanderer bringen das Instrument, das jeder in die Tasche stecken kann, wenig kostet und so schön Heimweh klagen kann, nach Amerika. Ihr Sound war es, der den jungen Thielemans so berührte.



Friedrichroda – Brüssel – New York

Toots Thielemans und der Atem der Melancholie
Von Lou Brouwers

Regie: Fabian von Freier
Sprecher: Walter Gontermann, Marita Breuer, Judith Jakob, Robert Dölle, Matthias Kiel, Jochen Kolenda, Stefan Naas, Bernd Reheuser und Sascha Tschorn
Ton und Technik: Gunther Rose und Kiwi Eddy
Redaktion: Ulrike Bajohr

Produktion: Dlf/MDR 2018