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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 21.09.2009

Der virtuelle Treckerfahrer

Simulationsspiele als Wirtschaftsfaktor

Von Stephanie Kowalewski

Virtueller Treckerfahrer (Stephanie Kowalewski)
Virtueller Treckerfahrer (Stephanie Kowalewski)

Seit einiger Zeit erobern sogenannte Simulationsspiele die Computer. Statt beispielsweise auf fremdem Planeten mit Außerirdischen zu kämpfen, erlebt der Spieler hier den Alltag eines Landwirtes. Marktführer im deutschsprachigen Raum ist die Firma astragon, die mittlerweile mehr als 50 solcher Spiele anbietet.

Dirk Walner ist Landwirt. Virtuell zumindest. Gerade lenkt er seinen Trecker etwas unbeholfen durch einen Hindernisparcours, der hinter seinem gepixelten 3D-Bauernhof auf irgendeiner digitalen Insel liegt.

"Bis jetzt noch fehlerlos. Muss immer an der gestrichelten Linie, die mir den Weg vorgibt, entlang fahren. Das ist noch relativ einfach, wobei meine Zeit nicht sehr gut werden wird."

Macht nichts. Ist ja nur ein Spiel. Im realen Leben gibt Dirk Walner hingegen richtig Gas, und zwar als Geschäftsführer von astragon.

"Dahinter verbirgt sich ein Software-Verlag, zu gut Deutsch ein Publisher. Ganz wichtig, wir sind ein Verlag, vergleichbar mit einem Buchverlag, der Ideen hat, Lizenzen vermarktet, Dinge programmieren lässt, aber eben nicht selbst entwickelt."

Angefangen hat alles mit so genannten Casual-Games, also einfachen PC-Spielen, die mal eben schnell zwischendurch gespielt werden. Doch seit einigen Jahren verlagert sich der Firmenschwerpunkt hin zu elektronischen Simulationsspielen.

" Wir sind jetzt im neunten Jahr unserer Tätigkeit und haben so vor vier, fünf Jahren die Weichen Richtung Simulationen gestellt. Und das erste Produkt war ein Schiffsimulator. Das war so der Anfang. Und dann haben wir noch gesagt, so was wollen wir öfter machen, wir schreiben die Jahreszahl dahinter. Damit war dieses Thema geboren. Dass das Ganze gewaltlos ist, hat uns auch gut gefallen. Tja, und dann sieht man den ersten Erfolg und fragt sich, was können wir denn noch simulieren?"

Bei der Mönchengladbacher Firma kümmern sich fünf Mitarbeiter um das Computerspiel-Verlagsgeschäft. Und das recht erfolgreich.

Im vergangenen Jahr setzte das Team mit LKW-, Kran-, Baggersimulator und Co rund fünf Millionen Euro um – Tendenz steigend.

Das Geschäft mit den Simulatoren brummt, auch Dank des Landwirtschaftssimulators 2009. Es ist das bislang erfolgreichste Computerspiel von astragon. Seit Monaten führt es die Charts für PC-Spiele bis 20 Euro an. Innerhalb von vier Monaten verkaufte sich der virtuelle Bauernhof über 200.000 mal. Jetzt sollen die Simulationsspiele weltweit vermarktet werden.

Die Ideen für neue Simulationsspiele entstehen größtenteils bei astragon. Meist fragen sich die Mitarbeiter einfach, welche Maschinen, Geräte und Berufe sie selbst gerne mal steuern, entwickeln oder erleben möchten, sagt Felix Buschbaum, Sprecher von astragon.

"Es ist halt so ein bisschen der Modelleinsenbahneffekt: Nie verwirklichter Kindheitstraum vom Lokomotivführer, vom Feuerwehrmann oder vom Kranfahrer. Wie viele sagen auch im Erwachsenenalter, ich würde einfach gerne mal einen Gabelstapler fahren. Und bei unseren Simulationen kann man solche Kindheitsträume oder solche Wünsche einfach mal schnell umsetzten."

Die Simulationsspiele sind einfach zu bedienen, ihnen fehlt das Tempo der Actiongames, das Brutale der Ego-shooter und das Spannende der Strategiespiele. Dennoch – oder gerade deswegen - erfreuen sie sich wachsender Beliebtheit.

"Ja, weil die im Gegensatz zu den ganzen Actionspielen etwas entspannter ablaufen."

Findet Miles Broch. Der 17-jährige Gymnasiast spielt seit Jahren den Bus- und Landwirtschaftssimulator – zur Entspannung, wie er sagt.

"Was daran so faszinierend ist, ist dass man, im Gegensatz zu anderen Spielen, keine Ende hat, sondern dass man immer weiter drauf los spielt, seinen Hof immer weiter ausbaut, immer neue Geräte dazu kauft.

Dass man wirklich einen Tagesablauf eines richtigen Bauers in dem Fall miterleben kann, halt dieses ganze typische Bauernzeug. Dass man dann losfahren muss, in die Stadt fahren muss, Getreide und so kaufen muss, und das dann anpflanzen muss und all das."

Auch im virtuellen Bauernleben gibt es Tag und Nacht, Sonnenschein und Dauerregen, der die Ernte ordentlich vermiesen kann. Das ist sehr realistisch, meint Miles Broch, und doch sieht er auch Schwachpunkte im Spiel.

"Die Grafik ist jetzt nicht die beste, die es gibt, aber sie ist doch möglichst real dargestellt."

Die Simulatoren leben von einer möglichst realistischen Darstellung samt Sound und Fahrgefühl. Und die gelingt nur durch Kooperationen mit Herstellern der jeweiligen Gefährte, betont Felix Buschbaum.

"Das heißt, wenn wir für den Landwirtschaftssimulator Geräusche einfangen, dann stellen wir uns wirklich auch mit dem Mikrofon vor den laufenden Traktor, das gleiche Modell versteht sich, damit die Geräusche dann entsprechend im Spiel auch originalgetreu sind. Wir lassen die Programmierer natürlich auch selbst mal einen Traktor fahren oder einen Mähdrescher fahren, damit sie so ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen, wie sich so was anfühlt. Und natürlich arbeiten wir mit den Kooperationspartnern auch direkt zusammen, die schauen sich die Software auch an, geben uns auch Tipps, damit das Ganze möglichst nah am Original ist."

Vielleicht ist es das, was die hauptsächlich männlichen Spieler, die meist älter als 30 Jahre sind, begeistert. Jedenfalls gehören ganz reale Landwirte zur Hauptkäuferschaft des Landwirtschaftssimulators, freut sich astragon-Geschäftsführer Dirk Wallner.

"Also wir haben hier so eine nette Story gehört, dass in einem Markt die Leute mit Traktoren auf dem Parkplatz gestanden haben und sind dann zum shoppen gefahren."

Man darf also gespannt sein, mit welchen Gefährten die Käufer der neuesten Simulatoren zum Einkaufen fahren: Gerade ist der Spreng- und Abriss-Simulator erschienen und im Herbst wird es den ersten Feuerwehrsimulator geben.

"Mit einer ganz besonderen Neuerung: Da kann ich zum ersten Mal den einzelnen Feuerwehrmann bewegen und ihn Aktionen ausführen lassen, was es so also auch vorher noch nicht gegeben hat."

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