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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 14.08.2016

Der vermessene SportlerBig Data verändert den Leistungssport

Von Frederik Rother und Daniel Memmert

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VfL Bochum - 1. FC Union Berlin: Berlins Steven Skrzybski (r) und Bochums Timo Perthel kämpfen um den Ball. (dpa / Marius Becker)
Während des Spiels zeichnen Kameras jede Bewegung für eine spätere Analyse auf: Hier während des Spiels zwischen dem VfL Bochum und dem FC Union Berlin. (dpa / Marius Becker)

Videoanalysen, Bewegungsmuster und Fitnessdaten: Leistungssportler werden heute bei jedem Wettbewerb und Training detailliert vermessen. Damit lässt sich der Erfolg einer Mannschaft nachhaltig steigern. Große Fußballvereine haben deswegen längst etliche Datenanalysten mit im Team.

"Eisern Union" - Die Fans singen ihre Hymne beim letzten Heimspiel gegen Dynamo Dresden. Das war vor gut zwei Jahren. Morgen kommen die Sachsen wieder zum 1. FC Union Berlin und bei der Vorbereitung spielen Datenanalysen eine wichtige Rolle. Das sagt Adrian Wittmann. Der 30-Jährige ist seit drei Jahren Spielanalyst für Unions erste Mannschaft und weiß, mit welchen Statistiken aus den Datenbanken er arbeiten kann.

Ohne detaillierte Spieldaten geht's nicht

"Da sind halt Tracking-Daten, Lauf-Daten einmal, alles mögliche zu den einzelnen Spielern, aber auch als Gruppenleistung, und Scouting-Daten. Scouting-Daten heißt wirklich, wie viele Zweikämpfe wurden gemacht, wie ist die Pass-Statistik, von jedem einzelner Spieler oder insgesamt."

Ohne detaillierte Spieldaten geht im professionellen Sport heute nichts mehr. Stadien und Arenen sind mit zig Kameras ausgestattet, jede Bewegung auf dem Spielfeld wird gefilmt, gemessen, analysiert und in abrufbare Daten umgewandelt. Beim Training und im Wettkampf. 

Im modernen Sport geht es um Videoanalysen, Bewegungsmuster und Fitnessdaten. Damit sollen vor allem taktische Muster rausgearbeitet werden: Funktioniert die eigene Strategie? Welcher Spieler kann mir helfen, das am besten umzusetzen? Und welche Taktik hat der Gegner? Mit den gewonnen Daten können auch Leistung und Gesundheitszustand der eigenen Spieler besser verfolgt werden. Verletzungen werden so im besten Fall vermieden.

Wird der Trainer bald überflüssig?

Klar ist aber auch: Mit der richtigen Daten-Auswahl und der Verknüpfung der jeweils relevanten Werte, lässt sich der Erfolg einer Mannschaft nachhaltig steigern. Und das nicht nur im Fußball, auch beim Handball, Basketball oder Hockey kommt die Datenanalyse zum Einsatz. 

Die Gefahr, dass der Trainer damit irgendwann überflüssig wird, sieht Wittmann, Spielanalyst bei Union Berlin, nicht. Es komme vielmehr darauf an, dass die einzelnen Spezialisten, also etwa Athletik-Trainer, Mediziner und Psychologen, dem Trainer die relevanten Informationen liefern:

"Das ist wie ein Satellitensystem. Er ist da die Sonne und wenn da die Monde um ihn herum und die Planeten nicht funktionieren, dann wird es schwer."   

Notwendig ist also ein eingespieltes System. Und dabei hilft gutes Training, meint Wittman. Bevor morgen Dynamo Dresden kommt:

"Wir sind auf jeden Fall gut vorbereitet und ich denke, da können wir uns auf ein gutes Spiel freuen."

Interview mit Daniel Memmert, Sportspiel- und Kognitionsforscher, der trotz Big Data weiterhin an den Zufall glaubt (ab 03:25)

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