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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 20.01.2020

Der Tag mit Teresa Koloma Beck Neue Perspektiven für Libyen vereinbart

Moderation: Anke Schaefer

Ein Porträtbild von Prof. Dr. Teresa Koloma Beck. (Hamburger Insitut für Sozialforschung                                                                                                                                                                                                                                                  )
Die Konfliktforscherin Teresa Koloma Beck (Hamburger Insitut für Sozialforschung )

Nach den Vereinbarungen auf dem Libyen-Gipfel ist die Frage, ob sich die Lage tatsächlich ändern wird. Wir sprechen darüber mit der Konfliktforscherin Teresa Koloma Beck. Weitere Themen sind Korruption in Angola, Armut von Frauen und eine umstrittene Werbeaktion.

Die Teilnehmer des internationalen Libyen-Gipfels haben sich darauf geeinigt, das UN-Waffenembargo einhalten zu wollen und einen politischen Prozess in Gang zu setzen. Auch einen Waffenstillstand vereinbarten die Gipfelteilnehmer, dieser ist jedoch nicht rechtlich bindend, wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel einräumte. Bislang ist das Ergebnis somit vor allem ein diplomatischer Erfolg. Ob die Region wirklich eine Chance auf Frieden hat, wird vor allem davon abhängen, wie die Beschlüsse umgesetzt werden. Darüber sprechen wir mit unserem Studiogast, der Konfliktforscherin Teresa Koloma Beck von der Universität der Bundeswehr in München. Was kommt jetzt?

Korruption in Angola

Die angolanische Unternehmerin Isabel Dos Santos hat offenbar systematisch von Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme profitiert und so ihren wirtschaftlichen Aufstieg vorangetrieben. Diesen Verdacht erhärten interne Unterlagen zu den Geschäften der vermutlich reichsten Frau Afrikas, das Recherchenetzwerk von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" auswerten konnten. Die 46-Jährige ist die Tochter des langjährigen früheren Staatspräsidenten Jose Eduardo Dos Santos. Sind die Luanda-Leaks eine Fallstudie für Kleptokratie?

Armutsfalle für Frauen

Frauen und Mädchen leisten nach einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam weltweit täglich zwölf Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit im Haus. Diese Tätigkeiten, gemeint sind Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder der Haushalt, stellten häufig eine Armutsfalle dar. Denn 42 Prozent der Frauen und Mädchen weltweit könnten im erwerbsfähigen Alter kein Geld verdienen. Bei den Männern seien es nur sechs Prozent. Würde man die häusliche Arbeit von Mädchen und Frauen nach Mindestlohn bezahlen, kämen laut Oxfam pro Jahr mehr als elf Billionen US-Dollar zusammen. Dieser Wert übersteige das Vermögen der Superreichen bei weitem. Diese Leistungen von Frauen tauchten aber in keiner Wirtschaftsstatistik auf. Wie kommen Frauen aus dieser Armusfalle?

Umstrittene Werbeaktion für Aldi-Tasche

Der Berliner Schauspieler Lars Eidinger hat mit einer Designer-Firma eine Tasche entworfen, die aussieht wie eine Aldi-Tüte, aber 550 Euro kosten soll. Auf einem Foto posiert der Schauspieler damit vor Obdachlosen und es hagelt Kritik an dieser Werbeaktion. Ist das zynisch oder etwa Kunst?  

(gem)

Teresa Koloma Beck ist Professorin für Soziologie der Globalisierung an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaft der Universität der Bundeswehr München und Gastwissenschaftlerin am Hamburger Institut für Sozialforschung. Sie studierte am I.E.P. Paris und an der Universität Witten/Herdecke und promovierte 2010 an der Humboldt-Universität zu Berlin über Veralltäglichungsprozesse im Bürgerkrieg. Der Schwerpunkt ihrer akademischen Arbeit liegt in der alltagssoziologischen Erforschung von Gewaltkonflikten und Globalisierungsdynamiken. Bevor sie Anfang 2017 an die Universität der Bundeswehr kam, leitete sie am Centre Marc Bloch die deutsch-französische Nachwuchsgruppe "Espaces et Violences – Urbane Gewalträume" im deutsch-französischen Forschungsverbund Saisir l'Europe – Europa als Herausforderung.

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