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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.11.2013

"Der Sturz des Antichrist"

Viktor Ullmanns Oper in der Uraufführung von 1995

Roter Theatervorhang  (Stock.XCHNG / Nihan Aydin)
Roter Theatervorhang (Stock.XCHNG / Nihan Aydin)

Die Uraufführung der 1935 komponierten Oper "Der Sturz des Antichrist" hätte eigentlich in Wien stattfinden sollen. 1936 war Viktor Ullmann für sein knapp zweistündiges Werk mit dem Emil-Hertzka-Preis ausgezeichnet worden und stand bereits in Verhandlungen mit Felix Weingartner, dem Wiener Staatsoperndirektor. Die Oper kam erst 60 Jahre später in Bielefeld auf die Bühne.

Wie so viele seiner Werke konnte der 1944 in Auschwitz ermordete Viktor Ullmann auch diese Komposition nie hören. Erst in den 1990er Jahren setzte die Rezeption wieder ein, vor allem "Der Kaiser von Atlantis" und "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" haben heute einen festen Platz auf den Bühnen der Welt. "Der Sturz des Antichrist" wurde nach der 1995er Bielefelder Uraufführung am Theater Hof 2007 wieder aufgeführt und war ein Jahr später in Cincinatti auch erstmals im Ausland zu hören.

An den Librettisten der Oper, Albert Steffen, schrieb Viktor Ullman: "'Der Sturz des Antichrist' wurde von der Jury des Emil-Hertzka-Preises 1936, der diesmal für musikdramatische Werke ausgeschrieben war, preisgekrönt. Ich freue mich herzlich, Ihnen dies mitteilen zu können. Die Einreichung erfolgte anonym, die Jury bestand aus den österreichischen Komponisten und Dirigenten Alexander Zemlinsky, Ernst Krenek, Egon Wellesz, Karl Rankl und dem Regisseur der Staatsoper Lothar Wallerstein. ... So erfreulich die Auszeichnung des Werkes ist, so wurde doch Ihr Wort, dem ich jeden Ton verdanke, mit der Musik preisgekrönt ..."

Bereits zwei Jahre zuvor hatte Ullmann den Hertzka-Preis erstmals erhalten, damals für ein Orchesterwerk, dass noch ganz im Zeichen der Zwölftonlehre seines Lehres Schönberg stand. In der Oper "Der Sturz des Antichrist" hatte sich der Komponist bereits stilistisch weiterentwickelt - eine Mischung aus tonalem und atonalem Material - und war zu einem neuen philosophisch-weltanschaulichen Fundament gelangt - dem antroposophischen Denken.

In der Oper "Der Sturz des Antichrist" soll das Publikum mit nur wenigen Figuren zur Einsicht in abstrakte Weltzusammenhänge geführt werden, Schau und Gleichnis in einem. Der aktuelle Bezug ist dennoch bedrückend: Drei Gefangene, ein Techniker, ein Priester und ein Dichter, sind in der Gewalt eines absoluten Regenten ...


Opernhaus Bielefeld
Aufnahme vom 07.01.1995

Viktor Ullmann
"Der Sturz des Antichrist"
nach einem Libretto von Albert Steffen

Der Regent/Der Dämon des Regenten - Ulrich Neuweiler, Tenor
Der Priester/Der unvollkommene Engel des Priesters - Richard Decker, Tenor
Der Techniker/Das Gespenst des Technikers - William Oberholtzer, Bariton
Der Künstler - Louis Gentile, Tenor
Der Wärter/Ein Greis - Monte Jaffe, Bass
Der Ausrufer - Lassi Partanen, Tenor
Chor der Städtischen Bühnen Bielefeld
Philharmonisches Orchester Bielefeld
Leitung: Rainer Koch

nach Ende der Oper ca. 21:00 Uhr Nachrichten

anschließend 21:05 Uhr:

"El Male Rachamim” - Gott voll Barmherzigkeit
Synagogale Musik zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht

Am 9. November 2013, aus Anlass des 75. Jahrestags der Reichspogromnacht, widmet sich der RIAS Kammerchor der synagogalen Musik. Im Rahmen des Potsdamer Vokalfestivals Vocalise 2013 werden unter der Leitung von Ud Joffe Kompositionen der wichtigsten Kantoren und Komponisten synagogaler Musik der letzten beiden Jahrhunderte neben Traditionellem im Nikolaisaal Potsdam aufgeführt. Kantor des Abends wird Azi Schwartz sein.

Auf dem Programm stehen u.a. Werke von Ernest Bloch, von Yossele Rosenblatt, der der größte der Kantoren genannt wurde, von David Kusevitsky sowie vom sogenannten Mendelssohn der Synagogalmusik, Louis Lewandowski. Letzterer war seit ihrer Einweihung 1866 Dirigent und Chorleiter der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin und wusste den traditionellen Synagogalgesang mit der modernen europäischen Musikentwicklung zu verbinden.

Der RIAS Kammerchor ebenso wie der Sender RIAS haben sich seit ihrer Gründung um einen engen Kontakt zur jüdischen Gemeinde bemüht und jüdische Musik aufgeführt und ausgestrahlt. Ud Joffe und der RIAS Kammerchor haben bereits mehrfach erfolgreich zusammengearbeitet.


Live aus dem Nikolaisaal Potsdam

Josef Brody-Meyer Machtenberg
Av Harachamim

Zavel Zilberts
Ki Lekach Tov

Yossele Rosenblatt
Shir Hamaalot

Tzvi Talmon
Ein keloheinu

Yossele Rosenblatt
Brich Shme (Anta Hu)

David Kusevitsky
Yehi Ratzon

Louis Lewandowski
Ptach Lanu Sha'ar

Zavel Zilberts
Mimkomcha

Ernest Bloch
Jihju Leratzon (aus: Avodath Hakodesch)

Trad./Azi Schwartz/Raymond Goldstein (Arr.)
Mitratse Berachamim (Avinu Malkeinu)


RIAS Kammerchor
Azi Schwartz Kantor
Leitung: Ud Joffe

Konzert

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