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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.02.2020

"Der Schmied von Gent" in AntwerpenEin König als Witzfigur

Von Uwe Friedrich

Szene aus Ersan Mondtags Inszenierung von Franz Schrekers "Der Schmied von Gent" in Antwerpen (Annemie Augustijns)
Szene aus Franz Schrekers "Der Schmied von Gent" in Antwerpen (Annemie Augustijns)

Performance, Installation, Musik: Theaterregisseur Ersan Mondtag hat in der Vergangenheit immer wieder die Grenzen des Theaters gesprengt. Da ist es kein Wunder, dass er nun seine erste Oper inszeniert hat - in Antwerpen.

Ein pittoreskes Miniaturflandern hat sich Ersan Mondtag für sein Operndebüt auf die Bühne der Vlaamse Opera in Antwerpen gebaut, komplett mit Treppen- und Glockengiebeln, großen Fenstern und Wehrtürmen, die er virtuos bespielen lässt.

Aber Vorsicht: Auf der Rückseite wartet bloß eine kinderfressende Teufelsfratze! Die Teufelin hat Astarte hat den Schmied Smee nämlich nur mit dem Versprechen vor dem Suizid gerettet, dass er ihr nach sieben Jahren mit Haut und Haaren gehört. Bis dahin überhäuft sie ihn mit Reichtümern und Schätzen, die allerdings aus dem Kolonialreich Kongo stammen.

Der Regisseur Ersan Mondtag (dpa/ picture alliance/ Sören Stache)Der Regisseur Ersan Mondtag (dpa/ picture alliance/ Sören Stache)

Hier schließt Ersan Mondtag die flämische Volkssage vom gerissenen Schmied kurz mit der belgischen Kolonialgeschichte im 19. Jahrhundert. Das funktioniert nur bedingt, denn durch Verwandlung von Smee in den skrupellosen König Leopold II. wird der Schmied monströs aufgeplustert, der König jedoch zur Witzfigur verkleinert.

Viele Lacher im Publikum

Schließlich kommt der putzige alte Herr in Galauniform mit Rauschebart doch noch ins Paradies, so schlimm kann das alles im Kongo also wohl doch nicht gewesen sein? Bis dahin wirft sich das gesamte Ensemble mit Hingabe in das körperbetonte Spiel, das der Volkssage mit ihrer Herkunft aus dem derben Bauernspiel sehr gut tut und für viele Lacher im Publikum sorgt.

Mit dem Chor kann Mondtag hingegen nicht sehr viel anfangen, die Sängerinnen und Sänger müssen über lange Strecken dekorativ rumstehen. Gesungen wird hingegen sehr gut, an der Spitze Leigh Melrose in der großen Partie des Titelhelden, Vuvu Mpofu als verführerische Teufelin Astarte und Michael J. Scott als komödiantischer Geselle Slimbroek. Alejo Pérez gibt der eher spröden Partitur vor allem rhythmische Kontur, vergisst aber auch die schillernden Klangwelten Schrekers nicht.

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