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Im Gespräch | Beitrag vom 11.06.2019

Der Rapper und Coach Michael "Curse" KurthIn die Falle rein, aus der Falle raus

Moderation: Tim Wiese

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Der Rapper Curse auf der Bühne des Hip Hop Festivals Splash. (picture alliance/Photoshot/ PYMCA)
Curse auf der Bühne beim Hip Hop-Festival Splash: mit 80 auf irgendeinem Berg oder im Zen-Kloster. (picture alliance/Photoshot/ PYMCA)

Mit Anfang 20 war Michael Kurth alias Curse einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands, aber nicht glücklich. Er absolvierte eine Ausbildung zum systemischen Coach, lernte meditieren – und steht heute wieder als Musiker auf der Bühne.

Minden in Nordrhein-Westfalen gilt nicht gerade als Hochburg des Hiphop. Trotzdem kam Michael Kurth, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Curse, dort schon im Kindergarten mit Rapmusik in Kontakt: Anfang der 80er Jahre, als ein Zivildienstleistender ihn für Breakdance und die Hiphop-Kultur begeisterte, die gerade aus den USA nach Deutschland schwappte.

Eine Begeisterung, die den Musiker seitdem nicht losgelassen hat – auch, weil er sich als Kind und Jugendlicher oft als Außenseiter empfand und im Hiphop nun einen Ausdruck dafür fand, sich nicht zugehörig zu fühlen: "Rapmusik hat mir damals das Gefühl vermittelt von Rebellion, von Energie: Da bricht was aus, da muss was gesagt werden, da ist was dringend."

Der "Philosoph unter den Rappern"

Seine Schulzeit hindurch schreibt Michael Kurth eigene Texte und rappt. Noch als Teenager geht er zum Psychologiestudium in die USA und nutzt die Nähe seiner Uni zu New York City, um dort nachts in die Hiphop-Szene einzutauchen. Als er mit achtzehn nach Deutschland zurückkehrt, hat er bald den ersten Plattenvertrag in der Tasche und wird innerhalb weniger Jahre zu einem der bekanntesten Rapper Deutschlands.

Curse gilt als "Philosoph" oder "Poet unter den Rappern" – eine Zuschreibung, die nicht immer positiv gemeint ist: "Der Wettkampf verlässt oft die sportliche Ebene und geht auf eine sehr persönliche Ebene. Damit habe ich mich früher auch oft rumgeschlagen", sagt Curse: "Ich habe mich lange dagegen gewehrt, mich stigmatisieren zu lassen, mir einen Stempel aufdrücken zu lassen." Heute sieht er das gelassener: "Ich trage so einen Titel mittlerweile mit Freude."

"Es hat mir keine Angst gemacht"

Überhaupt sieht Michael Kurth aka Curse heute einiges entspannter als noch vor zehn Jahren. Da zog er nach Jahren des Erfolgs, nach Tourneen, Alben und vollen Konzertsälen die Notbremse.

"Ich habe immer gedacht, wenn ich das mache, was ich will, was ich liebe, wenn ich meinen Traum lebe, nämlich Musik machen, dann werde ich bestimmt glücklich."

Tatsächlich wurde er aber immer unglücklicher. Er habe sich "in eine Falle manövriert", sagt der 40jährige heute. Es sei ein schleichender Prozess gewesen, in dem ihm immer deutlicher wurde, etwas radikal ändern zu müssen. So gab er die erfolgreiche Musikkarriere erst einmal auf.

"Es hat mir keine Angst gemacht. Denn ich war an einem Punkt, an dem ich über den Punkt der Angst schon lange hinaus war. Ich war an einem Punkt, an dem ich eher verzweifelt war."

Neue Prioritäten und alte Leidenschaften

Kurth setzt neue Prioritäten in seinem Leben, absolviert eine Ausbildung zum systemischen Coach, gründet eine Familie und lernt meditieren. Die Frage, was er eigentlich braucht, stellt er sich zum ersten Mal bewusst mit Anfang dreißig.  Durch die Meditation findet er einen neuen Zugang zu sich und seinen Bedürfnissen.

"Ich habe immer gedacht: Meditation, super, das mache ich mal, wenn ich 80 bin. Dann sitze ich auf irgendeinem Berg oder im Zen-Kloster."

Nun erfährt er, dass die Meditation auch für sein jetziges Leben hilfreich sein kann. Über seinen Weg dorthin und die von ihm entwickelte "OOOO + X"-Methode hat Kurth ein Buch geschrieben. Und inzwischen steht er auch wieder als Curse auf der Bühne – zufriedener als vor zehn Jahren.

Entwicklung "bis zur allerletzten Sekunde"

Gerade arbeitet der Musiker im Studio an einer neuen Platte, er schreibt an seinem nächsten Buch und gibt weiter einen wöchentlichen Coaching-Podcast heraus. "Es wird nicht langweilig", sagt Curse. Und auch die persönliche Entwicklung gehe glücklicherweise immer weiter:

"Es ist ja nie zu Ende. Es ist nie so, dass man sagt: So, jetzt habe ich einen Punkt erreicht und hier ist das Ende meiner Entwicklung, sondern ich glaube, das geht bis zur allerletzten Sekunde immer weiter. Und das ist eigentlich auch schön."

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