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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.08.2020

Der neue Duden ist daAnglizismen, gendergerechte Sprache und Veraltetes

Kathrin Kunkel-Razum im Gespräch mit Dieter Kassel

Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Duden-Redaktion liest in der neuen Ausgabe des Werks.  (picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm)
Der Duden hat Wörter verloren und andere dazu gewonnen. Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum betont, das beruhe nicht allein auf Entscheidungen der Redaktion. (picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm)

Der neue Duden ist so umfangreich wie noch nie. 3000 Wörter sind neu dazugekommen, darunter "Lockdown", "Erklärvideo" oder "Zwinkersmiley". Die Leiterin der Duden-Redaktion, Kathrin Kunkel-Razum, erläutert, wie die Auswahl läuft.

Die deutsche Sprache ist lebendig - deshalb sind in der neuen Ausgabe des Dudens allein 3000 neue Wörter zu finden. Erscheinungstag: der heutige Mittwoch. 300 Begriffe sind rausgeflogen, so beispielsweise die "Kebsehe", die Hochzeit mit einer Leibeigenen. 

"Wir denken uns die Wörter ja nicht aus", sagt die Leiterin der Duden-Redaktion Kathrin Kunkel-Razum. Es kämen Wörter dazu, die in der Sprachpraxis auch benutzt würden. Dafür lege die Redaktion zunächst eine umfangreiche digitale Textsammlung an und wähle nach verschiedenen Kriterien aus, was dann neu aufgenommen werde.  

 Kathrin Kunkel-Razum, Redaktionsleiterin des Duden, liest in der neuen Ausgabe des Duden.  (picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm)Der Duden versteht sich als Ratgeber für die richtige Rechtschreibung. (picture-alliance/dpa/Wolfgang Kumm)

Wer sich durch die 1300 Seiten mit 148.000 Stichwörtern kämpft, entdeckt viele Anglizismen, die seit der letzten Ausgabe 2017 dazu gekommen sind, beispielsweise "oldschool" oder "Uploadfilter". Es handele sich nicht nur um redaktionelle Entscheidungen, sondern sei auch eine Frage der Sprachgemeinschaft, sagt Kunkel-Razum.

Der Umgang mit Anglizismen

Das Herangehen sei in Deutschland ganz anders als beispielsweise in Frankreich oder Spanien, wo sprachpolitisch anders agiert werde und Anglizismen in die Landessprache übertragen würden. Da es beim Duden vor allem um die Rechtschreibung geht, muss die Redaktion auch festlegen, wie englische Wörter dann auf Deutsch geschrieben werden.

Das sei durchaus ein Problem, weil dabei auch rechtliche Fragen eine Rolle spielten, erläutert Kunkel-Razum. "Es handelt sich da um eingetragene Marken." In der Redaktion habe man sich deshalb, auch in Absprache mit Firmen, darauf verständigt, den originalen Markennamen, beispielsweise "WhatsApp" zu verzeichnen, aber auch die eingedeutschte Schreibweise "Whatsapp".

Ratschläge für gendergerechte Sprache

Die Duden-Redaktion widmet sich auf drei Seiten auch der Frage, wie man richtig gendert. "Wir haben das sehr lange diskutiert, weil uns natürlich klar war, dass wir hier auch Kritik bekommen würden", so Kunkel-Razum. Aber es gebe sehr viele Anfragen von Einzelpersonen, Institutionen und Firmen, die ihre Texte inzwischen geschlechtergerecht formulieren wollten und Rat suchten. Der Verein deutsche Sprache habe kritisiert, dass es dabei einen großen Wildwuchs gebe.

"Genau dem versuchen wir eben auch ein bisschen entgegenzuwirken, indem wir zeigen auf diesen drei Seiten im Duden: Diese Möglichkeiten werden im Deutschen aktuell genutzt, um geschlechtergerecht zu formulieren." Nach Wahrnehmung der Duden-Redaktion setze sich derzeit das Gendersternchen am stärksten durch. "Das ist alles nicht in Stein gemeißelt, das muss man ganz klar sagen. Deshalb geben wir auch auf gar keinen Fall Regeln vor – das dürfen wir nicht und das machen wir auch nicht", sagt Kunkel-Razum. Aber die Redaktion wolle den Menschen, die Rat suchten, diesen auch geben.

(gem) 

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