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Interview / Archiv | Beitrag vom 07.07.2016

Der Mythos StierDas Bild vom virilen, kraftvollen Wesen

Florian Werner im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting

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Ein Stier in der Arena (picture alliance / Juano Martin)
Ein Stier in der Arena (picture alliance / Juano Martin)

Der Stier gehört zum festen Personal alter Mythen und Sagen und ist Gegenstand höchst umstrittener Rituale wie dem des spanischen Stierkampfs. In Pamplona beginnt wieder das große Stiertreiben. Höchste Zeit, einmal Bilanz zu ziehen, was Stier, aber auch Kuh für uns Menschen bedeuten.

Seit Zeus in Gestalt eines Stiers die Europa entführte, beflügelt der wilde Stier – gerne schwarz, groß, wild schnaubend – unsere Phantasie. An den isländischen Fußballfans konnten die Fernsehzuschauer gerade die mit Stierhörnern verzierten Wikinger Helme bewundern, und in Spanien tobt unvermindert die Diskussion um das Für und Wider des Stierkampfes und des Stiertreibens – wie gerade wieder in Pamplona. Der Stier gilt offenbar auch heute als Inbegriff der ungezügelten Männlichkeit.

"Das Bild vom virilen, kraftvollen Wesen – das lebt bis heute", sagt der Autor Florian Werner. Vielleicht auch deshalb hat er ein Buch über "Die Kuh. Leben, Werk und Wirkung" geschrieben. Darin beschreibt er vor allem den Nutzen, den die Kuh für uns Menschen hat, aber auch, wie wir es ihr mit Ausbeutung, Misshandlung und massenhafter Tötung in Schlacht-Fabriken an den Rändern der Städte vergelten.

Es erstaunt, dass ausgerechnet der Kuh-Freund Werner sich als Freund von Stierkämpfen outet: 

"Der Prozess der Zivilisation, wie der Soziologe Norbert Elias das genannt hat, besteht maßgeblich darin, dass wir eigentlich das Töten von Tieren nicht mehr sehen."

Bewusst-Werdung der Tierleiden durch den Stierkampf

In Deutschland würden jedes Jahr 3,2 Millionen Rinder geschlachtet, doch geschehe dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In Spanien dagegen würden an die 40.000 Stiere im Jahr im Stierkampf, also öffentlich getötet.

"Wenn wir also den Stierkampf zum Anlass nehmen würden, darüber nachzudenken, über dieses verschwundene, verborgene Leiden der Rinder, dann, glaube ich, hätte er seine Funktion erfüllt." 

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