Das Feature, vom 29.06.2021, 19:15 Uhr

Der Mord an Josip Reihl-Kir am Vorabend des JugoslawienkriegesAuf verlorenem Posten

Von Zoran Solomun

Am 1. Juli 1991 wurde Josip Reihl-Kir, Polizeichef von Slawoniens Hauptstadt Osijek, von kroatischen Extremisten erschossen. Seine Witwe Jadranka arbeitete 17 Jahre daran, seinen Mörder vor Gericht zu bringen.

Josip Reihl-Kir mit seiner Familie (Foto: privat)
Familie Reihl-Kir (Foto: privat)

1991 gab es in Ostslawonien - einer kroatischen Region, die an Serbien angrenzt - nur noch wenige Menschen, die an Frieden glaubten. Die immer häufigeren Provokationen und Konflikte zwischen der kroatischen Mehrheit und der serbischen Minderheit, die Slobodan Miloševićs Kontrolle unterstand, kündigten eine größere bewaffnete Auseinandersetzung an.

Josip Reihl-Kir gehörte weder der einen, noch der anderen nationalen Gruppe an: Sein Vater war Deutscher, Angehöriger der nationalen Minderheit der Donauschwaben. Der Polizist versuchte zwischen kroatischen und serbischen Nationalisten zu schlichten und riskierte dabei bewusst sein Leben. Der Mörder sitzt heute in einem Gefängnis in Zagreb, der Auftraggeber des Mordes jedoch ist nicht nur auf freiem Fuß, sondern war jahrelang Abgeordneter im kroatischen Parlament.

Auf verlorenem Posten
Der Mord an Josip Reihl-Kir am Vorabend des Jugoslawienkrieges
Von Zoran Solomun

Regie: Thomas Wolfertz
Redaktion: Wolfgang Schiller
Produktion: Deutschlandfunk 2021

Zoran Solomun, geboren 1953 in Pula, damals Jugoslawien, heute Kroatien, ist Filmemacher und Feature-Autor. U. a.: ‚Kosovo Highway – Wie eine EU-Mission Korruption ignorierte’ (WDR 2018) und ‚Das Plenum von Tuzla’ (DLF 2015).

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