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Interview | Beitrag vom 16.07.2019

Der Mensch und der MondDie Geschichte einer Entzauberung

Bernd Brunner im Gespräch mit Julius Stucke

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Silhouetten von Menschen die durch Teleskope in den Nachthimmel blicken. (imago / Science Photo Library / Mark Garlick)
Mit der Erfindung des Teleskops fing die Entzauberung des Mondes an, meint Bernd Brunner. (imago / Science Photo Library / Mark Garlick)

Die Romantik hat unser Bild vom Mond stark geprägt. Noch heute schreiben viele Menschen dem Mond wundersame Kräfte zu. Doch im Grunde ist die Geschichte der Beziehung von Mensch und Mond eine der Entzauberung, meint der Autor Bernd Brunner.

Das Ding bewegt sich, ändert die Form und dann sitzt manchmal noch ein Mann drin: Jahrhundertelang gab der Mond den Menschen Rätsel auf. Inzwischen ist der menschliche Blick auf den Mond nüchterner geworden. Nicht nur, aber auch wegen der Mondlandung 1969.

"Ich würde eigentlich so weit gehen, dass diese Entzauberung schon mit der Erfindung des Teleskops angefangen hat", sagt Bernd Brunner, Autor des Buches "Mond und Mensch. Die Geschichte einer besonderen Beziehung". "Da hat man dann immer mehr erkannt, die Teleskope wurden immer besser. Dann kam irgendwann im 19. Jahrhundert noch die Fotografie dazu."

Das Apollo-Programm gipfelte in der Mondlandung 1969. Wäre jedoch ein anderer Plan in die Tat umgesetzt worden, wäre es vielleicht nie dazu gekommen:

"Ende der 50er-Jahre, da hatten die Amerikaner und wohl auch die Sowjets diese Idee, dass sie den Mond mit einer Atombombe bombardieren", sagt Brunner. "Was jetzt nicht heißt, dass man ihn dadurch zerstört hätte, aber man wollte sozusagen ein weithin sichtbares Zeichen setzen, als Zeichen für die militärische Überlegenheit."

Eine Atombombe auf den Mond

Einige Details dieses "völlig absurden" Projekts gerieten um das Jahr 2000 an die Öffentlichkeit: Eine Rakete sollte eine Atombombe auf die dunkle Seite des Mondes transportieren und dort zur Explosion bringen. Die daraus resultierende Staubwolke wäre durch die Sonne angestrahlt worden - eine groteske Lichtshow, die man bis zur Erde hätte sehen können. "Man kann nur sagen: Gott sei Dank wurde das nicht gemacht. Man weiß auch gar nicht, ob es überhaupt diese Lichtwirkung gehabt hätte", sagt Brunner. "Das steht auch völlig in den Sternen."

(uko)

Bernd Brunner: "Mond und Mensch. Die Geschichte einer besonderen Beziehung"
AT-Verlag, vollständig überarbeitete Neuauflage 2019
176 Seiten, 25 Euro.

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