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Lesart / Archiv | Beitrag vom 08.12.2017

"Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen"Auf der Suche nach der verlorenen Freundin

Verschenkt von Anne Kohlick, Senderedaketeurin in der Lesart

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Nina Bußmanns Roman "Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen" erzählt eine Geschichte vom Verschwinden und von Freundschaft. (Suhrkamp Verlag)
Nina Bußmanns Roman: "Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen" (Suhrkamp Verlag)

Die junge Seismologin Nelly ist während ihrer Feldforschungen in Nicaragua verschwunden. Die Ich-Erzählerin, eine Freundin von Nelly, macht sich auf die Suche nach ihr. Mit einer ganz eigenen Poesie erzählt Nina Bußmann eine Geschichte des Verschwindens und der Freundschaft.

Worum geht's?

Ich werde zu Weihnachten den neuen Roman von Nina Bußmann verschenken. Der hat einen rekordverdächtig langen Titel "Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen". Es geht darin um eine junge Frau, die verschwunden ist. Nelly ist Wissenschaftlerin, genau genommen Seismologin und was für ihre Feldforschung monatelang in Nicaragua unterwegs. Das letzte, was man von ihr weiß: Sie wollte mit einem kleinen Flugzeug auf eine Insel fliegen. Aber anscheinend ist sie das nie angekommen. Die Ich-Erzählerin, das ist eine Freundin von Nelly, eine Soziologin, die in Deutschland gerade mit ihrer Promotion fertig geworden ist und gerade gar nicht weiß, wohin mit sich und ihrem Leben. Und deshalb macht sie sich auf die Suche nach ihrer verschollenen Freundin, denn sie ist überzeugt: Wer verschwindet, der will gesucht werden.

Was ist das Besondere?

An dem Buch hat mich einerseits die Geschichte gereizt, das Verschwinden in einem fernen Land und die Geschichte der Freundschaft zwischen Nelly und der Ich-Erzählerin, von der man peu à peu immer mehr erfährt. Spannend ist auch die Leerstelle, die Nelly hinterlässt und diese völlig planlose Suche, auf die sich die Ich-Erzählerin begibt und in der sie sich tatsächlich immer mehr selbst verliert.

Andererseits hat mich die Sprache von Nina Bußmann begeistert. Die hat eine ganz eigene Poesie und das sind sprachliche Bilder, die ich so noch nie gehört habe. Zum Beispiel, wie sie einen Flug über den Atlantik beschreibt, nämlich als "in einem gelöteten Apparat aus Blech durch die Troposphäre zu jagen".

Wem wollen Sie es denn schenken – und warum?

Ich werde diesen Roman dem Vater von meinem Freund schenken. Er ist pensionierter Lehrer, hat früher Deutsch unterrichtet und interessiert sich sehr für Literatur. Und ich bin gespannt, wie ihm diese besondere Sprache von Nina Bußmann gefällt und wie er diese Erzählstruktur findet, die doch was ganz Spezielles ist, so verworren und bruchstückhaft wie das Buch ist.

Nina Bußmann: Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2017
329 Seiten, 22 Euro

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