Seit 05:05 Uhr Studio 9
Freitag, 23.10.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Stunde 1 Labor | Beitrag vom 14.06.2020

Der Maler Felix Becker, Folge 2Und dann kam Corona...

Von Susanne Burg und Thorsten Jantschek

Beitrag hören
Blick in eine Galerie. Im Vordergrund Gäste, im Hintergrungd drei Personen in einer Gesprächsrunde. (Deutschlandradio / Thorsten Jantschek)
Felix Becker (Deutschlandradio / Thorsten Jantschek)

Ein Jahr im Leben des jungen Künstlers Felix Becker: Erste Schritte in den Kunstmarkt sind getan, er steht vor dem Abschluss des Studiums und vor dem Sprung ins Künstlerdasein. Dann kam Covid-19 und alles änderte sich. Teil 2 der Langzeitbeobachtung des Malers.

Eigentlich lief alles wie am Schnürchen: Noch im Studium, und schon eine Galerie, Ausstellungen, Verkäufe, Messeteilnahmen - der ganz normale Kunstbetrieb. Fast. Der Maler Felix Becker, den wir seit 2018 bei seinem Weg ins Künstlerleben begleiten, wollte in diesem Jahr endgültig sein Studium abschließen. "Irgendwann ist es auch gut mit Studentsein", sagte er.

"Dieser Studentenstatus ist merkwürdig, wie so ein Muff, und den muss ich jetzt irgendwie mal loswerden." Fast alles war geplant für den legendären "Rundgang", den die Berliner Universität der Künste jedes Jahr veranstaltet, in dem die Ateliers für das Publikum ein Wochenende offen stehen und Studierende ihre Arbeiten zeigen und die Abschlussklassen nur darauf warten, dass die Top-Galerien und Kuratoren bei ihnen anklopfen.

Felix Becker wollte einer von den Absolventen sein. Doch dann waren die Ateliers an der Hochschule dicht, der "Rundgang" wurde zunächst abgesagt. Fast alle Absolventen verschieben ihren Studienabschluss um ein Jahr, erzählt uns Beckers Professorin Valery Favre, selbst eine bekannte Malerin. Auch Felix Becker wird erst 2021 sein Studium abschließen. "Unerbittlich", so nennt Favre ihren Studenten, wenn es um die Lösung ästhetischer Fragen geht. In seiner künstlerischen Entwicklung sei er schon sehr weit, weil er bereit ist, sehr reflektiert und mutig Entscheidungen zu treffen. Monate lang male er an einem Bild, das habe ihr gefallen. Und als es darum ging, ob er die ersten Schritte in den Kunstmarkt gehen soll, erinnert sich die Künstlerin an ein besonders intensives Gespräch. Sie habe ihm zugeraten: "Es ist wichtig, dass er sich entwickelt. Man kann nicht sagen: 'Ich nehme diesen Zug nicht und warte an der Haltestelle auf den nächsten Zug', denn es kann sein, dass dann keiner mehr kommt." Felix Becker ist längst auf den Zug aufgesprungen.

Hohe Erwartungen von Förderinnen und Förderern

"Mein Ziel ist es", so sagt uns der Maler, "dass die Kunst mein Leben trägt." Und das ist durchaus auch ökonomisch gemeint. Er hat das Glück, in Guido Maus, der seine Galerie in Birmingham, Alabama (USA) betreibt, bereits einen Galeristen zu haben, der ihn auf Messen zeigt und übrigens auch ziemlich gut verkauft.

Im September 2019 war Felix Becker in einer Gruppenausstellung in Frankfurt am Main zu sehen. Galeristin Heike Strelow kennt Felix Becker schon aus der Zeit, als er noch gar nicht Kunst studierte, sondern in ihrer Galerie gejobbt hat. Die Ausstellung läuft gut, auch für Felix Becker. Frankfurter Sammler interessieren sich für den jungen Maler. Zwar kann sich Heike Strelow vorstellen, weiterhin mit Felix Becker zusammenzuarbeiten, aber – das gehört für sie zu einer nachhaltigen Entwicklung eines Kunstmarktneulings – erstmal solle er sein Studium abschließen. "Wenn der Felix so weiter macht und in seiner Besonnenheit seine Schritte geht, dann wird er einer der wichtigen deutschen Künstler sein. Und zwar nicht nur, was diesen Markt anbelangt, sondern vor allem, was seine Inhalte anbelangt. Und dadurch wird er auch nachhaltig von Bedeutung werden."

"Habe mich schon Spargel stechen sehen"

Bis es so weit ist, hatte sich Felix Becker rechtzeitig vor Corona einen Perspektiv-Wechsel gegönnt und ist für ein halbes Jahr nach Marseille gegangen an die École des Beaux-Arts. Hier nimmt er sich Zeit, überprüft seine Malerei, die zuletzt sehr flächig geworden sei, die Oberflächen immer glatter. "Und hier bin ich wieder ein bisschen rauher und für meine Verhältnisse unordentlicher geworden." So kehren zeichnerische Elemente in seine oft monochrom wirkende Malerei zurück, die vom Auftrag unzähliger Farbschichten lebt. Es ist ein entschleunigter Künstler, den man in Marseille erleben konnte, einer der sich beständig selbst hinterfragt und nicht ahnen konnte, in welche Situation er Mitte März dieses Jahres wiederkehren würde.

Der Lockdown hat nicht nur den Studenten Felix Becker erwischt, sondern den Kunstmarkt, an dem er zuletzt nicht so schlecht verdient hatte. "Und da habe ich zuerst dann gedacht: 'Kunst machen in Zukunft? - Das wird mein Hobby sein. Davon kann ich nicht mehr leben.' Da habe ich mich schon Spargel stechen sehen." Ganz so ist es nicht gekommen. Schon jetzt steckt wieder in neuen Projekten. Wir werden ihn weiter begleiten und sehen, ob sich seine Hoffnungen erfüllen oder nicht. Ausgang: offen.

Susanne Burg mit Felix Becker vor einem Werk bei der Präsentation der künstlerischen Arbeiten. (Deutschlandradio/ Thorsten Jantschek)Susanne Burg im Gespräch mit Felix Becker (Deutschlandradio/ Thorsten Jantschek)Der Maler Felix Becker – Folge 1
Porträt des Künstlers als junger Student

Die erste Folge einer Langzeitstudie.




Mehr zum Thema

Ausstellung "Der optimierte Mensch" in Leipzig - Perfektionierung bis zum Scheitern
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 13.12.2019)

Malerin Rosa Loy - "Ein Bild braucht Pflege wie ein Garten"
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 23.09.2019)

Maler Arno Rink gestorben - "Eine unglaublich sinnliche Malerei"
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 06.09.2017)

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur