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Lesart / Archiv | Beitrag vom 22.08.2017

Der lyrische TageskommentarIch bin dann mal weg

Von Lene Morgenstern

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Besucher beobachten die Sonnenfinsternis im US-Bundesstaat Oregon. (AFP)
Besucher beobachten die Sonnenfinsternis im US-Bundesstaat Oregon. (AFP)

Die Sonne verfinstert - und alle wollen es sehen. Das war das große Thema gestern in den USA, und Europa blickte fasziniert und ein wenig neidisch zu. Dazu ein lyrischer Kommentar von Lene Morgenstern.

Seit Kopernikus wisst ihr davon

ihr seid flying

durch den Weltraum.

Es fliegt das Planetensystem

seit dem Big Bang Klingeling

elliptisch um mein Licht herum.

Doch nimmt man mich nur selten wahr

man schätzt nun mal gering

was immerzu tagtäglich da. Darum

bin ich jetzt weg.

Im Dunkeln seht ihr nichts. Absolutely nothing!

Ihr: Würmling! Ich: Beleuchtungzentrum!

Alles dreht sich ganz um mich

die Planeten, die Nasa, sämtliches Talking

und zudem nun auch der Profit und der Konsum.

Man verkauft jetzt selbst die Finsternis

Business ist der King

es braucht kein Licht und keine Weitsicht und auch kein Visum.

Ich mache dann mal dunkel

so you can’t see anything

about US-America. Das freut doch, dideldum.

Und danach komm ich wieder

ich werde weiter shining

und meine Wärme spenden, ich mach das gratis bis zum

Tag, an dem ich nochmals gehe

ich werd mich dann uninstalling

am Himmel über Deutschland an folgendem Datum:

2081 werd ich dort finster werden und wenn ihr Fuzzis weiter Faxen macht

dort unten auf der Erden

dann gibts The Final Countdown mit Feuer und BUMM!-Banging.

Kurzum

fackle ich dann alles ab oder ziehe den Stecker

es ist fünf vor Apocalypse und das war der Wecker.

 

Sie hören den lyrischen Tageskommentar von den Poetry Slammern Lene Morgenstern und Dominik Erhard im Rahmen des Lyriksommers dienstags und freitags in der "Lesart" - oder online.

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