Der letzte Meister des Schaschmaqam
Ari Babakhanov ist der letzte Kenner und virtuose Interpret einer bisher kaum erforschten islamischen Musiktradition, des Bucharischen Schaschmaqam. Das sind sehr alte Lieder, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und zu Sowjetzeiten verboten waren. Seit vier Jahren lebt der jüdische Musiker aus Usbekistan mit seiner Familie in Leipzig.
Es ist ein Nachmittag mittelasiatischer Hitze. Der Treffpunkt eine Galerie im Leipziger Musikerviertel. Der schlanke, hoch gewachsene 72-jährige Ari Babakhanov kommt mit seiner Tochter zum Interview. In der linken Hand die Dutar, in der rechten die Rubab, beides mittelasiatische Langhalslauten aus dem Holz des Maulbeerbaumes. Instrumente, die er vor vier Jahren nach Deutschland mitgebracht hat.
Diese usbekische Volksmelodie heißt Gelos, die Kirsche, und entführt in eine andere Klangwelt. Eine Welt, in der Ari Babakhanov als letzter Spross einer berühmen jüdischen Musikerfamilie die Kunst des Schaschmaqam erlernt hat.
Ari Babakhanov: "Seit meiner Kindheit liebe ich die Musik, mein Vater war Sänger und mein Großvater war auch Sänger. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der alle immer gesungen haben. Ich hatte aber keine Stimme, deshalb fing ich an, ein Instrument zu spielen. Ich lernte in einer Musikschule ohne Noten, nur nach dem Gehör. Erst später begannen wir auch nach Noten zu spielen."
Nach dem Konservatorium in Samarkand ist Ari Basbakhanov in seine Heimatstadt Buchara zurückgegangen und hat dort als Lehrer und Musiker gearbeitet. Er spielte Bach, Liszt, Schostakowitsch, aber immer auch die hoch komplizierte und emotionale Musiken aus dem vor Jahrhunderten entstandenen Schaschmaqam-Zyklus, wie er mit einem wissenden Lächeln in den Augen erklärt.
Ari Babakhanov: "Schaschmaqam, das sind sehr, sehr alte Melodien, man sagt, dass sie bereits zu Zeiten von Zarathustra existiert haben. Sie wurden von Generation zu Generation nur mündlich überliefert. In der Sowjetunion hat man uns verboten, unsere eigene Musik zu spielen. Das entsprach nicht der Ideologie der Kommunisten. Erst in den Neunzigern begannen sich die Menschen wieder mit der alten Musik zu beschäftigen."
Zu Sowjetzeiten wurde der Schaschmaqam nur heimlich gespielt, meist auf Hochzeiten. Die Leute hatten Angst die uralten Lieder in der Öffentlichkeit zu singen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wollte Ari Babakhanov diese Musik in die neue Zeit retten. Er gründete in Buchara ein Schaschmaqam Ensemble und begann die Melodien aufzuschreiben, damit sie für kommende Generationen erhalten bleiben.
Ari Babakhanov: "Meine Schüler liebten den Schaschmaqam, das ist so eine Melodie, durch die der Mensch Freude zum Ausdruck bringt und weint. Da gab es nichts Leichtes. Das ist professionelle Musik. Tag und Nacht haben wir geübt, denn sie ist sehr schwer zu erlernen. Die Rhythmik ist sehr schwer, sie hat viele Facetten, das war eine schwere Aufgabe."
Mittlerweile hat Ari Babakhanov ein Manuskript erarbeitet, das er mit der Berliner Musikwissenschaftlerin Angelika Jung im Rahmen eines Forschungsprojektes zu den Schaschmaqam Traditionen Usbekistans veröffentlichen möchte. Es gibt keinen besseren Zeugen für diese Musik als Ari Babakhanov. Er ist als Kind in diese muslimische Musiktradition hineingewachsen und kann sich an viele Details der Aufführungspraxis sehr genau erinnern. Obwohl sein Vater, der Sänger Moshe Babakhanov, nie wollte, dass auch der Sohn seinen Lebensunterhalt mit Musik verdient.
Ari Babakhanov: "Er wollte nicht, dass wir Musiker werden, denn es ist sehr schwer als Musiker Geld damit zu verdienen. Arm zu sein. Und auch mein Großvater wollte es nicht, dass sein Sohn Sänger wird. Aber die Liebe zur Musik, zum Schaschmaqam brachte uns dazu, dass wir Musiker wurden."
Doch Ari Babakhanov wurde wie schon sein Großvater, der legendäre Sänger Levi Babakhan, Schaschmaqam-Musiker. Levi Babakhan spielte lange nur am Hofe des letzten Emirs von Buchara in Mittelasien.
Ari Babakhanov: "Der Emir liebte den Großvater und den Schaschmaqam: Er zahlte für die Lieder und hatte als einziger das Recht diese Musik zu hören. Für das einfache Volk durfte mein Großvater nicht singen, denn er war das Eigentum des Emirs."
1926 wurde Levi Barbakhan vom sowjetischen Geheimdienst ermordet, die Familie konnte nur ein Passfoto über die Zeiten retten. Für Ari Babakhanov sind Fotografien längst nicht so wichtig wie die Musik, die er von seinem Großvater geerbt hat.
Diese usbekische Volksmelodie heißt Gelos, die Kirsche, und entführt in eine andere Klangwelt. Eine Welt, in der Ari Babakhanov als letzter Spross einer berühmen jüdischen Musikerfamilie die Kunst des Schaschmaqam erlernt hat.
Ari Babakhanov: "Seit meiner Kindheit liebe ich die Musik, mein Vater war Sänger und mein Großvater war auch Sänger. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der alle immer gesungen haben. Ich hatte aber keine Stimme, deshalb fing ich an, ein Instrument zu spielen. Ich lernte in einer Musikschule ohne Noten, nur nach dem Gehör. Erst später begannen wir auch nach Noten zu spielen."
Nach dem Konservatorium in Samarkand ist Ari Basbakhanov in seine Heimatstadt Buchara zurückgegangen und hat dort als Lehrer und Musiker gearbeitet. Er spielte Bach, Liszt, Schostakowitsch, aber immer auch die hoch komplizierte und emotionale Musiken aus dem vor Jahrhunderten entstandenen Schaschmaqam-Zyklus, wie er mit einem wissenden Lächeln in den Augen erklärt.
Ari Babakhanov: "Schaschmaqam, das sind sehr, sehr alte Melodien, man sagt, dass sie bereits zu Zeiten von Zarathustra existiert haben. Sie wurden von Generation zu Generation nur mündlich überliefert. In der Sowjetunion hat man uns verboten, unsere eigene Musik zu spielen. Das entsprach nicht der Ideologie der Kommunisten. Erst in den Neunzigern begannen sich die Menschen wieder mit der alten Musik zu beschäftigen."
Zu Sowjetzeiten wurde der Schaschmaqam nur heimlich gespielt, meist auf Hochzeiten. Die Leute hatten Angst die uralten Lieder in der Öffentlichkeit zu singen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wollte Ari Babakhanov diese Musik in die neue Zeit retten. Er gründete in Buchara ein Schaschmaqam Ensemble und begann die Melodien aufzuschreiben, damit sie für kommende Generationen erhalten bleiben.
Ari Babakhanov: "Meine Schüler liebten den Schaschmaqam, das ist so eine Melodie, durch die der Mensch Freude zum Ausdruck bringt und weint. Da gab es nichts Leichtes. Das ist professionelle Musik. Tag und Nacht haben wir geübt, denn sie ist sehr schwer zu erlernen. Die Rhythmik ist sehr schwer, sie hat viele Facetten, das war eine schwere Aufgabe."
Mittlerweile hat Ari Babakhanov ein Manuskript erarbeitet, das er mit der Berliner Musikwissenschaftlerin Angelika Jung im Rahmen eines Forschungsprojektes zu den Schaschmaqam Traditionen Usbekistans veröffentlichen möchte. Es gibt keinen besseren Zeugen für diese Musik als Ari Babakhanov. Er ist als Kind in diese muslimische Musiktradition hineingewachsen und kann sich an viele Details der Aufführungspraxis sehr genau erinnern. Obwohl sein Vater, der Sänger Moshe Babakhanov, nie wollte, dass auch der Sohn seinen Lebensunterhalt mit Musik verdient.
Ari Babakhanov: "Er wollte nicht, dass wir Musiker werden, denn es ist sehr schwer als Musiker Geld damit zu verdienen. Arm zu sein. Und auch mein Großvater wollte es nicht, dass sein Sohn Sänger wird. Aber die Liebe zur Musik, zum Schaschmaqam brachte uns dazu, dass wir Musiker wurden."
Doch Ari Babakhanov wurde wie schon sein Großvater, der legendäre Sänger Levi Babakhan, Schaschmaqam-Musiker. Levi Babakhan spielte lange nur am Hofe des letzten Emirs von Buchara in Mittelasien.
Ari Babakhanov: "Der Emir liebte den Großvater und den Schaschmaqam: Er zahlte für die Lieder und hatte als einziger das Recht diese Musik zu hören. Für das einfache Volk durfte mein Großvater nicht singen, denn er war das Eigentum des Emirs."
1926 wurde Levi Barbakhan vom sowjetischen Geheimdienst ermordet, die Familie konnte nur ein Passfoto über die Zeiten retten. Für Ari Babakhanov sind Fotografien längst nicht so wichtig wie die Musik, die er von seinem Großvater geerbt hat.