Seit 01:05 Uhr Diskurs
Sonntag, 11.04.2021
 
Seit 01:05 Uhr Diskurs

Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.02.2008

Der Kurzfilm im Fokus

Auf der Berlinale werden die ersten Bären vergeben

Von Susanne Burg

Podcast abonnieren
Zum zweiten Mal auf der Berlinale: der Kurzfilmwettbewerb.  (AP)
Zum zweiten Mal auf der Berlinale: der Kurzfilmwettbewerb. (AP)

Dank Internet und Handy boomen die Kurzfilme. Darum gibt es zum zweiten Mal auf der Berlinale für dieses Genre eine eigene Sektion. Dabei zählt zum Kurzfilm alles, was unter einer Länge von 25 Minuten liegt. Der deutsche Beitrag "Reise zum Wald" zeigt Bäume in allen Varianten. Die Kurzfilmjury entscheidet nun über die interessantesten Wettbewerbsfilme.

Es ist gerade mal Halbzeit auf der Berlinale und schon werden die ersten Bären verliehen.

Maike Mia Höhne: " Wir haben die Preisverleihung nach vorne gezogen, weil die anders als die Langfilmer mit einem Goldenen Bär in der Tasche das nutzen können für sich, hier die drei, vier Tage des Festivals mit den Bären in der Tasche einfach noch mal wen zu treffen. Das ist super. "

… sagt die Kuratorin der Reihe Berlinale Shorts, Maike Mia Höhne. Und die Preisträger können Kontakte gebrauchen. Denn kommerziell bleibt es schwierig für den Kurzfilm – auch wenn Kulturstaatsminister Bernd Neumann immer wieder erklärt hat, er wolle die kürzere Form zurück ins Kino holen.

Aber immerhin: Internet, Handy und Kunstszene sei Dank boomt das Genre zumindest künstlerisch und zeigt auch auf der Berlinale einmal mehr: Der Kurzfilm ist mehr als ein Einstieg in den Spielfilm. Er ist ein sehr eigenes Genre.

Jörn Stäger hat den einzigen deutschen Beitrag im Kurzfilmwettbewerb geschaffen: "Reise zum Wald". Sieben Minuten lang: Bilder von Bäumen in allen Variationen, manchmal rasant, manchmal elegisch montiert: Bäume in Betonkübeln, Alleebäume, Miniatur-Nachbauten. Bäume gestutzt, gerodet, gewässert. Über allem schwebt die kontrollierende Hand des Menschen.

Stäger: " Es geht eigentlich darum, wie sieht die Landschaft aus, die der Mensch geschaffen hat. 30 Prozent Deutschlands sind bewaldet, aber wir leben in einer Kulturlandschaft, das heißt, die ist über Jahrhunderte, Jahrtausende immer wieder umgeformt worden von Menschen. Die Wälder, die wir heute sehen, sind von Menschen geschaffen, gepflanzt worden. "

Wie viele Kurzfilmer experimentiert auch der Ire David O’Reilly ästhetisch und schafft ein wildes Animationsspektaktel. Dokumentation und Fiktion, Animation und Experiment – die Genres variieren. Aber eines schaffen alle: Konzentriert erzählen sie eine Geschichte, ohne dabei jedoch zu große Lücken zu lassen.

Höhne: " In der Auswahl war das ganz oft so: keine Lösung ist auch ne Lösung und schnell weg. Wo ich sage: Nee, deswegen bist du Filmemacher? Du wirfst'n Thema auf, du stellst dich dem, und dann sag mir, warum! Und dann kann der Protagonist immer noch abhauen. Das ist okay! Aber ich will wissen, wo der lang läuft. "

Der rumänische Zehnminüter "Ein Guter Tag zum Schwimmen" erreicht genau das: Er schafft einen emotionalen und erzählerischen Bogen und gibt gleichzeitig noch den Zustand eines Landes wieder: Drei jugendliche Straftäter sind aus dem Gefängnis ausgebrochen, unternehmen eine Reise zum Strand und kidnappen dabei einen Mann und eine Frau.

Höhne: " Das, was der Film zeigt: dass es irrelevant ist, jemanden zu vergewaltigen oder umzubringen. Darum geht’s schon gar nicht mehr. Es geht um die Suche nach den Eltern, die nicht da sind. (…) Rumänien ist ganz stark, ganz tolle, ganz viele Filme, die haben eine Dringlichkeit zu erzählen und eben nicht nur über die erste Liebe, die auch Thema ist, aber darüber hinaus gibt es ganz viel, ganz spannende Themen. "

Osteuropa ist stark in diesem Jahr. In wenigen Stunden wird sich zeigen, ob das auch die Kurzfilmjury so sieht.

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDie neue Dankesgeschwätzigkeit
Ein bunter Rosenstrauß (picture alliance/dpa/ Hinrich Bäsemann)

Gegen Danksagungen an sich ist nichts einzuwenden. In der Literatur jedoch, findet die "Welt", haben sie sich verselbständigt, zu devoter Prosa. Seitenweise werde da ausgebreitet, was dem Autor nach Verlassen der Kita half, das Werk zu vollenden.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur