Freistil, vom 13.05.2012

Von Florian Felix Weyh

Natürlich gibt es ihn nicht mehr, den Kulturfunktionär. Als Teil des Staatskunstbetriebes der DDR ist er 1989 untergegangen. Aber irgendjemand muss auch in der Demokratie seine Arbeit erledigen, pro Jahr 8 Milliarden Euro Subventionen unters Volk bringen oder als Verbandslobbyist die Interessen von Eigenbrötlern vertreten.

Also gibt es ihn doch, den Kulturfunktionär. Er wirkt als städtischer Angestellter oder Geschäftsführer einer Organisation oder steht einem Verein ehrenamtlich vor.

Nur mag er es nicht, wenn man ihn so nennt, 'Kulturfunktionär' - wie klingt das denn?

Nach geistiger Enge, Bürokratie und Gängelei. Er ist ein scheues Wesen und wittert hinter jeder zweiten Frage eine Anschuldigung: Behaupten die Künstler nicht, er verzehre mit seinem fixen Gehalt Gelder, die sie viel produktiver verwenden würden? Ein Spannungsfeld. Ein spannendes Feld. Am Ende beneidet der Künstler den Funktionär und der Funktionär den Künstler.

Dabei können sie ohneeinander gar nicht sein, denn der Kulturfunktionär versöhnt die Kultur mit der Verwaltung. Zumindest versucht er es.


Regie: Rita Höhne
DLF 2008