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Interpretationen | Beitrag vom 18.11.2018

Der Komponist Andrea GabrieliFür San Marco und den Rest der Welt

Gast: Manfred Cordes, Dirigent und Musikwissenschaftler; Moderation: Bettina Schmidt

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Blick auf Venedig (Unsplash / Riccardo Chiarini)
Blick auf den Markusplatz in Venedig: Die "Serenissima" war auch eine musikalische Weltmetropole (Unsplash / Riccardo Chiarini)

Venedig gehört zu den Hauptstädten in der Geschichte der europäischen Kunstmusik. Meister wie Claudio Monteverdi oder Antonio Vivaldi haben hier gewirkt. Nicht ganz so berühmt wurde der seinerzeit einflussreiche Andrea Gabrieli – ein Komponist ist neu zu entdecken.

Nach byzantinischem Muster erbaut, ist die Innenarchitektur des Markusdomes von Venedig so überwältigend wie überladen. Jedoch zielte alles darauf ab, den Chor hinter der Apsis als intimes Zentrum des Glaubens zu installieren. Der Doge als politisches Oberhaupt war in seiner (öffentlichen) Privatkapelle der Mittelpunkt aller Aktionen, auch in den musikalischen Anteilen.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Musik als Abbild des Kosmos

Quasi stereophon (mit dem Dogen als Kreuzungspunkt und Zentrum) waren die beiden Orgeln rechts und links der Apsis angeordnet. Sie musizierten sowohl im Wechselspiel als auch zusammen und sind wohl der Ausgangspunkt für die Mehrchörigkeit, die sich in San Marco zu einem eigenen, revolutionären Stil entwickelte.

Der Kosmos, den man damals mehr und mehr nach modernen Ansichten ordnete, wie auch die Erde, die um das Jahr 1500 immer weiter erforscht und somit "rund" wurde – all das fand klanglichen Widerhall in einer Musik, die oben und unten, links und rechts als eine Einheit verstand.

Zum Raum wird hier der Klang

Der Mehrchörigkeit, die vom Markusdom aus Europa eroberte, wohnt ein universales Verständnis inne, sie ist ein zum Klang gewordener Raum. Einer ihrer ersten wichtigen Protagonisten war Andrea Gabrieli (ca. 1532-1585), Organist von San Marco. Auf sein großes Œuvre bauten nachfolgende Generationen auf, angefangen von seinem Neffen Giovanni Gabrieli bis hin zu Heinrich Schütz – der zwei Mal nach Venedig reiste – und Johann Sebastian Bach. Dennoch ist Andrea Gabrielis Musik in unserer heutigen Zeit schwer wiederzugeben, braucht sie doch Instrumente, die dem damaligen Klang entsprechen, und ein Wissen um damalige Aufführungsgepflogenheiten. Manfred Cordes besitzt als Gründer und Leiter des Ensembles "Weser-Renaissance Bremen" jenes Wissen und ebenso die musikalische Erfahrung, die Spreu vom Weizen zu trennen…

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