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Profil / Archiv | Beitrag vom 19.02.2007

"Der junge Autor ist die einzige Investition, die sich lohnt"

Johannes Frank und sein Magazin "Belletristik"

Von Stephanie von Oppen

Füllfederhalter auf Notizblock (Stock.XCHNG / Christy Thompson)
Füllfederhalter auf Notizblock (Stock.XCHNG / Christy Thompson)

"Belletristik" heißt das noch junge Literaturmagazin, in dem zumeist noch weitgehend unbekannte Autoren publizieren. Gegründet und verlegt wird die Zeitschrift von Johannes Frank, Sprössling einer Theologenfamilie und selbst noch Student der Theologie und der Anglistik.

"Der junge Autor ist die einzige Investition, in die es sich wirklich lohnt Energie, Zeit und Geld rein zustecken, weil wir nur von den jungen Autoren profitieren können und nicht mehr von den Alten weil ihnen der Verve fehlt."

Johannes Frank, selber gerade mal 24 Jahre alt, stopft seine Pfeife und lehnt sich auf seinem Stuhl zurück. Beiger Pulli, unter dem sich ein kleiner Bauch wölbt, darüber ein Jackett. Johannes Frank ist nicht groß, trägt die dunklen Haare zur Seite gescheitelt, er hat schalkhafte braune Augen und ein dröhnendes Lachen. Johannes Frank ist Verleger und Student der Anglistik und Theologie. Letztere hat Tradition in seiner Familie. Sein Vater ist Professor für systematische Theologie, die Mutter promovierte Theologin.

"Ich habe nicht die Bücher morgens auf dem Küchentisch vorgefunden mit einer kleinen Notiz: Lieber Johannes, dieses unbedingt zu lesen, es wird dein Leben bereichern, viele Grüße, Mama. Sondern es war ganz klar, wenn Du das willst musst Du das selber machen und auch mit einem gewissen Anspruch."

Ein gewisser Anspruch, den Johannes Frank in der Schule offensichtlich nicht angetroffen hat. Statt im Unterricht zu sitzen, verbrachte er seine Zeit mit seinem damals besten Freund, einem Pianisten.

"Ich erlebte das meiste an Lernen in gemeinsam gestalteten Fehlstunden, ob ich mit ihm in meiner Wohnung nur rumsaß und er mir über klassische Musik erzählte oder ob wir gemeinsam zum Wasser gefahren sind, das waren die lehrreichsten Sachen für mich in der Schulzeit, glaube ich."

Johannes Frank ist das dritte von vier Geschwisterkindern. Mit dem Ältesten, der mit einem Downsyndrom geboren wurde, teilte Johannes Frank früher das Zimmer. Dort saß der Bruder stundenlang am Tisch und schrieb Bücher ab – alle sieben Bände der Chroniken von Narnia von C.S Lewis.

"Also ich glaube, dass es mich mehr geprägt hat alles vieles sonst, also einfach sehn, dass jemand vor einem Buch sitzt und das nicht nur liest, sondern auch abschreibt. Also seine Liebe zum Wort ist eine Liebe, die nicht verfälscht ist, sondern eine ganz originäre Beziehung zum Wort mir vorgelebt worden durch meinen älteren Bruder, die ich weiterhin anstrebe."

Die erste Ausgabe der Zeitschrift "Belletristik" enthält eine Hommage an diesen Bruder: Auf die Innenseiten des Umschlags hat Johannes Frank die von Hand abgeschriebenen Narnia-Texte kopieren lassen: winzige Druckbuchstaben in engen geraden Zeilen säuberlich aneinander gereiht.
Johannes Frank selber hat bisher zwei Romane verfasst sowie Erzählungen und Essays. Wenn er sie veröffentlicht, dann nur unter Pseudonym. Da er die Texte für seine Zeitschrift oft selber lektoriert, wolle er seinen Autoren keine offene Flanke bieten, sagt er. Gemeinsam mit einem Freund komponiert und textet er auch Musikstücke.

Musik machen, schreiben, einen Verlag gründen, eine Literaturzeitschrift herausgeben – all das nimmt ihn mehr in Anspruch als die Universität. Immerhin hat er dort seine Frau kennen gelernt – in einem Religionspädagogischen Seminar - und gleich geheiratet.

Seine Frau, deren Nachnamen er angenommen hat, bestärkte ihn darin, den Verlag zu gründen, weil sie seine Unzufriedenheit an der Uni nicht mehr ertrug. Für das notwendige Startkapital fuhr Johannes Frank unter anderem Pizzen mit dem Fahrrad aus.

"Da war ich schlank. Ich empfinde diese Nummer auch jetzt noch als eine große Bereicherung und auch als eine Übung in Demut. Wer fünf Stockwerke mit ner Pizza unterm Arm hoch rennen muss, gerade vom Fahrrad gestiegen, der zitiert nicht gleich Schiller."

Alles, was seine Frau und er verdienen, wird in das "Verlagshaus J.Frank" gesteckt. Das Verlagshaus ist ein 20 qm-Zimmer in einer Erdgeschoss-Wohnung, Schreibtischplatte auf Böcken, Laptop, abgewetztes Ledersofa, Bücherregale, auffallend ordentlich – von Papierstapeln auf dem Boden oder überquellenden Aschenbechern keine Spur.

Die ersten drei Hefte von "Belletristik" hätten sich immer besser verkauft, sagt Johannes Frank. Die Auswahl der Texte trifft er mit Hilfe eines Kuratoriums. So genannte Popliteratur lehnt er entschieden ab. Wenig hält er auch von offenen Lesebühnen – zu stümperhaft gehe es da zu, sagt er. Wenn Johannes Frank Lesungen mit seinen Autoren veranstaltet, müssen sie vorher mit einem Schauspieler das Lesen ihrer eigenen Texte üben.

"Das finde ich unglaublich wichtig, dass diese Professionalität auch da ist, weil sich auch nur da Autoren geborgen fühlen können, wo sie gut aufgehoben sind, wo es darum geht eine Entwicklung zu begleiten und eine Entwicklung einzufordern."

Johannes Frank als väterlicher Mentor. Der 24-jährige Verleger saugt genüsslich an seiner Pfeife und lächelt – selbstgewiss, aber auch selbstironisch.

"Wir liefern jetzt und heute die Namen von Morgen, und ich freue mich diebisch auf den Moment, wo sie dann einen Namen haben, und ich hoffe meinen Teil dazu beitragen zu können, dass sie ihn bekommen."

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