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Breitband | Beitrag vom 17.11.2018

Der Journalist in der Popkultur"Spiderman ist wahrscheinlich ein schlechter Journalist"

Tim Ehlers im Gespräch mit Martin Böttcher und Katja Bigalke

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(Tim Ehlers / Katapult)
Clark Kent und sein Alter Ego Superman am Schreibtisch vereint. (Tim Ehlers / Katapult)

Ob Spiderman, Superman oder Citizen Kane - viele Helden aus Krimis, Comics und Filmen sind Journalisten. Insgesamt zeichnete die Popkultur ein "eher positives Bild" von Journalisten, meint Tim Ehlers. Auch wenn deren Alkohol- und Drogenkonsum übertrieben wird.

Wenn Journalisten in Krimis, Comics oder Filmen auftauchen, sind sie entweder unerschrockene Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit. Oder windige Gestalten, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Oder skrupellose Medienmogule.

"Es gibt die verschiedenen Typen wie zum Beispiel den Fotojournalisten, der natürlich einerseits negativ konnotiert ist, wenn er über Leichen geht oder die Privatsphäre nicht einhält, um ein Skandalfoto oder ein Exklusivfoto zu bekommen", sagt Tim Ehlers, Redakteur der Zeitschrift "Katapult". In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift hat er sich in einem Artikel mit dem Image des Journalisten in der Popkultur beschäftigt. "In der Regel wird er aber eher positiv dargestellt, fast wie ein schillernde Figur, also ein couragierter Journalist, der sein Leben aufs Spiel setzt, um Grausamkeiten an die Öffentlichkeit zu bringen."

Der Medienmogul als Hassfigur

Auch Kriegsreporter und investigative Journalisten würden in der Regel positiv dargestellt - im Gegensatz zu Medienmogulen, so Ehlers. "Also, man denkt zum Beispiel an Orson Welles' Citizen Kane."

Orson Welles im Film "Citizen Kane".  (imago/EntertainmentPictures)Orson Welles im Film "Citizen Kane". (imago/EntertainmentPictures)

Typisch für die Darstellung von Journalisten in der Popkultur ist offenbar auch, dass die meisten männlich sind - auch wenn der Frauenanteil mit der Zeit gestiegen ist. In deutschen Romanen seien Journalistinnen allerdings seltener vertreten, als es ihrem Anteil in der Wirklichkeit entspreche, sagt Ehlers. "In amerikanischen Romanen ist es umgekehrt."

40 Prozent der fiktiven Journalisten trinken zu viel

Im Roman griffen die TV-Journalisten auch zu illegitimen Mitteln bzw. nähmen es mit der Wahrheit nicht so genau. "Um die zehn Prozent der Journalisten in den Romanen lassen Fakten oder Informationen weg, verzerren Informationen oder erfinden sogar Inhalte", so der "Katapult"-Redakteur. "Das heißt, es gibt durchaus die Tendenz, dass Fake News thematisiert werden, aber nicht in dem Ausmaß, in dem die öffentliche Debatte gerade stattfindet."

Eine Grafik über Risikoverhalten und Geschlechterverteilung von Journalisten in deutschen und amerikanischen Romanen. (Tim Ehlers / Katapult)Kaffee, Zigaretten, Alkohol - so sieht in Romanen ein Journalistenleben aus. (Tim Ehlers / Katapult)

Stark überzeichnet dürfte auch der Drogenkonsum von Journalisten sein: "In deutschen Romanen zeigt sich, dass fast die Hälfte, also über 40 Prozent der fiktiven Journalisten einen starken Alkoholkonsum verzeichnen können."

"Den" typischen Journalisten, der das Bild dieser Berufsgruppe in der Popkultur geprägt hat, vermag Ehlers nicht zu bestimmen. Aber Spiderman alias der Fotoreporter Peter Parker sei es wohl eher nicht, auch wenn dieser eine äußerst interessante Figur sei. "Spiderman ist ja Superheld und Journalist, und wenn es zu Entscheidungen kommt, soll er jetzt journalistisch handeln oder als Superheld jemandem helfen, wird er sich wahrscheinlich immer für die Rolle des Superhelden entscheiden. Und insofern ist er vielleicht sogar ein schlechter Journalist."

(uko)

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