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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 27.12.2018

Der Jahresrückblick mit Thea Dorn, Hajo Schumacher & Andres Veiel"2018 war das Jahr der keilenden Dünnhäuter"

Moderation: Korbinian Frenzel

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Die sogenannten Gelbwesten protestieren in Frankreich (imago / Omer Messinger)
Die sogenannten Gelbwesten protestieren in Frankreich (imago / Omer Messinger)

Was hat das Jahr 2018 geprägt? Die Schriftstellerin Thea Dorn hat den Typus des "keilenden Dünnhäuters" ausgemacht. Gemeinsam mit dem Regisseur Andres Veiel und dem Publizisten Hajo Schumacher blickt sie zurück auf die großen Debatten des Jahres.

Der Erfolg von "AKK" beim CDU-Parteitag, Brexit, Tellkamp oder auch die gelben Westen: Es sind kurze Stichworte, hinter denen große Debatten dieses Jahres stehen. Drei Gäste haben sich 2018 vorgenommen im großen "Studio 9"-Gespräch: Thea Dorn, Hajo Schumacher und Andres Veiel. Und zwar nach dem Prinzip Zufall: Wir haben die Themen gelost, über die wir sprechen.

Herausgekommen ist dabei eine Sammlung, die vom Niedergang der SPD und dem Aufstieg der Grünen handelt, von einem Sommer, der sowohl heiß als auch aufgeheizt war, zum Beispiel in Chemnitz.

In der ersten Sendung beginnt unser Gespräch mit den Wahlniederlagen der SPD, die die Schriftstellerin Thea Dorn im Kontext des Verschwindens der Sozialdemokratie in Europa deutet. Unsere Studiogäste erinnern auch an die Debatte um den Fußballer Mesut Özil, nachdem er sich zusammen mit Präsident Erdogan ablichten ließ. Die Gelb-Westen-Proteste in Frankreich sieht der Journalist Hajo Schumacher im direkten Zusammenhang mit der Änderung des Algorithmus bei Facebook.

Im zweiten Teil unseres Debattenrückblicks wollte der Regisseur Andres Veiel die größte Feuilleton-Debatte des Jahres zwischen den Schriftstellern Uwe Tellkamp und Durs Grünbein über die Flüchtlingspolitik am liebsten auslassen. Dann interessierte ihn doch die Frage, welche Rolle Angstvorstellungen bei dieser Diskussion spielten und die nicht aufgearbeitete DDR-Vergangenheit. Beim Blick auf das neue Grünen-Führungsduo Habeck und Baerbock spricht Schumacher von einem "Gegenentwurf zu Trump". 

Neue Fahrt gewann 2018 die Debatte über die Rückgabe geraubter Kulturgüter, unter anderem darüber sprechen wir im dritten Teil unseres Gesprächs. Beim Rückblick auf das Brexit-Votum waren sich Dorn und Veiel einig, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU nur ein Anfang sei. Italien werde vermutlich in drei oder vier Jahren das nächste Land sein, das eine Abstimmung abhalte, sagte Veiel. Was das für Europa bedeute, sei völlig unklar, so Dorn. Auch der Wechsel an der CDU-Parteispitze bestimmte den Jahresrückblick. Ob die neue Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Frau mit den drei Buchstaben AKK abgekürzt werden dürfe, fragte Schumacher in die Runde.            

        

(picture alliance / dpa / Erwin Elsner)Thea Dorn, deutsche Schriftstellerin (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)Thea Dorn ist Schriftstellerin und Autorin von Theaterstücken und Essays. Immer wieder moderiert die studierte Philosophin auch Fernsehsendungen, vor allem über Literatur. Seit März dieses Jahres ist sie selbst Dauergast in einer: als Teil des neuen "Literarischen Quartetts". Zuletzt erschien von ihr das Buch "Deutsch, nicht dumpf - Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten".

Portrait von Hajo Schumacher vor dem Mikrofon im Studio. (Deutschlandradio – Malte E. Kollenberg)Hajo Schumacher im DLF Kultur. (Deutschlandradio – Malte E. Kollenberg)Hajo Schumacher, geboren 1964 in Münster, arbeitete von 1990 bis 2000 beim Nachrichtenmagazin "Spiegel". Später leitete er die Redaktion des Lifestyle-Magazins "Max". Heute ist er als freier Journalist und Autor für Tageszeitungen, Magazine, Hörfunk, Online und Fernsehen in Berlin tätig. Bekannt wurde der passionierte Läufer Schumacher außerdem als "Achim Achilles" mit einer regelmäßigen Laufkolumne. Schumachers jüngste Buchveröffentlichung "Männerspagat" geht der Frage nach, "wie wir mit Offenheit, Respekt und Leidenschaft die alten Rollen überwinden".

Filmregisseur Andres Veiel (Foto: Carsten Kampf)Filmregisseur Andres Veiel (Foto: Carsten Kampf)Andres Veiel, Jahrgang 1959, stammt aus Stuttgart. Er studierte Psychologie und absolvierte parallel eine Ausbildung in Regie und Dramaturgie am Künstlerhaus Bethanien in Berlin, unter anderem bei Krzysztof Kieślowski. Seinen ersten Dokumentarfilm fürs Kino drehte er im Jahr 1992. Einem großen Publikum bekannt wurde Veiel 2001 durch den Dokumentarfilm "Black Box BRD". 2011 folgte sein erster Spielfilm "Wer wenn nicht wir", der im Wettbewerb der Berlinale Premiere hatte und der mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet wurde. 2005 wurde sein Theaterstück "Der Kick" uraufgeführt. Im vergangenen Jahr folgte der Dokumentarfilm "Beuys".

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