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Lesart / Archiv | Beitrag vom 24.01.2017

"Der illustrierte Atlas der Architektur"Die Bauwerke der Welt daheim entdecken

Von Eva Hepper

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Chinesische Soldaten stehen am 13.06.2016 in der Großen Halle des Volkes in Peking (China) vor Beginn der militärischen Ehren für die Bundeskanzlerin vor einem Bild der Chinesischen Mauer. Merkel ist zu einem dreitägigen Besuch in China. (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)
2000 Jahre Bauzeit: Die Chinesische Mauer, hier auf einer Abbildung in der Großen Halle des Volkes in Peking (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)

Die Chinesische Mauer, das Brüsseler Atomium und die Sagrada Família: Sie gehören zu den "merkwürdigsten" Gebäuden der Welt, die in diesem Kinderatlas vorgestellt werden. Ein wunderbares Buch mit entzückenden Illustrationen.

2026 könnte die Kirche vollendet werden; 144 Jahre nach der Grundsteinlegung, pünktlich zum 100sten Todestag ihres Architekten Antoni Gaudí. Ist die Bauzeit der Sagrada Família, die seit 1882 in Barcelona ausschließlich durch Spenden und Eintrittsgeldern entsteht, damit rekordverdächtig? Ja und nein. Denn der Titel "Längste Bauzeit" gebührt mit großem Abstand der Chinesischen Mauer. Über 2000 Jahre wurde an der monumentalen Grenzsicherung gearbeitet; sie zählt zu den sieben Weltwundern und gehört seit 1987 – wie auch die Sagrada Família (seit 1995) – zum Unesco-Weltkulturerbe.

Für Sarah Tavernier und Alexandre Verhille sind die Chinesische Mauer und die Sagrada Família jedoch gleichermaßen "fantastisch und rekordverdächtig". Und so gehören sie zu den über 170 Bauwerken, die die beiden Illustratoren in ihren Atlas der Architektur aufgenommen haben. Darin präsentieren sie für Kinder ab acht Jahren die weltweit "merkwürdigsten" Gebäude und Konstruktionen; darunter Kirchen und Paläste, Wohnkomplexe und Regierungssitze, Stadien und Konzerthäuser sowie antike Baudenkmäler und Überreste von Kultstätten.

Im Stil alter Reklameplakate 

Aufgebaut haben die französischen Designer ihre Entdeckungsreise durch die Welt der besonderen Bauwerke wie einen klassischen Atlas. Die erste Doppelseite zeigt farblich abgesetzt alle Kontinente, anschließend werden diese in einzelnen Übersichtskarten dargestellt. Wer genau hinschaut, erkennt bereits hier die ausgewählten Bauwerke als winzige Vignetten. Auf den Folgeseiten haben diese dann ihren großen Auftritt in hinreißend schönen, detailgenauen Zeichnungen.

Tavernier und Verhille gruppieren jeweils sechs Gebäude auf einer Seite; jedes einzelne innerhalb eines eigenes Farbfeldes, an dessen Rändern verschiedenste Informationen (Ort, Baujahr, Architekt, gestalterische Besonderheiten) platziert sind. Tatsächlich erinnern diese Tableaus mit ihrer fein austarierten Komposition von Illustration und Typografie an den Stil alter Reklameplakate. Man kann sich kaum satt sehen daran.

Überzeugende Gebäudeauswahl

Und was man alles entdeckt und erfährt! Etwa, dass die Rolltreppen in den Röhren des Brüsseler Atomiums zu den längsten Europas gehören, dass das Burj Khalifa in Dubai als höchstes Gebäude der Welt Schauplatz in einem der "Mission Impossible"-Filme war, oder dass sich der Potala-Palast in Tibet über die Größe von 18 Fußballfeldern erstreckt.

Obwohl die beiden Illustratoren Mut zur Lücke zeigen (müssen), ist ihre Gebäudeauswahl überzeugend. Tavernier und Verhille versammeln Architekturikonen und weniger bekannte Bauwerke. Kurios sind sie alle. Wer hätte geahnt, dass im indischen Antilia eine einzige Familie in einem 173 Meter hohen Wohnhaus lebt, oder dass der Farming Kindergarten in Biên Hòa (Vietnam) seine Pflanzen mit dem Abwasser einer benachbarten Schuhfabrik am Leben hält?

So macht Architekturgeschichte Freude! Hätten sich nicht einige kleine Ungenauigkeiten wie Zahlendreher oder falsch geschriebene Eigennamen in die Texte geschlichen, wäre das Buch ein einziges Vergnügen. 

Sarah Verhille/ Alexandre Tavernier: Der illustrierte Atlas der Architektur
Übersetzt von Claudia Sandberg
Kleine Gestalten, Berlin 2016
48 Seiten, 22,90 EUR

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