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Literatur | Beitrag vom 09.05.2021

Der Hund in der LiteraturAn der Leine und unterm Schreibtisch

Von Manuela Reichart

Ein Hund liegt zu Füßen einer lesenden Person. (Imago / Stock)
Beständige Inspirationsquelle für Leser und Autoren: der Hund. (Imago / Stock)

Hunde und Menschen. Das ist eine lange Beziehungsgeschichte von Freundschaft und Treue. Intensiv, kreativ, eine besondere Beziehung, die Spuren im Leben, aber vor allem in der Literatur hinterlässt.

Ob Homer, Thomas Mann, Ernst Jandl, Monika Maron oder Sigrid Nunez – seitdem es Literatur gibt, schreiben Schriftsteller und Schriftstellerinnen über den Hund. Ob Collie, Dogge, Mops oder Schnauzer – der Hund ist Liebesobjekt und Stimmungsbarometer, Gefährte, Beschützer oder auch Angstmacher.

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Zu wohl keinem anderen Tier hat der Mensch ein so enges Verhältnis wie zum Hund. Das ist bei einem Spaziergang durch den Park ebenso zu sehen wie in der Literatur. Die Deutsche Dogge ist viel zu groß für das New Yorker Appartement im Roman "Der Freund" von Sigrid Nunez, die struppige Mischlingshündin hingegen viel zu klein in der Erzählung "Bonnie Propeller" von Monika Maron.

Es gibt auch den bösen, gefährlichen Hund

Beiden Hunden gemeinsam ist ihre Klugheit und Empfindungsfähigkeit. Eigenschaften, die besonders literarischen Hunden gern zugeschrieben werden. Sie begleiten die Schreibenden durch schwere und heitere Abschnitte ihres Lebens, ermuntern oder fordern sie, warten geduldig unterm Schreibtisch oder werden zu Legenden wie Argos, der Hund des Odysseus, oder Lassie.

Der Hund ist meist ein verlässlicher Freund, verkörpert in der Literatur aber auch den Teufel oder die düsterste Depression. Es gibt auch die bösen, gefährlichen Hunde, nicht nur der von Baskerville mit den tellergroßen Augen ist ein Angstmacher. In einer Geschichte von Fried­rich Dürrenmatt ist es ein riesiger schwarzer Hund mit gelben Augen, vor dem der Erzähler gleich bei der ersten Begegnung mit Grauen zurückzuckt.

Welt aus der Perspektive des Tieres

Der gute und der böse Hund: Dieses Gegensatzpaar findet sich nicht nur in der Literatur, sondern auch in Sprichwörtern und Redensarten. Der Sprichwortforscher Lutz Röhrich schreibt, dass der Hund redensartlich ebenso sehr das Sinn­bild des "Elenden, Niederträchtigen und Untermenschlichen wie auch das Symbol der Treue und Wachsamkeit" sei. In seinem "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" füllt der beste Freund des Menschen 22 Spalten.

Es gibt Gedichte und Aphorismen über dieses Tier, Romane, in denen die Welt aus Perspektive des Hundes beschrieben wird, wie auch solche, in denen der Mensch durch seinen Blick auf den Hund etwas über sein Leben erfährt. Ein besonderer Hundefreund war der Philosoph Arthur Schoppenhauer. Herr und Hund gehörten zum Frankfurter Straßenbild. Musste Schopenhauer das Tier einmal schelten, nannte er es Mensch.

Grundsätzlich gilt der Satz der englischen Autorin Vita Sackville-West: "Wer Hunde liebt, dem fällt es schwer, ihnen keine menschlichen Eigenschaften zuzuschreiben."

(huk)

An der Leine – Der Hund in der Literatur und unterm Schreibtisch
Von Manuela Reichart 
Es sprachen: Cathlen Gawlich und Michael Rotschopf
Ton: Ralf Perz
Regie: Beatrix Ackers
Redaktion: Carsten Hueck
Eine Produktion von Deutschlandfunk Kultur 2021 
Das Manuskript können Sie hier herunterladen.

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