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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 20.11.2008

Der Held der Plastikgitarre

Jan Brunner zählt zu den Besten beim Musikspiel Guitar Hero

Von Christian Fischer

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Eine echte Gitarre (Stock.XCHNG / Piotr Ciuchta)
Eine echte Gitarre (Stock.XCHNG / Piotr Ciuchta)

Computerspielen als Wettkampfsport ist vor allem für Jüngere ein beliebtes Freizeitvergnügen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Wettkämpfe und Veranstaltungen. Der Höhepunkt war die Weltmeisterschaft in Köln. Eine der 14 e-sport-Arten war das Musikspiel Guitar Hero. Und der 18-jährige Jan Brunner aus Würzburg zählt zu den Besten an der Plastikgitarre.

"Ich hab vorher schon echte Gitarre gespielt. Meine Eltern fanden das auch sehr merkwürdig, dass ich mir dann eine Plastikgitarre gekauft habe und dann darauf gespielt habe. Gemerkt hab ich auch nicht so schnell, dass ich jetzt gut bin in diesem Spiel. Das kam dann erst mit dem ersten Contest. Also es war immer im Leben so: Es gab immer jemanden, der besser ist. Das hat mich überrascht, dass das jetzt bei Guitar Hero mal anders ist."

Eine Jugendherberge in Köln Deutz. Der strenge Geruch von Industriereiniger hängt in den Räumen. Hier, unweit vom Austragungsort der World Cyber Games, treffen gerade die Spieler ein. Jan Brunner sitzt bereits leicht geduckt auf der Matratze seines Stockbetts. Er packt seinen Koffer aus. Obenauf liegt eine schwarze Gitarre aus Plastik, sie hat fünf bunte Knöpfe am Hals und einen Kippschalter statt Saiten. Gleich darunter liegt das weiße Trikot der deutschen Nationalmannschaft.

Bei der Teambesprechung wird Jan noch einmal eingebläut, dass es jetzt ernst wird – als ob er das nicht schon längst wüsste. In Deutschland ist Jan die Nummer eins, aber international? Er hofft, erstmal die Vorrunde zu bestehen. An alles Weitere mag er kaum denken – doch natürlich ist sein Traum, der Beste der Welt zu werden. In dieser Nacht, der letzten vor Beginn des Turniers, kann er kaum schlafen.

Tags darauf beginnt die Vorrunde. Die Bühne am Rande der riesigen Messehalle ist gerade so groß, dass zwei Spieler und ein paar Bildschirme darauf Platz finden. Es sind nur eine Hand voll Zuschauer da – doch Jan sieht ohnedies nur den Monitor.

"Ich zumindest kann das mehr oder weniger ausblenden und bin dann so in meiner eigenen Welt. Bin voll konzentriert. Nach dem Auftritt normalerweise brummt mein Schädel. Weil ich hab 100 Prozent gegeben, ich wollte keine Note verpassen. Und darauf kommt’s mir eigentlich an."

Guitar Hero ist wie Karaoke für Gitarristen: Das Programm spielt ein Lied ab und zeigt auf dem Bildschirm an, welche Knöpfe die beiden Kontrahenten auf ihren Plastikgitarren drücken müssen. Wer exakter spielt, gewinnt. Lauter bunte Punkte rasen auf einem endlos langen Band so unfassbar schnell vorbei, dass das Auge kaum nachkommt. Durch den Hintergrund hüpft derweil eine in Leder gekleidete Pixelband. Jan gewinnt souverän ein Spiel nach dem anderen.

Jans Eltern sind die Konstante am Bühnenrand. Sie sind immer dabei und reichen ihm zwischen den Spielen eine Flasche Brause. Der Vater, ein Ingenieur, würde zwar lieber mal eine Zwei in Mathe sehen, zeichnet aber jedes Spiel abwechselnd mit Fotoapparat und Videokamera auf, weil er weiß, wie viel es Jan bedeutet.

"Er ist ein ganz anderer Mensch, wenn er auf solchen Events ist. Er lebt da richtig auf. Er ist sonst eher ein etwas ruhigerer Typ. Er bezieht halt doch ein gewisses Selbstbewusstsein aus dieser ganzen Geschichte. Und, ja, es tut ihm glaub ich ganz gut."

Vor jedem Auftritt wirft Jan lässig sein Pony zur Seite. Er spielt wirklich unglaublich gut, so gut, dass es beim letzten Spiel der Vorrunde bloß noch darum geht Gruppensieger zu werden. Weitergekommen ist er schon längst.

So spielt Jan sich schließlich bis ins Halbfinale. Dort trifft er auf den Topfavoriten des Turniers, einen hageren Engländer in riesigen weißen Turnschuhen. Es ist ein Erfolg, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. Die halbe Nationalmannschaft versammelt sich am Bühnenrand. Der Modus ist "Bester aus Drei". Nach den ersten beiden Liedern steht es unentschieden – das dritte muss also alles entscheiden. Jan wischt seine verschwitzten Hände am Trikot ab, atmet tief durch und greift zur Gitarre.

Beide treffen jede Note. Immer mehr Zuschauer scharen sich um die Bühne. Plötzlich spielt Jan einen leichten Vorteil heraus, kann ihn auch eine Weile halten – doch dann, kurz vor Ende, entwischt ihm eine Note. Nur eine einzige. Verzweifelt schüttelt er immer wieder den Kopf und spielt mit glasigen Augen weiter. Doch vergeblich: er verliert. Seine Eltern stürzen sofort zu ihm. Jan setzt sich auf den Boden, hält die Hände vors Gesicht. So versteckt er es eine Minute lang – als es wieder zum Vorschein kommt, lacht er schon wieder.

"Es gibt eigentlich immer jemanden, der besser ist. Ich glaub das trifft auf fast jeden Menschen zu. Ich denk ich bin eher so ein Durchschnittsmensch."

Ein Durchschnittsmensch, sicher. Aber auch einer, der es unter die vier besten Guitar Hero Spieler der Welt geschafft hat: Jan Brunner ist ein echter Held an seiner Gitarre aus Plastik.

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