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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.12.2017

"Der Hauptmann von Köpenick" am Deutschen TheaterPolternde Kalauer-Nummern

Peter Claus im Gespräch mit Moderatorin Andrea Gerk

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Milan Peschel in Jan Bosses Inszenierung von "Der Hauptmann von Köpenick" am Deutschen Theater Berlin im Jahr 2017 (Deutsches Theater Berlin/Arno Declair)
Milan Peschel spielt Wilhelm Voigt (Deutsches Theater Berlin/Arno Declair)

"Der Hauptmann von Köpenick" ist ein Klassiker. Aber was hat uns das Stück heute noch zu sagen? Milan Peschel tritt am Deutschen Theater in Berlin in die Fußstapfen von Heinz Rühmann, Walter Giller oder Harald Juhnke.

Ob das Stück heute noch funktioniert, könne man nicht sagen, meint unser Rezensent Peter Claus, denn es werde am Deutschen Theater kaum gespielt. "Es sind eher Szenensplitter, eine Collage aus vielen Szenen", so Claus. Das Regieteam, neben Jan Bosse noch David Heiligers, habe dem Stück nicht vertraut, es werde ganz viel reingedichtet, "so holzhammermäßig". Es werde an die DDR erinnert, auf heutige Werberealität werde Bezug genommen, sagt Claus, und: "Ich hatte unentwegt das Gefühl, man möchte mich belehren, dass ich auch ja verstehe, dass das heute auch passieren könnte."

Milan Peschel sei großartig als leicht chaplinesker Hauptmann von Köpenick, gerade in den leisen Szenen, aber auch Steffi Kühnert könne in verschiedenen Rollen überzeugen. Die Inszenierung sei jedoch, meint Peter Claus, "zu knallig". "Da geht diese eigentlich ganz spannende Geschichte leider ein bisschen unter."

Der Vorhang zu und viele Fragen offen

So bleiben am Ende viele Fragen offen. "Warum tritt Steffi Kühnert plötzlich aus allen Rollen heraus und erzählt mir von ihrem persönlichen Leben als Schauspielerin? Warum hat Schuster Voigt plötzlich Sätze zu sagen, die ihm eine DDR-Jugend andichten? Warum muss die Mehrzahl der Szenensplitter immer wieder zu polternden Kalauer-Nummern runtergebrochen werden?"

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