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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 23.10.2009

Der Gründungsmythos Taiwans

Jade Y. Chen: "Die Insel der Göttin", Münchner Frühling Verlag, 419 Seiten

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Straßenszene in Taipeh (dpa / picture alliance / epa Chang Taipe)
Straßenszene in Taipeh (dpa / picture alliance / epa Chang Taipe)

Parallel zur Geschichte der Unabhängigkeit Taiwans erzählt die dort geborene und inzwischen in München lebende Autorin Jade Y. Chen in ihrem Roman von den Bestrebungen nach Unabhängigkeit einer jungen Frau im modernen Taiwan.

Eine Insel mit deutlich mehr als zwei Bergen und 23 Millionen Einwohnern. Das ist Taiwan, der Handlungsort des multiperspektivischen Familienromans von Jade. Y. Chen, der seit dem China-Schwerpunkt auf der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr zum Sprung vom Undergroundtipp zum Bestseller ansetzt. Chen erzählt darin eine exemplarische Familiengeschichte, die Geschichte der Lins, in der die Kolonialgeschichte Taiwans als von den Japanern besetzte Insel ebenso beschrieben wird wie die Herrschaft der Kuomintang, in der bis 1987 der Leser eines Buches von Karl Marx im Gefängnis landen konnte.

"Die Insel der Göttin" thematisiert einen Gründungsmythos Taiwans, die Geschichte der Göttin Mazu, die als Sterbliche ihren Vater und ihre Brüder aus Seenot rettete. Auch Jade. Y. Chen rettet ihre Familie sozusagen vor dem Meer des Vergessens. Ihr Roman ist ein Buch über Grenzen und das Überwinden von Grenzen, mitreißend, detailreich und anschaulich. "Das Leben, aija, es ist nicht mit drei, vier Worten zu beschreiben", sagt die Mutter der Ich-Erzählerin dieses autobiografischen Romans.

Jade Y. Chen benötigt denn auch deutlich mehr als drei, vier Worte, sondern über 400 Seiten, um eine Geschichte über das Unabhängigwerdens Taiwans, vor allem über das Unabhängigwerden einer Frau im modernen Taiwan zu erzählen.

Besprochen von Denis Scheck

Jade. Y. Chen: Die Insel der Göttin.
Deutsch von B. Trogen
Münchner Frühling Verlagg
419 Seiten, 24.90 Euro

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